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Nahost: „Konflikt zwischen Palästinensern und Israel wirkt wie Schulhofschlägerei“

Jeder kennt Sheikh Jarrah, doch wer kennt Husham Al-Hashim?
Jeder kennt Sheikh Jarrah, doch wer kennt Husham Al-Hashim? (© Imago Images / Le Pictorium, قناة التغيير - altaghier.tv / CC BY 3.0)

Viele Libanesen, Syrer und Iraker haben es satt, dass die Palästinenser das „zentrale Thema“ und ihr Konflikt mit Israel der „Zentralkonflikt des Nahen Ostens“ sein soll.

Hussain Abdul-Hussain, House of Wisdom

Erwarten Sie nicht, dass die US-Kongressabgeordneten Rashida Tlaib und Ilhan Omar oder die „Israel ist Apartheid“-Rufer ein Wort gegen das Unrecht sagen, das das iranische Regime den Irakern, den Libanesen, den Syrern oder sonst jemandem antut. Stattdessen fahren die Anti-Israel-Schreihälse fort, Lärm über das Unrecht zu schlagen, das den Palästinensern widerfahre; als ob – auf der ganzen Welt – nur die Palästinenser Unrecht erleiden würden. Alle anderen scheinen bloß Niemande zu sein, deren Geschichten es selten in die Nachrichten schaffen.

Ab 1948 machten viele Araber die Palästinenser zu ihrem „zentralen Thema“, was verständlich war, da die meisten arabischen Länder zu dieser Zeit in relativem Frieden lebten. Aber seither haben die Kriege im Irak, im Libanon, in Syrien und im Jemen den Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern wie eine Schulhof-Schlägerei aussehen lassen.

Die Zahl der Toten in den Kriegen im Irak, in Syrien und im Libanon seit 2000 stellt die Zahl aller Opfer des arabisch-israelischen Konflikts seit den 1930er Jahren in den Schatten. Die Zahl der vertriebenen Syrer, Libanesen und Iraker lässt die Zahl der palästinensischen Flüchtlinge mickrig aussehen. Die Zahl der Iraker, Libanesen und Syrer, die in der Diaspora leben, ist um ein Vielfaches größer als die palästinensische Diaspora.

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Und doch sollen sich die Libanesen, Syrer und Iraker auf die Palästinenser konzentrieren, und wenn sie es nicht tun, werden sie beschuldigt, sich an den Imperialismus – Amerika, den Westen und Israel – zu verkaufen.

Am selben Tag, an dem iranische Milizen in Bagdad den irakischen Geheimdienstoberst Nebras Shaaban ermordeten, nahm Israel für ein paar Stunden eine palästinensische Journalistin fest, wegen der rund um den Globus die Hölle losbrach. Ein Mädchen aus einer der Familien, die in Sheikh Jarrah zwangsgeräumt werden könnten, wurde für ein paar Stunden festgenommen und wieder freigelassen, was ebenfalls für weltweite Schlagzeilen sorgte.

Aber die Ermordung von irakischen und libanesischen Aktivisten, von denen zwei gute Freunde von mir waren – Husham Al-Hashim im Irak und Lokman Slim im Libanon –, schaffte es kaum in die Nachrichten, und wenn doch, dann wurden die Morde als Teil eines größeren Konflikts zwischen Amerika und dem Iran dargestellt, wodurch die Verbrecher freigesprochen und ein Teil der Schuld den USA zugewiesen wurde.

Tatsächlich vermied es die New York Times in ihrem Bericht über die Ermordung von Lokman Slim, die Hisbollah als terroristische Organisation zu bezeichnen, obwohl die pro-iranische libanesische Partei vom ehemaligen Präsidenten Bill Clinton 1996 als terroristisch eingestuft wurde. Nach US-Recht ist die Hisbollah terroristisch, aber die New York Times berichtete nur, dass „die Vereinigten Staaten die Hisbollah als terroristische Organisation betrachten.“ Offensichtlich tut die Times selbst das nicht.

Viele Libanesen, Syrer und Iraker haben es satt, dass die Palästinenser das „zentrale Thema“ sein sollen. Tatsächlich beneiden die Libanesen, Syrer und Iraker die Palästinenser um ihr Glück, es mit Israel zu tun zu haben und nicht mit Saddam, Assad oder pro-iranischen Milizen. Wäre Sheikh Jarrah in Syrien, Assad hätte es in die Luft gesprengt. Die palästinensische Journalistin wäre verschwunden, vielleicht hätte man sie mit durchgeschnittener Kehle im Fluss Orontes treibend gefunden.

Die Libanesen, Syrer und Iraker sind mit Attentaten und Bombardements, mit Vertreibung und Armut konfrontiert, und doch wird von ihnen verlangt, sich nicht auf ihr eigenes Leid zu konzentrieren, sondern darauf, welche Familie in welchem Viertel in Jerusalem zwangsgeräumt wird.

Und auch die Welt ist aufgefordert, ein Auge darauf zu werfen – nicht auf die Tragödien, denen Nicht-Palästinenser ausgesetzt sind; sondern darauf, in welcher Jerusalemer Straße israelische Rechte ihre Kundgebung abhalten. Wenn diese Rechten durch das Damaskustor marschieren, drohen die Hamas und ihre Freunde weltweit Israel mit der Hölle.

Warum? Warum ist die Gefahr, dass Familien in Jerusalem nach 40 Jahren Rechtsstreitigkeiten geräumt werden, ein größeres Problem als irakische und libanesische Aktivisten, die wie Zielscheiben auf einem Schießstand niedergeschossen werden? Wen kümmert es, in welcher Straße welche Kundgebung irgendwo auf dem Globus stattfindet? Wie können diesen albernen Probleme der „Zentralkonflikt im Nahen Osten“ sein im Vergleich zu den Tragödien im Irak, in Syrien und im Libanon?

(Aus dem Artikel Only Palestinians can be victims, der bei House of Wisdom erschienen ist. Übersetzung von Alexander Gruber.)

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