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Wie die Muslimbruderschaft mit Milliarden Dollar Harvard, Yale & Co beeinflusst (Teil 2)

Auch die Georgetown-University, an der Farid Hafez beschäftigt ist, erhält Gelder der Qatar Foundation
Auch die Georgetown-University erhält Gelder der Qatar Foundation (© Imago Images / UPI Photo, Muslim Brotherhood / Gemeinfrei)

Die Aktivitäten der Muslimbrüder sollten jeden Demokraten alarmieren. In Europa sollten die Muslimbruderschaft verboten und demokratische muslimische Initiativen gefördert werden. (Zu Teil 1)

Da die Untersuchung der ausländischen Geldzuwendungen an amerikanische Universitäten ein Projekt der Trump-Regierung ist, frage ich Small, ob er fürchtet, dass es unter einer Regierung Biden gestoppt wird. Er sei „definitiv besorgt“, sagt Charles Small, Gründer und Direktor des Institute for the Study of Global Antisemitism and Policy. „Wenn man zurückgeht und sich die letzte Regierung der Demokraten unter Barack Obama und ihren Dialog mit der Muslimbruderschaft und dem iranischen Revolutionsregime ansieht, dann war dies eine Katastrophe im Nahen Osten, die mit dem Völkermord in Syrien gipfelte.“ Er hoffe, dass die Biden-Regierung die „Lehren aus der Vergangenheit“ ziehe und nicht zu diesem „sehr gefährlichen Ansatz zurückkehren“ werde.

„Die Muslimbruderschaft fordert die Beseitigung der Demokratie, sie fordert die Beseitigung des Staates Israel. Yussuf Qaradawi wiederholt buchstäblich das Mantra, dass der wahre Islamgläubige verpflichtet ist, die Werke Hitlers zu vollenden.“

Die „Idee, dass sich ein westliches demokratisches Land darauf einlassen“ wolle, sei „schrecklich“. Das gelte auch für den Versuch, „dem iranischen revolutionären Regime eine formelle Legitimität zu verleihen, jenem Regime, das sich gegen alles richtet, was demokratischen Prinzipien ähnelt und einer der größten Exporteure von Terror und antisemitischer Propaganda ist und das eigene Volk unterdrückt“. „Also ja“, er mache sich Sorgen, sagt Small.

„Die Aktivitäten der Muslimbruderschaft – insbesondere in den Vereinigten Staaten – an Universitäten, in den Medien, in Verlagen und in der Regierung, sollten jeden alarmieren, der sich um demokratische Grundprinzipien kümmert.“

Und in Europa?

Sieht Small ähnliche Einflussnahme in Europa? „Ja definitiv“, antwortet er. Die Muslimbruderschaft, der Iran und auch die Türkei seien an europäischen Universitäten aktiv.

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„Ein Punkt, der dieses Problem verdeutlicht: Da ist Yussuf Qaradawi, der Führer der Muslimbruderschaft und der Qatar Foundation, der die Ausrottung des jüdischen Volkes fordert. Er war Gründungsdirektor des Kuratoriums für Islamwissenschaft an der Universität Oxford. Hier haben Sie also die Elite der Elite, die mit der Muslimbruderschaft zusammenarbeitet und sie umarmt.“

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Small erinnert an Ken Livingstone, Jeremy Corbyn, George Galloway, drei ehemalige Spitzenpolitiker in Großbritannien, die wegen ihres Antisemitismus aus der Labour-Partei ausgeschlossen wurden.

