Latest News

Wikipedia beweist erneut antiisraelische Voreingenommenheit

Die antiisraelische Schlagseite der Online-Enzyklopädie Wikipedia wird immer offensichtlicher
Die antiisraelische Schlagseite der Online-Enzyklopädie Wikipedia wird immer offensichtlicher (© Imago Images / Joko)

Die antiisraelische Ausrichtung der Online-Enzyklopädie wird zum immer größeren Problem, weil Wikipedia-Inhalte verstärkt Eingang in KI-Plattformen finden, die so als zusätzlicher Multiplikator fungieren.

Aaron Bandler

Wikipedia wurde von jüdischen Führungspersönlichkeiten kritisiert, nachdem die Redakteure der Website beschlossen hatten, die Diskussion über den Titel einer Seite einzufrieren, die sich auf ein von Israel im Juni 2024 angeblich begangenes »Massaker« bezieht. Diese Entscheidung bedeutet, dass bis mindestens August 2026 niemand mehr über eine Änderung des Titels der Seite »Nuseirat rescue and massacre« diskutieren darf. Der Eintrag bezieht sich auf die Befreiung der vier Geiseln Noa Argamani, Almog Meir Jan, Andrey Kozlov und Shlomi Ziv aus dem Gazastreifen.

Unter Berufung auf »palästinensische Gesundheitsbeamte« behauptet die Wikipedia-Seite, dass »mindestens« 276 Palästinenser während der Operation getötet worden seien; das israelische Militär habe aber weniger als hundert palästinensische Todesfälle verzeichnet. Der von Wikipedia zitierte israelische Medienartikel weist darauf hin, dass sich unter den Todesopfern auch Terroristen befanden, was auf der Enzyklopädie-Seite nicht erwähnt wird.

Zumindest bis zum 2. Oktober hieß es in dem aktuellen Eintrag, der von einem »Massaker« spricht, dass er einen anderen Beitrag ersetzt habe, der zuvor bestanden und den Titel »2024 Nuseirat rescue operation« getragen hatte. Berichten zufolge gab es lange Zeit diesen neutral betitelten Text und einen weiteren, der das angebliche »Nuseirat refugee camp massacre« zum Inhalt hatte – bevor beide schließlich in einen Beitrag zusammengelegt wurden. Nachdem einige Anstrengungen unternommen worden waren, den Titel des aktuellen Eintrags zu ändern, schlugen die Wikipedia-Redakteure am 26. Juli ein Moratorium für Änderungen vor und verhängten dann am 8. Dezember ein Verbot, das bis zum 3. August gelten soll.

»Wikipedia scheint seine Leser erneut in die Irre zu führen«, sagte Daniel Mariaschin, Geschäftsführer von B’nai B’rith International, zu Jewish News Syndicate: »Die Nuseirat-Affäre sagt uns zwei Dinge über den Krieg im Gazastreifen.« Einerseits habe man »schon früh gelernt, dass alle Zahlen, die vom Hamas-geführten Gesundheitsministerium veröffentlicht wurden, immer stark übertrieben und nicht glaubwürdig waren.«

Andererseits mache die Tatsache, dass israelische Geiseln »von palästinensischen Zivilisten in Wohnhäusern festgehalten werden, die Hamas-Politik besonders deutlich, sich selbst und die mit ihr verbundenen Personen mit menschlichen Schutzschilden zu umgeben«. Die eigentliche [Wikipedia-]Geschichte hier sollte sein, dass entführte Israelis als Geiseln festgehalten und erfolgreich befreit wurden.«

Der geschäftsführende Vizepräsident für soziale Auswirkungen und nordamerikanische Partnerschaften beim Simon Wiesenthal Center Vlad Khaykin meint, die Verwendung des Wortes »Massaker« im Titel stelle »keine neutrale Beschreibung« dar. »Es handelt sich um ein Urteil, das seine Autorität aus Opferzahlen und Behauptungen bezieht, die nach wie vor stark umstritten sind und oft von jenen verbreitet werden, die Israels Selbstverteidigungsmaßnahmen als böswillige Handlungen darstellen wollen.« Einen solchen Begriff in einer Wikipedia-Überschrift zu verankern, »ohne die mühsame Arbeit der Kontextualisierung und Verifizierung, ist kein Akt der Unparteilichkeit, es ist eine stille Umschreibung der Geschichte, noch bevor die Fakten überhaupt feststehen«.

Moratorium

Bereits Anfang dieses Jahres verhängten die Wikipedia-Redakteure ein weiteres Moratorium für Diskussionen zu einem anderen Eintrag – eine dramatische Maßnahme, die nur selten ergriffen wird. In den Richtlinien heißt es, dass eine solche Entscheidung »mit Vorsicht zu treffen ist«, da sie »der allgemeinen Praxis bei Wikipedia widerspricht, dass jeder Redakteur jederzeit eine Diskussion zu jedem Thema im Zusammenhang mit dem Betrieb der Enzyklopädie initiieren kann«.

Am 21. Februar verhängten die Redakteure Berichten zufolge ein einjähriges Diskussionsverbot darüber, ob die Zeile »Die Zionisten wollten in Palästina einen jüdischen Staat mit so viel Land, so vielen Juden und so wenigen palästinensischen Arabern wie möglich schaffen« am Ende des ersten Absatzes des englischsprachigen Artikels über »Zionismus« geändert werden soll.

