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Wird der Hidschab in Gaza zur Pflicht?

Schülerinnen in Gaza berichten, zum Hijab gezwungen zu werden
Schülerinnen in Gaza berichten, zum Hijab gezwungen zu werden (© Imago Images / ZUMA Wire)

Palästinensische Schülerinnen und Studentinnen ohne Kopfbedeckung werden zunehmend von der vom Iran unterstützten islamistischen Hamas-Regierung bedroht.

Die regierungsfeindlichen Proteste im Iran, die mit dem Widerstand gegen die obligatorische Kopfbedeckung für Frauen begannen, lenken die Aufmerksamkeit auf einen ähnlichen Konflikt im Gazastreifen, dem palästinensisch kontrollierten Gebiet, das von der vom Iran unterstützten islamistischen Hamas regiert wird. Dort beschweren sich Schüler und Lehrer darüber, dass Schulleiter versuchen, Schülerinnen an Mädchenschulen den Hidschab aufzudrängen.

Die Kritiker bestehen darauf, dass es im palästinensischen Recht keinen Zwang gibt, einen Hidschab zu tragen. Die britische Times zitiert die 17-jährige Schülerin Malak Abu Hanoun, die von ihrer Schulleiterin jeden Tag zu sich gerufen und beschimpft wurde, weil sie kein Kopftuch trug: »Ich wurde für ein paar Tage aus der Schule geworfen und gebeten, nie wiederzukommen, wenn ich keinen Hidschab trage.«

Der Gazastreifen ist offiziell Teil der größeren palästinensischen Einheit, zu der auch das Westjordanland gehört. Im Jahr 2007 übernahm die mit der Muslimbruderschaft verbundene islamistische Hamas den Gazastreifen und wurde zur De-facto-Regierung, während die stärker säkular ausgerichtete Palästinensische Autonomiehörde die Kontrolle über das Westjordanland behielt.

Die sunnitische Hamas, die vom schiitischen Iran unter anderem mit Raketen und anderen Waffen unterstützt wird, teilt die Vorstellung der Islamischen Republik von staatlich verordneter Religiosität. So verabschiedete die Hamas-Regierung im September 2013 ein umstrittenes Gesetz, das die Trennung von Mädchen und Jungen ab neun Jahren in der Schule vorschreibt. Auch hat sie versucht, Lehrer aus den staatlichen Mädchenschulen zu verbannen.

Schüler berichten, Schulleiter würden oft versuchen, zu Beginn des neuen Schuljahres im Herbst Kleidervorschriften durchzusetzen, während Lehrer immer wieder beklagen, dass die Bildung der Verbreitung der religiösen Ideologie untergeordnet wird. So starteten von der Hamas unterstützte Predigergruppen in einigen staatlichen Schulen religiöse Kampagnen, um die Grundsätze des Islams zu verbreiten und hielten ein- oder zweimal wöchentlich von der Hamas genehmigte Predigten in den Schulen. Kritiker meinen, manche Lehrer bzw. Schulleiter würden alles tun, um ihr Image bei den von der Hamas-Regierung unterstützten Vorgesetzten aufzupolieren.

Kürzlich wurden an einer Schule im nördlichen Gazastreifen zwei Mädchen des Unterrichts verwiesen, weil sie mit unbedecktem Haar und in Jeans erschienen waren. Andere Schülerinnen hielten sich gegen ihren Willen und unter Protest an die Kleidungsvorschriften, weil sie wissen, dass ihnen sonst die Teilnahme am Unterricht verweigert würde. Eine Folge davon ist, dass sich immer mehr Eltern dafür entscheiden, ihre Töchter auf Privatschulen zu schicken, wo mehr persönliche Freiheit erlaubt ist. Andere wiederum versuchen, den Gazastreifen zu verlassen.

Die Hamas bestreitet, dass das Tragen des Hidschabs auch in Schulen obligatorisch sei, aber solch strenge Regeln haben sich mittlerweile auch an den Universitäten durchgesetzt. In privaten Aussagen rechtfertigen Hamas-Funktionäre und Beamte des Bildungswesens diese Praktiken mit dem Hinweis auf die Notwendigkeit, »die islamische Identität der Gesellschaft zu bewahren«.

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