„Das sind Leute, die sich sehr für das iranische revolutionäre Regime und die Muslimbruderschaft engagieren. Die Tatsache, dass Qaradawi in Oxford Islamwissenschaften etablieren kann, ist außergewöhnlich. Ja, ich denke, das ist das Symbol dafür, was in Europa seit Jahrzehnten vor sich geht.“

Die europäischen Regierungen, sagt Small, hätten sich an die Muslimbruderschaft und andere Islamisten „als Vertreter der muslimischen Gemeinschaften in ganz Europa“ gewandt:

„Sie scheinen eine gewisse Autorität zu haben, an die sich die Regierungen wenden. Und das ist meiner Meinung nach sehr gefährlich, insbesondere in einer Zeit, in der Themen wie Sicherheit und Terror in Europa sehr wichtig sind – und auch, wie europäische Gesellschaften die überwiegende Mehrheit der Muslime integrieren und in Frieden mit muslimischen Bürgern leben.“

In Österreich scheint Bundeskanzler Sebastian Kurz entschlossen zu sein, gegen die Muslimbruderschaft zu kämpfen. Gibt es einen Rat, den Small der österreichischen Regierung oder der EU geben würde?

„Ich denke, die Europäische Union sollte die Muslimbruderschaft sofort verbieten. Die Leute lieben es, über die sozialen Dienste zu sprechen, die sie bietet. Sie leistet zwar gute Arbeit, aber es ist eine Organisation, die antidemokratische reaktionäre Bewegungen in Europa zementiert und eine Ideologie, die der europäischen Demokratie diametral entgegengesetzt ist.“

Sein zweiter Rat: Im Kampf gegen den politischen Islam als Bewegung müsse man sich auch der „Tatsache bewusst“ sein, dass man „gleichzeitig demokratische Prinzipien fördern“ müsse.

„Wir müssen für Menschenrechte und demokratische Prinzipien kämpfen und dürfen nicht zulassen, dass der Kampf gegen die Muslimbruderschaft zu einer antimuslimischen Stimmung wird. Es ist ein sehr wichtiges Gleichgewicht, das gefunden werden muss: Die Bewegungen bekämpfen, die antidemokratisch und islamistisch sind, aber auch mit den guten und anständigen muslimischen Bürgern in europäischen Ländern zusammenarbeiten.“

Der Bericht des US-Bildungsministeriums

Als die fünf wichtigsten Ergebnisse seines Berichts nennt das U.S. Department of Education:

  1. Die reichsten amerikanischen Universitäten sind auch die größten Empfänger ausländischer Regierungsgelder. Harvard allein habe seit 2012 mehr als eine Milliarde US-Dollar aus solchen Quellen erhalten.
  2. Alle die im Bericht genannten amerikanischen Universitäten – auch die, die über riesige Stiftungsvermögen verfügen – seien direkt oder indirekt auf den amerikanischen Steuerzahler angewiesen, denn ohne Studentenkredite mit Staatsgarantie könnten sie nicht ihre enormen Studiengebühren kassieren.
  3. Die genannten Universitäten lassen sich nicht nur beschenken, sondern werben aktiv um Gelder. Der Bericht spricht von einer „quasi-unternehmerischen“ Tätigkeit. Dies könne von ausländischen Akteuren ausgenutzt werden, „um soft power auszuüben, sich wichtige Forschungsleistungen anzueignen und Propaganda zu verbreiten“.
  4. Eine Dokumentation der Gelder sei nicht schwer zu bewerkstelligen – schließlich führten die Universitäten ja auch genau Buch über „jeden Cent“, den die Studenten ihnen schuldeten oder gezahlt hätten.
  5. Es gebe „sehr wirklichen Grund zur Sorge, dass ausländisches Geld Einfluss oder Kontrolle über die Lehre und Forschung kauft“.

Ab 2009 seien die Zuflüsse ausländischer Gelder, vor allem von regierungsnahen Einrichtungen aus Katar, Saudi-Arabien und China „massiv angewachsen“, heißt es in dem Bericht.

