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Wird Katar die Muslimbruderschaft aufgeben?

Der ägyptische Präsident Abdel Fattah Al-Sisi zu Besuch beim katarischen Emir Tamim bin Hamad Al Than
Der ägyptische Präsident Abdel Fattah Al-Sisi zu Besuch beim katarischen Emir Tamim bin Hamad Al Thani (© Imago Images / APAimages)

Die Äußerungen des Emirs von Katar über die Beziehungen seines Landes zur Muslimbruderschaft haben viele Kontroversen und Fragen aufgeworfen, vor allem, weil der Emir die Existenz dieser Beziehungen von vornherein bestritten hatte.

In einem Interview mit der französischen Zeitung Le Point antwortete Emir Tamim bin Hamad Al Thani vor einigen Tagen auf eine Frage über die Beziehungen Katars zu den Muslimbrüdern: »Wir haben keine solchen Beziehungen.« Auch die Präsenz von Mitgliedern der Muslimbruderschaft oder von den ihr angeschlossenen Organisationen in seinem Land bestritt Bin Hamad und sagte: »Wir sind ein Staat, keine Partei. Wir haben mit legitimen Ländern und Regierungen zu tun, nicht mit politischen Organisationen.«

Katar sei »ein offenes Land, viele Persönlichkeiten mit unterschiedlichen Meinungen kommen und gehen zu uns, aber wir sind ein Land, das nicht mit Parteien verhandelt«.

Ägyptischer Besuch

Die Äußerungen des Emirs fielen mit dem Besuch des ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah Al-Sisi in Doha am vergangenen Dienstag zusammen, der die Versöhnungsbemühungen zwischen den beiden Ländern nach dreijähriger Entfremdung fortsetzen sollte. Bevor sich die Beziehungen vor etwa zwei Jahren wieder zu normalisieren begannen, brachen im Juni 2017 nicht nur Ägypten, sondern auch Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain ihre Beziehungen zu Katar ab, nachdem Kairo Doha beschuldigt hatte, die Muslimbruderschaft zu unterstützen.

Im Rahmen der Aussöhnung mit den Golfstaaten und Ägypten begann Katar im Februar letzten Jahres, Maßnahmen gegen die Muslimbruderschaft auf seinem Staatsgebiet zu ergreifen. Damals beschloss Katar, einige der zweitrangigen Führer der Gruppe auszuweisen, aber viele der erstrangigen leben immer noch auf katarischem Gebiet.

Welche Konsequenzen

Der Autor Rifqi Badawi kommentierte die Äußerungen des Emirs mit den Worten, sie seien »diplomatisch« und der Emir habe »nichts gesagt, was ihm irgendjemand vorwerfen könnte«.

Der Ägypter Karem Yahya, Autor des Buches Herbst der Muslimbruderschaft. Wie ist die Herrschaft der Bruderschaft in Ägypten gescheitert?, erklärte diesbezüglich: »Die Aussage Tamims war die eines Staatschefs, der Beziehungen zu verschiedenen Ländern aufbauen möchte, auch wenn es sich um Länder handelt, die mit der Bruderschaft verfeindet sind.« Dabei, so fuhr er fort, sei allgemein bekannt, »dass Katar in jüngster Zeit die Muslimbruderschaft unterstützt und den Anführern der Gruppe Obdach gewährt hat«.

Während Badawi und Yahya darin übereinstimmten, die Äußerungen des Emirs über die Muslimbruderschaft seien »diplomatisch« in alle Richtungen gewesen, meint Munir Adib, der über Organisationen des politischen Islams forscht, dass die Zukunft der Muslimbruderschaft in Katar in Gefahr sei: »Die Muslimbruderschaft hat nicht nur Angst, dass die Bedeutung ihrer Medien abnimmt, sondern auch, dass Doha seinen Schutz von den dort lebenden Führern der ersten Reihe abzieht und sich das wiederholt, was vor ein paar Monaten geschehen ist, als Doha von einigen Führern der zweiten Reihe der Gruppe verlangte, katarisches Territorium zu verlassen.«

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