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Wie geht es mit dem Gazastreifen weiter?

Lager für Kriegsflüchtlinge in Gaza
Lager für Kriegsflüchtlinge in Gaza (© Imago Images / Middle East Images)

Der Kampf der Hamas gegen Israel mit all seinen Konsequenzen für den Gazastreifen hat zu einer entscheidenden Veränderung in der öffentlichen Haltung gegenüber der Hamas geführt.

Mohammed Altlooli

Nach den jüngsten Verlautbarungen der Hamas, in denen die Terrorgruppe die Verantwortung für die anhaltende humanitäre Katastrophe im Gazastreifen den arabischen Staaten zuschrieb, hat eine wachsende Welle der öffentlichen Empörung den Gazastreifen erfasst. Der Tonfall der Äußerungen und der Versuch, die Schuld nach außen zu verlagern, haben zu einer breiten Verurteilung unter den Kriegsflüchtlingen geführt, die daran erinnern, dass die arabische Welt weder an den Entscheidungen, die zum aktuellen Krieg geführt haben, beteiligt war noch dazu konsultiert wurde.

Die Reaktionen der Öffentlichkeit in der Küstenenklave waren scharf und griffen die Hamas direkt an. Videos und Zeugenaussagen aus Vertriebenenlagern belegen, wie die Bewohner wütend die Logik hinter den Behauptungen der Hamas infrage stellen. Viele fragen, ob »die Araber die Ereignisse vom 7. Oktober verursacht« haben und ob »die arabischen Staaten vor der Entscheidung konsultiert« wurde.

Diese Fragen spiegeln die wachsende Kluft zwischen den politischen Narrativen der Hamas und der Lebensrealität der Zivilisten wider, die sich ohne Vertretung, Transparenz oder Wahlmöglichkeit in einen verheerenden Konflikt hineingezogen fühlen.

Fehlender Plan

Der Zusammenbruch der zivilen Infrastruktur und die fast vollständige Lähmung der kommunalen und öffentlichen Institutionen haben die Frustration der Bevölkerung noch verstärkt. Da ganze Viertel von Gaza-Stadt in Trümmern liegen und über eine Million Menschen weiterhin in Flüchtlingsunterkünften leben, sieht die Bevölkerung die Hamas zunehmend als politisch und administrativ verantwortlich für die Folgen des Kriegs, insbesondere angesichts des Fehlens eines klaren strategischen oder humanitären Plans für die Zeit danach.

In dieser Atmosphäre stellt sich die drängende Frage nach der Zukunft des Gazastreifens. Wird das Gebiet in einem Zustand des Machtvakuums verharren? Oder wird es eine regionale oder internationale Intervention geben, um eine Übergangsregierung einzusetzen?

Während solche Szenarien vielerorts diskutiert werden, bleiben die arabischen Regierungen zurückhaltend und lehnen es mehrheitlich ab, Truppen zu entsenden oder die direkte administrative Kontrolle über den Gazastreifen zu übernehmen.

Eine zusätzliche Sorge der Bevölkerung betrifft die mögliche Entstehung neuer bewaffneter Gruppen, welche die momentane Machtlücke der Hamas ausnützen könnten Die Entstehung weiterer Milizen, so wird befürchtet, würde den Gazastreifen in ein noch größeres Chaos stürzen.

Wachsende Ablenkung

Nach fast zwei Jahrzehnten der Herrschaft durch die Hamas-Regierung wächst die Ablehnung gegenüber jedem neuen Modell, das sich eher auf bewaffnete Gruppen als auf zivile Institutionen stützt. Dennoch bleibt das Risiko greifbar, solange es keine einheitliche Sicherheitskraft gibt, die in der Lage ist, Ordnung durchzusetzen.

Da die Fluchtsituation andauert und sich die humanitären Bedingungen verschlechtern, sind die Prioritäten der Öffentlichkeit klar geworden: Sicherheit, Unterkunft, Wiederherstellung der Zivilverwaltung und Wiederaufbau des täglichen Lebens.

Zugleich fordern immer mehr Stimmen die Rückkehr unabhängiger nationaler Persönlichkeiten, und zwar solcher, die zuvor wegen ihrer Opposition gegen die Politik der Hamas inhaftiert oder unterdrückt worden waren. Diese Persönlichkeiten genießen wachsendes Vertrauen in der Bevölkerung und könnten den Kern einer lokalen Übergangsregierung bilden, vorausgesetzt, sie erhalten angemessenen Schutz und Garantien, die es ihnen ermöglichen, ohne Einschüchterung oder Einmischung zu regieren.

Kritischer Scheideweg

Die jüngsten Entwicklungen haben auch eine entscheidende Veränderung in der öffentlichen Haltung gegenüber bewaffneten Gruppierungen insgesamt deutlich gemacht. Die langjährige Überzeugung, dass »bewaffneter Widerstand«, sprich Ideologie und Terror, den Gazastreifen schützt, hat an Bedeutung verloren und ist durch die schmerzhafte Realität beispielloser Zerstörung, des Zusammenbruchs der Institutionen und des Leidens der Zivilbevölkerung ersetzt worden. Heute kümmern sich die Bewohner weniger um politische Parolen oder abstrakte Konzepte des Sieges und konzentrieren sich mehr auf das Überleben und den Wiederaufbau ihres Lebens.

Gaza steht nun an einem kritischen Scheideweg. Die öffentliche Wut auf die Hamas, die Ablehnung der Darstellung, die die Verantwortung auf die arabischen Staaten abwälzt, und die steigenden Forderungen nach einer zivilen Führung signalisieren gemeinsam einen tiefgreifenden Wandel in der öffentlichen Meinung. Es wird immer unwahrscheinlicher, dass irgendeine Kraft in der Lage sein wird, das bisherige Regierungssystem wieder einzuführen, ohne auf gesellschaftlichen Widerstand zu stoßen.

Der Weg in die Zukunft für Gaza muss auf einer zivilen, nicht-fraktionellen Verwaltungsstruktur basieren, die in der Lage ist, die Institutionen wiederherzustellen, Rechtsstaatlichkeit zu etablieren und das Vertrauen der Öffentlichkeit wieder aufzubauen. Die Zukunft des Gazastreifens wird nicht durch Waffen oder politische Rhetorik bestimmt werden, sondern durch den Willen seiner Bevölkerung und ihre Fähigkeit, eine neue Führung zu bilden, die ihre Interessen wirklich vertritt und schützt, frei von externen Agenden und interner Zwangsmaßnahmen.

Mohammed Altlooli ist palästinensischer Bürgerrechtler und Gründer der Temporary Palestinian Civil Affairs (TPCA).

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