„Zur selben Zeit beschleunigten und stärkten Institutionen der höheren Bildung ihre finanziellen und operativen Partnerschaften mit ausländischen Regierungen, darunter repressive Regimes, die der amerikanischen Politik und amerikanischen Interessen feindlich gegenüberstehen, indem sie viele neue Universitätseinrichtungen im Ausland eröffneten.“

Gemeint sind hier vor allem Zweigstellen amerikanischer Hochschulen am Persischen Golf, vor allem in Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Der Bericht nennt zahlreiche Beispiele dafür, wie amerikanische Bildungs- und Forschungseinrichtungen von ausländischen Akteuren in ihren Entscheidungen beeinflusst worden seien. So organisierte etwa die Qatar Foundation eine Veranstaltungsreihe, die sich an Lehrer staatlicher Schulen in Phoenix, Arizona, richtete und damit warb, diesen Grundkenntnisse über den Nahen Osten zu vermitteln („Middle East 101“).

Einer amerikanischen Kernforschungseinrichtung, die einen Vertrag mit der Qatar Foundation hatte, wurde mitgeteilt, dass alle ihre Kontakte zu Ländern am Persischen Golf – im Bericht ist von der Ausbildung von Technikern in Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten die Rede – ausschließlich über die Qatar Foundation zu laufen hätten.

Die Muslimbruderschaft an der Georgetown University

Auch die Georgetown University in Washington – an der auch der österreichische Politologe Farid Hafez beschäftigt ist – unterhält einen Zweitcampus in Katar. Im Dezember 2005 gab der saudische Prinz Alwaleed Bin Talal der Georgetown University 20 Millionen Dollar für deren Institut für Islamstudien, das Center for Muslim-Christian Understanding. In der Folge wurde nicht nur das Institut umbenannt (es heißt seither Prince Alwaleed Bin Talal Center for Muslim-Christian Understanding); noch bedenklicher ist, dass der der Muslimbruderschaft nahestehende John Esposito zum Direktor berufen wurde – und zwar ausdrücklich in Zusammenhang mit dieser Großspende.

Prinz Alwaleed sagte Berichten zufolge kurz darauf sogar, sein Geld werde Esposito „folgen“, „wohin immer“ dieser gehe. Das bedeutet:

  1. Esposito verdankt seine Stelle Alwaleeds Geld.
  2. Die Georgetown University müsste auf das Geld verzichten, wenn sie jemand anderen als Leiter beriefe.
  3. Die nächste Universität, die Esposito einstellen würde, könnte ebenfalls mit einem Geldregen rechnen.

Esposito gehört CAIR an, einer der Muslimbruderschaft nahestehenden Organisation, die auch die Wahlkämpfe von Ilhan Omar sponsert und Verbindungen zum türkischen Präsidenten Erdogan und der Hamas pflegt (die Hamas, zur Erinnerung, ist der palästinensische Zweig der Muslimbruderschaft). Esposito bezeichnete Scheich Al-Qaradawi – der Selbstmordanschläge auf Israelis und Amerikaner ebenso rechtfertigt wie die Tötung von Homosexuellen – in einer Schrift als „Reformer“ und gab Qaradawi Recht, als dieser sich beklagte, „Säkularisten“ würden demokratische Wahlen einfordern, aber Wahlen nicht anerkennen, wenn islamistische Parteien sie gewönnen. Esposito schrieb in diesem Zusammenhang von der „demokratisch gewählten Hamas-Regierung in Palästina“.

Wenig verwunderlich ist Esposito – bei dessen Bridge Initiative der genannte Farid Hafez tätig ist – ein Unterstützer der Israelboykott-Bewegung BDS, ruft selbst zum Boykott israelischer Universitäten auf und ermahnte den früheren US-Präsidenten Barack Obama in dessen Amtszeit dazu, einer angeblichen „jüdischen Lobby“ das „Handwerk zu legen“. Und so jemand steht einer großen Fakultät einer der renommiertesten amerikanischen Universitäten vor – weil Geld vom Persischen Golf ihm den Posten gekauft hat.

