Unter US-Republikanern prallen vermehrt entgegengesetzte Positionen zur Unterstützung der USA für Israel aufeinander.
Israel erhielt kurz nach seiner Gründung im Jahr 1948 erstmals wirtschaftliche Hilfe aus den USA. Der eigentliche Wandel erfolgte 1979 nach dem Friedensvertrag mit Ägypten, als die militärische und wirtschaftliche Hilfe der USA für Israel drastisch ausgeweitet wurde. Im Laufe der Zeit wurde diese Unterstützung durch Absichtserklärungen (Memorandums of Understanding, MOU) institutionalisiert; mehrjährige Vereinbarungen, welche die Sicherheitshilfe der USA festschreiben.
Das jüngste MOU, das 2016 unterzeichnet wurde, garantiert Israel jährlich rund vier Milliarden Dollar – Gelder, die größtenteils für in den USA hergestellte Verteidigungssysteme und gemeinsame technologische Entwicklungen ausgegeben werden. Jahrelang debattierten israelische Politiker darüber, ob das Land sich aus dieser Abhängigkeit befreien sollte. 1996 erklärte der damalige Premierminister Benjamin Netanjahu vor dem US-Kongress, Israel habe das »Ende seiner Kindheit« erreicht und könne nun den Weg in die Selbstständigkeit einschlagen. Stattdessen nahm die amerikanische Hilfe weiter zu.
Nun, da das aktuelle Memorandum of Understanding 2026 ausläuft, ist die Frage nicht mehr nur theoretischer Natur. Die Verhandlungen über ein Nachfolgeabkommen stehen bevor, und das politische Umfeld in Washington ist weit weniger günstig als noch vor einem Jahrzehnt.
Gespaltene Republikaner
Besonders auffällig ist dieser Wandel innerhalb der amerikanischen Rechten. Eine wachsende »America First«-Fraktion argumentiert, die Ressourcen der USA sollten für innenpolitische Prioritäten reserviert bleiben und nicht für langfristige Verpflichtungen im Ausland – selbst gegenüber Verbündeten. Innerhalb dieser Weltanschauung wird Israel nicht mehr automatisch als strategischer Vorteil angesehen, sondern von einigen als kostspielige Belastung.
Sowohl israelische als auch amerikanische Offizielle erkennen an, dass hier eine potenziell weitreichende Debatte im Gange ist. Während einige führende Republikaner warnen, dass eine Reduzierung der Hilfe den Iran und seine regionalen Stellvertreter ermutigen würde, argumentieren andere, die Beziehungen zwischen den USA und Israel müssten neu kalibriert werden, um den sich wandelnden globalen Realitäten Rechnung zu tragen.
Das Ergebnis ist laut Vertretern, die mit den Diskussionen in Jerusalem vertraut sind, ein vorläufiger »Mittelweg«: Weder wird das derzeitige MOU unverändert verlängert, noch wird es ganz aufgegeben. Stattdessen prüft Israel eine schrittweise Reduzierung der direkten Hilfe, die durch eine vertiefte Zusammenarbeit in Bereichen wie Spitzentechnologie, Verteidigungsinnovation und künstliche Intelligenz ausgeglichen wird – Felder, in denen Israel einen konkreten Mehrwert für die Sicherheitsinteressen der USA bieten kann.
Ende der »besonderen Beziehungen«?
Doch Israels Sorge geht über den Haushalt hinaus. Neben legitimen politischen Debatten normalisieren konservative Medienvertreter und Politiker zunehmend harte Kritik an Israel, während sie darauf bestehen, dass dies nichts mit Antisemitismus zu tun habe. Kritiker warnen, dass diese Normalisierung Tür und Tor für Verschwörungstheorien und Geschichtsrevisionismus öffnet.
Dies zeigte sich letzten Monat bei der wichtigsten jährlichen Versammlung der Republikaner (»Turning Point«), wo konkurrierende Narrative auf der Bühne aufeinanderprallten. Das eine Lager stellte Israel als strategischen Verbündeten in einem gefährlichen Nahen Osten dar, das andere als moralisch kompromittiert und strategisch entbehrlich. Alte Vorwürfe – vom Vorfall mit der USS Liberty im Jahr 1967 (bei dem Israel versehentlich ein Schiff der US-Marine angriff und vierunddreißig amerikanische Marineangehörige zu Tode kamen) bis hin zu Behauptungen über eine Einmischung Israels in die amerikanische Politik – wurden wieder hervorgeholt und für eine neue Generation neu verpackt.
Was diesen Moment besonders schwierig macht, ist, dass Israel nun von beiden Seiten des politischen Spektrums in den USA mit Skepsis betrachtet wird. Progressive stellen Israel wegen des Gazastreifens, den Siedlungen im Westjordanland und den Menschenrechten infrage; Konservative stellen Israel wegen der Kosten, der Loyalität und der Prioritäten von »America First« in Frage.
Nach Jahren des Kriegs im Gazastreifen und der zunehmenden regionalen Spannungen ist Jerusalem klar, dass Goodwill nicht mehr als selbstverständlich angesehen werden kann. Die vor uns liegende Aufgabe ist nicht nur diplomatischer, sondern auch generationsübergreifender Natur: Es gilt, jüngere Amerikaner einzubinden, die Online-Berichterstattung neu zu gestalten und die Beziehungen zwischen den USA und Israel als Partnerschaft statt als einseitige Abhängigkeit neu zu definieren.
Die Alternative, nämlich zuzulassen, dass die »besondere Beziehung« still und leise zerfällt, hätte Konsequenzen, die weit über die Haushaltslinien Washingtons hinausgehen würden. Für Israel würde dies einen Schlag gegen einen zentralen Pfeiler seiner nationalen Sicherheit bedeuten.






