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Wird die Türkei gegen die Hamas auf ihrem eigenen Boden vorgehen?

Israels Yair Lapid beim Treffen mit seinem türkischen Amtskollegen Mevlüt Çavuşoğlu im Juni 2022
Israels Yair Lapid beim Treffen mit seinem türkischen Amtskollegen Mevlüt Çavuşoğlu im Juni 2022 (© Imago Images / Depo Photo)

Welche Auswirkungen die Normalisierung der Beziehungen zwischen der Türkei und Israel auf den Nahen Osten hat.

Die Türkei und Israel haben am Mittwoch die Normalisierung der Beziehungen und die Rückkehr der Botschafter angekündigt, was große Auswirkungen auf den Nahen Osten hat. Nach einem Telefonat mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan erklärte der israelische Premierminister Yair Lapid am Mittwoch die Rückkehr zu normalen Beziehungen zwischen den beiden Ländern. Lapids Büro teilte diesbezüglich mit:

»Es wurde beschlossen, die Beziehungen zwischen den beiden Ländern wieder auf die Ebene voller diplomatischer Beziehungen zu heben und die Botschafter und Generalkonsuln wieder einzusetzen. Die Wiederaufnahme der Beziehungen zur Türkei ist ein wichtiger Aktivposten für die regionale Stabilität und ein sehr wichtiger wirtschaftlicher Vorteil für die Bürger Israels.«

Der Weg zu dieser Wiederherstellung der vollständigen Beziehungen zwischen den beiden Ländern hat sich in mehreren Schritten während der vergangenen acht Monaten angekündigt: Er begann mit einem unangekündigten Besuch des Generaldirektors des israelischen Außenministeriums, Alon Ushpiz, in Ankara im Dezember 2021, der den Grundstein für die Annäherung legte. Zwei Monate nach diesem Besuch reiste eine hochrangige türkische Delegation im Februar 2022 nach Israel, und im März traf der israelische Staatspräsident Isaac Herzog in Ankara mit Präsident Erdogan zusammen.

Schon im Mai vergangenen Jahres besuchte der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu Israel, während der israelische Außenminister Yair Lapid im Juni dieses Jahres in die Türkei reiste, um das Normalisierungsabkommen mit seinem türkischen Amtskollegen abzuschließen.

Erste Resultate der Annäherung

Ein Resultat dieses Annäherungsprozesses war die Verstärkung der sicherheitspolitischen Zusammenarbeit zwischen Israel und der Türkei, die nicht zuletzt dazu führte, dass die türkischen Behörden vor einigen Wochen iranische Terroranschläge gegen israelische Touristen auf türkischem Gebiet vereiteln konnten.

Die Frage bleibt jedoch bestehen: Welche Auswirkungen sind von der Normalisierung zwischen der Türkei und Israel im Nahen Osten zu erwarten?

Eine Antwort liefert ein arabischer Pressebericht, in dem bestätigt wurde, dass das neue Kapitel in den bilateralen Beziehungen zwischen der Türkei und Israel die Tür für eine Zusammenarbeit in vielen Bereichen – darunter Energie und Sicherheit – öffnet und zur Stabilität in der Region beiträgt. In einem Bericht der türkischen Zeitung Daily Sabah wurde dann auch der Politikwissenschaftler Gökhan Çınkara mit den Worten zitiert, die Wiederherstellung der Beziehungen zwischen Israel und der Türkei werde die Koordinierung in vielen Bereichen in der Region verbessern.

»Kurz gesagt ist dies das Ergebnis der neuen diplomatischen Initiative, die durch die Vereinbarungen von Ibrahim und die Bemühungen um eine sicherheitspolitische Zusammenarbeit geschaffen wurde. […] Zumindest kann man sagen, dass die Türkei versucht, einen außenpolitischen Diskurs zu entwickeln, der mit der neuen regionalen Dynamik vereinbar ist.«

Hamas und die Muslimbruderschaft?

Der ehemalige politische Berater des türkischen Präsidenten, Tihan Shumaz, deutete in Erklärungen gegenüber einer arabischen Zeitung an, dass »Erdogan nach der Normalisierung der Beziehungen zu Israel kein guter Freund der Muslimbruderschaft mehr sein und sich weiter von der Organisation entfernen wird«. Erdogan werde »nicht mehr zulassen, dass die Muslimbruderschaft ihre politischen Aktivitäten in der Türkei fortsetzt«.

Shumaz wies darauf hin, dass Erdogan die Hamas zwar nicht als terroristische Organisation einstufen wird, betonte aber gleichzeitig, dass »der türkische Präsident der palästinensischen Bewegung nicht mehr so nahestehen wird wie bisher« und dass er »gegen sie vorgehen« könnte. Der prominente türkische Politiker erwartet, dass Erdogan »Funktionäre aus der zweiten Reihe der Hamas aus der Türkei in ein Drittland ausweisen wird, um Israel zufriedenzustellen«.

Der türkische Politologe Firas Radwanoglu bekräftigte dies, als er feststellte, Ankara werde »nach der vollständigen Normalisierung« seiner Beziehungen mit Israel »der Hamas eine deutliche Botschaft senden und ihr nicht erlauben, von Ankara aus Operationen gegen Israelis zu planen«.

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