Druck aus Katar: Universität sagt geplante Debatte ab

Der israelisch-amerikanische Historiker Martin Kramer hat schon vor fast 20 Jahren in seinem 2001 erschienenen Buch „Ivory Towers on Sand. The Failure of Middle Eastern Studies in America“die Finanzierung amerikanischer Universitäten durch Akteure vom Persischen Golf aufgezeigt.

Anlässlich der Berufung Espositos sagte Kramer, es gehe Saudi-Arabien bei der Personalie nicht darum, dass es seine furchtbare Menschenrechtsbilanz nicht aufgedeckt sehen wolle – mit so etwas würde sich die Georgetown University ohnehin nicht beschäftigen, so Kramer. Im Zuge des Elften September wolle Saudi-Arabien vielmehr „das Thema wechseln“: dafür sorgen, dass nicht darüber geredet wird, warum 15 der 19 Terroristen Flugzeugentführer des Elften September saudi-arabische Staatsbürger waren, ebenso wie zahlreiche der ausländischen Al-Qaida-Söldner im Irak.Espositos Qualifikation, so Kramer, bestehe darin, über die „Schuld Amerikas“ zu reden:

„Espositos Forschung legt die US-Politik unter das Mikroskop und kommt zu dem Ergebnis, dass sie verantwortlich dafür sei, Zorn und Hass zu schüren. Er tut nichts, was er nicht schon getan hat, ehe er das saudische Geld erhielt, er hat das sowieso gemacht. Die Saudis haben ihn lediglich dafür belohnt.“

Ein anderer im Bericht des U.S. Department of Education aufgeführter Fall ereignete sich Anfang dieses Jahres und wurde im deutschsprachigen Raum nur von Mena-Watch berichtet. Die Northwestern University in Illinois, die ebenfalls einen Campus in Katar betreibt, wollte dort eine Diskussionsveranstaltung zum Thema „Medienrevolutionen im Nahen Osten“ durchführen. An ihr sollte auch Hamed Sinno teilnehmen, der offen schwule Sänger der populären libanesischen Indie-Rockband Mashrou’ Leila. Aufgrund von homosexuellenfeindlichen Protesten in Katar wurde die Veranstaltung abgesagt.

Es gibt in Deutschland eine Redensart, die lautet: „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing.“ Eine andere, dazu komplementäre, lautet: „Wer die Musik bezahlt, bestimmt, was gespielt wird.“ Beides passt sehr gut zum Verhältnis amerikanischer „Eliteuniversitäten“ und ihrer Geldgeber vom Persischen Golf. Diese Beeinflussung der akademischen Lehre hat Folgen für die ganze Gesellschaft. Wie Abraham Lincoln sagte: „Die Philosophie des Klassenzimmers einer Generation wird die Philosophie der Regierung in der nächsten.“

Amerikanische Studenten, die an Universitäten studieren, die katarisches Geld erhalten, werden vielleicht später als Journalisten oder Politiker Amerika die Schuld an dschihadistischen Terroranschlägen geben, zum Boykott Israels aufrufen und erklären, dass man Verständnis dafür haben müsse, dass es Muslime gibt, die nicht wollen, dass ein Schwuler an einer akademischen Diskussionsveranstaltung teilnimmt.

Es ist wohl klar, dass die Qatar Foundation amerikanische Universitäten wie Harvard, Yale und Georgetown nicht aus Altruismus finanziert. Sie erwartet für ihr Geld Ergebnisse.

Der erste Teil schildert, wie die Schließung einer Initiative zur Erforschung des Antisemitismus zur Aufdeckung einer großangelegten Finanzierung des Yale-University durch Katar und die Muslimbruderschaft führte. Wie sich herausstellte, haben amerikanische Elite-Universitäten über Jahrzehnte Spenden in Milliardenhöhe aus ausländischen Quellen angenommen ohne sie vorschriftsmäßig zu melden. Die Gelder aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft prägen Unterricht und Diskurs über Antisemitismus und „Palästina“.

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