»Seit wann verhängen zuverlässige Online-Informationsquellen ein Moratorium auf die Wahrheit?«, sagte Mariaschin gegenüber Jewish News Syndicate. »Die Geschichte der Rückkehr der Juden in ihre alte Heimat wird nicht nur ganz kurz abgehandelt. Sie wird mit einer erfundenen Darstellung der Geschichte versehen, die sowohl voreingenommen als auch gefährlich ist. Man mag sich gar nicht vorstellen, wie viele Menschen, die nach den Fakten suchen, mit einer absichtlich falschen Darstellung abgespeist werden.« Auch Khaykin meint, dass das Moratorium auf der Seite zum Zionismus »eine einseitige Version der Geschichte festschreibt«.

Im Januar hat das Schiedsgericht von Wikipedia acht Redakteuren die Bearbeitung arabisch-israelischer Artikel untersagt. Sechs der acht sind antiisraelisch. [Gesperrt wurden sie nicht wegen inhaltlicher Fragen, sondern wegen der Verzerrung von Quellen und beleidigendem Verhalten in der Diskussion; Anm. Mena-Watch.] Sie können nach einem Jahr gegen ihre Suspendierung Berufung einlegen. »Dies ist kein einfacher Streit unter Freiwilligen«, so Khaykin, »sondern eine Fallstudie darüber, wie entschlossene Akteure still und leise die Hebel eines offenen Systems an sich reißen und die Realität umschreiben können, während die Welt wegschaut«.

Eine Überprüfung durch JNS ergab, dass Moratorien in diesem Jahr nur wenige Male angewendet wurden, darunter Bemühungen, den Artikel über den Golf von Mexiko umzubenennen, den US-Präsident Donald Trump als »Golf von Amerika« bezeichnet, sowie Diskussionen über das Geschlecht einer algerischen Boxerin. Im Februar 2024 wurde durch ein Moratorium die Diskussion über die Umbenennung eines Artikels mit dem Titel »Israel-Hamas-Krieg« für drei Monate ausgesetzt. Der Titel der Seite wurde im Januar in »Gaza-Krieg« geändert. Der Vorschlag, die Diskussion über die Änderung des Titels der Seite »Gaza-Völkermord« per Moratorium einzufrieren, scheiterte im August 2024.

Gefahr der Ausbreitung

Der Ausschuss für Aufsicht und Regierungsreform des US-Repräsentantenhauses untersucht Wikipedia wegen Bedenken hinsichtlich »möglicherweise systematischer Bemühungen, antisemitische und antiisraelische Informationen in Wikipedia-Artikeln über Konflikte mit dem Staat Israel zu verbreiten«.

Holly Huffnagle, Direktorin für Antisemitismuspolitik beim American Jewish Committee, hält »koordinierte und manipulierte Wikipedia-Bearbeitungskampagnen für gefährlich« und »müssen von der Wikimedia Foundation ernst genommen werden. Diese Kampagnen haben die Macht, die öffentliche Meinung zu verzerren, indem sie das Vertrauen der Menschen in eine offene Enzyklopädie ausnutzen, um Narrative zu verbreiten, die für versteckte Absichten entwickelt wurden.«

Da Wikipedia so häufig zitiert werde, »auch von KI-Chatbots, können selbst subtile, organisierte Manipulationen die öffentliche Meinung verändern, die Berichterstattung in den Nachrichten beeinflussen und die Wahrheit verschleiern. Verfahren und Richtlinien müssen diese Bedenken widerspiegeln und berücksichtigen«, erklärte Huffnagle.

Wikipedia dient »mittlerweile als grundlegende Ebene des globalen Informationsökosystems. Seine Inhalte fließen direkt in die Google-Suchergebnisse ein und beeinflussen die Antworten von Alexa und Siri. Zunehmend beeinflusst es KI-Plattformen wie ChatGPT. Wenn die Neutralität von Wikipedia schon an der Quelle beeinträchtigt wird, breitet sich diese Verzerrung aus«, konkretisiert Vlad Khaykin.

Downstream-Tools, die diese Verzerrungen übernehmen, prägten dann, »wie Studenten, Journalisten, politische Entscheidungsträger und die Öffentlichkeit komplexe Themen verstehen«. Wikipedia »ermöglicht es einer kleinen Gruppe, zu diktieren, was die Welt wissen darf. Dann müssen sich diejenigen, die unsere digitalen Gemeingüter aufbauen, fragen, ob eine solche Plattform ihr Vertrauen verdient. Eine so leicht zu erfassende Quelle sollte nicht die historische Perspektive oder die Wahrheiten prägen dürfen, die wir an die nächste Generation weitergeben.«

Bleiben Sie informiert!
Mit unserem wöchentlichen Newsletter erhalten Sie alle aktuellen Analysen und Kommentare unserer Experten und Autoren.

Zeigen Sie bitte Ihre Wertschätzung. Spenden Sie jetzt mit Bank oder Kreditkarte oder direkt über Ihren PayPal Account. 

Mehr zu den Themen

Das könnte Sie auch interessieren

Wir reden Tachles!

Abonnieren Sie unseren Newsletter und erhalten Sie alle aktuellen Analysen und Kommentare unserer Experten und Autoren!

Nur einmal wöchentlich. Versprochen!