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Wie könnte das iranische Regime reagieren?

(Cherie A. Thurlby/DoD)
(Cherie A. Thurlby/DoD)

Statt nur militärische Reaktionen im Blick zu haben, sollten politische Möglichkeiten für einen iranischen Gegenschlag nicht außer Acht gelassen werden.

Interview mit Christof Rühl/Handelsblatt

Der Iran hat Schwierigkeiten, auf Augenhöhe zu reagieren. Das ist es, was Experten mit ‚asymmetrischer Kriegsführung‘ umschreiben: isolierte Anschläge, Zerstörung von Infrastruktur und so weiter, aber keine offene Kriegsführung. Wenn die Führung in Teheran nun mit ihrer ‚asymmetrischen‘ Reaktion überzieht, riskiert sie, dass die USA zum Gegenschlag ausholen. Die militärischen Kräfteverhältnisse sind ja sehr eindeutig, und der Iran hat der US-Luftüberlegenheit nichts entgegenzusetzen. Deshalb glaube ich nicht, dass Teheran den Konflikt zu einem Krieg eskalieren lässt.

Im Moment scheint jeder diese Frage in rein militärischen Kategorien zu diskutieren. Aber es muss ja keine rein militärische Reaktion sein. Ich glaube, es wird in erster Linie darum gehen, die irakische Regierung dazu zu bringen, dass die US-Truppen den Irak wieder verlassen. Wir vergessen zu schnell: Es war ja erst 2012, dass die USA den Irak verlassen mussten – sie wurden dann 2014 wieder eingeladen, um die Terrormiliz IS zu bekämpfen, die das entstandene Machtvakuum besetzt hatte.

Im Irak haben wir gerade eine Phase großer Unruhen gesehen, die sich explizit nicht nur gegen Korruption und Ineffizienz, sondern gegen die iranische Präsenz im Lande gerichtet haben und die harsch niedergeschlagen wurden von einer Führung, die Herrn Soleimani und seiner Regierung sehr nahe steht. (…)

Der Irak ist inzwischen der fünftgrößte Ölproduzent der Welt. Die Regierung ist instabil und der Premier nur noch kommissarisch im Amt. Der Irak braucht Geld und Konsolidierung. Die amerikanische Präsenz dort zu vermindern und zu delegitimieren wird ganz oben auf Teherans Prioritätenliste stehen. Es ist also ein politisches Ziel, nicht bloß eine militärische Reaktion, um das es gehen wird. (…)

Die große Frage, die sich für die Führung in Teheran stellt, ist, inwieweit das Volk noch hinter ihr steht nach der brutalen Niederschlagung der Massenproteste im November. Da wurden Parolen gerufen, dass die Politik, für die Soleimani stand wie wenig andere, dass Irans Einmischung in Syrien, im Libanon und im Irak sehr kostspielig ist. Und nun sehen viele, dass sie auch noch sehr gefährlich ist.“

Experte: „Iran hat der US-Luftüberlegenheit nichts entgegenzusetzen“

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