Wie Venezuela die türkische Linke mit Erdogan vereinigte

„Wenn man von den Auswirkungen auf die internationale Politik einmal absieht, so war die Venezuela-Krise ein interessanter Indikator dafür, wie die türkische Linke eine nützliche Hilfe für die Außenpolitik von Präsident Recep Tayyip Erdogan sein könnte. Von dem Tag an, als die aktuelle Krise in dem lateinamerikanischen Land ausbrach – bei der in Caracas Hunderttausende Menschen gegen das autokratische Regime von Nicolas Maduros auf die Straße gingen und Donald Trump Juan Guaido als legitimen Übergangspräsidenten anerkannte –  erklärt die türkische Linke ihre Solidarität mit dem Maduro-Regime. Die besten Freunde Maduros sind Russland, China, Kuba und die Türkei. Als Erdogan im Dezember 2018 Caracas besuchte, wurde er mit großer Begeisterung empfangen. Der venezolanische Staatschef besuchte im Austausch mehrmals die Türkei. (…)

Neben dem kruden Antiamerikanismus oder Antiimperialismus der türkischen Linken, den sie mit der Linken in weiten Teilen der  Welt teilt, hat der Konflikt in Venezuela einen für die Türkei besonderen Aspekt: Der türkische Präsident ist ein enger Vertrauter von Maduro. Bei einer Pressekonferenz mit dem maltesischen Premierminister gab sich Erdogan schockiert über Trumps Erklärung zu Venezuela und suchte einen raschen Schulterschluss mit seinem venezolanischen Amtskollegen. Die türkische Linke gab ihrerseits mit ihrer leidenschaftlichen Solidaritätserklärung an Maduro bekannt, dass sie die moralische Hilfstruppe in Erdogans Außenpolitik spielen wird. Weil ihr moralischer Kompass vor allem auf Anti-Amerikanismus geeicht ist, wird – wie der Fall Venezuela zeigt – die türkische Linke auch bei Erdogans antikurdischem Kurs in Syrien behiflich sein, solange dieser Kurs der Haltung Washingtons widerspricht.“ (Cengiz Candar: „How Venezuela has united Erdogan, Turkish left“)

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