Wie geht es weiter mit den libyschen Flüchtlingslagern?

„In libyschen Internierungslagern werden Flüchtlinge und Migranten gefoltert, erpresst, zum Kriegsdienst gezwungen. Seit Monaten fordern die Vereinten Nationen und die Europäische Union deshalb, die Gefangenen freizulassen und alle Lager zu schließen.

In der vergangenen Woche hat der Innenminister der libyschen Einheitsregierung, Fathi Bashagha, nun genau das angekündigt. Zumindest die Menschen, die in den Lagern in Misurata, Tadschura und Chums festgehalten werden, sollen demnach entlassen und die Camps anschließend geschlossen werden. Doch mehr als eine Woche später ist immer noch nicht klar, inwieweit das bereits geschehen ist. (…)

Migranten und Flüchtlinge geraten zunehmend zwischen die Fronten des libyschen Bürgerkriegs. In der Nähe der Lager in Tadschura und Misurata fallen immer wieder Bomben. (…) Am 2. Juli war das Lager in Tadschura zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit bombardiert worden, gleich nebenan lagerte eine Miliz Waffen. Bei dem Luftangriff starben 53 Gefangene.

Mitarbeiter der Hilfskommissariate der Vereinten Nationen haben theoretisch Zugang zu den 19 westlibyschen Camps, in denen rund 5000 Migranten und Flüchtlinge einsitzen. Doch immer wieder müssen die Helfer Lebensmittel und Medikamente vor den Toren abgeben. Hinter den Mauern haben die Milizen das Sagen.

Im Innern herrschen oft unmenschliche Bedingungen. Auch in den drei betroffenen Camps, die nun geschlossen werden sollen, kam es teilweise zu Zwangsarbeit und Gewalttaten. In anderen Lagern sind außerdem Folter, Vergewaltigungen und Erpressungen dokumentiert. (…)

Abuzeid [von der libyschen Küstenwache] schätzt, dass die Hälfte der aus Libyen abfahrenden Boote unentdeckt und ohne Überlebende sinkt. ‚Boote, die wir nicht rechtzeitig finden, haben keine Chance‘, sagt er. Die Schlepper würden die Schlauchboote in diesem Sommer mit bis zu 200 statt wie bisher 120 Menschen überladen.“ (Markus Becker/Mirco Keilberth/Steffen Lüdke: „Was passiert, wenn Libyen seine Flüchtlingsgefängnisse schließt?“)


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