Wie Tunesien die amerikanische Wirtschaftshilfe nutzte

„Als Präsident Dwight Eisenhower Tunesien am 7. Dezember 1959 besucht, fragte er den tunesischen Präsidenten Habib Bourguiba, wie die Vereinigten Staaten seinem jungen Land am besten helfen könnten. Bourguiba, der entschlossen war, ein modernes Land aufzubauen, das sich vom Rest der arabischen Welt unterscheidet, bat Eisenhower nicht um Militärhilfe, sondern um Hilfe bei der Ernährung, der Bildung und dem Wohnungsbau. Die politischen Entscheidungsträger in Washington sollten sich an diesen Austausch und seine Folgen erinnern, wenn es darum geht, mit dem Weißen Haus einen Haushalt für 2018 zu vereinbaren. Bourguibas Bitte wurde positiv aufgenommen. Ende der 1960er Jahre wurde ein Sechstel des tunesischen Wirtschaftswachstums durch Entwicklungshilfe aus den Vereinigten Staaten angekurbelt. (…)

Die Investition in die Bildung machte sich bezahlt, als die Tunesier sich 2011 erhoben, den autokratischen Präsidenten Zine al-Abidine entmachteten und es schafften, den Auftrieb des Arabischen Frühlings in den Dienst eines friedlichen Übergangs zu einer funktionierenden Demokratie zu stellen, wodurch Tunesien einen arabischen Einzelfall darstellt. (…) Es ist nun an der Zeit, dass die Welt, und die Vereinigten Staaten im Besonderen, diese wachsende aber immer noch gefährdete Demokratie stützen und den Tunesiern dabei helfen, die Errungenschaften ihrer Revolution zu konsolidieren und die Stabilität des Landes zu sichern. Es gibt allen Grund anzunehmen, dass der Rechtsstaat und die demokratischen Institutionen sich mit derartiger Unterstützung dauerhaft werden durchsetzen können.

Seit der Entmachtung von Ben Ali hat das Land eine fortschrittliche bürgerliche Verfassung verabschiedet, gerechte Parlamentswahlen abgehalten und den ersten jemals demokratisch gewählten Präsidenten ins Amt gehoben. Erstmals hat in einem arabischen Land eine islamistische Partie, die Ennahda, ihre islamistische Orientierung aufgegeben und sich im Mai 2016 als Partei der muslimischen Demokraten neu aufgestellt. Sie hat sich der Wirtschaft des Landes zugewandt und Parteiführern die Mitarbeit an religiösen und wohltätigen Organisationen sowie das Predigen in Moscheen untersagt. Vor kurzem erhielten die Musliminnen Tunesiens erstmals in einem arabischen Land das Recht, Nichtmuslime zu heiraten; und im August schockierte der tunesische Präsident Beji Caid Essebsi die muslimische Welt, indem er sich für ein gleiches Erbrecht für Frauen [und Männer] aussprach (der Scharia zufolge, steht Frauen nur die Hälfte des Erbes zu, das Männer erhalten würden).“ (Safwan Masri: „Tunisia is an American ‚soft power‘ success story – keep it that way“)

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