Wie einig sind sich Saudi-Arabien und die USA?

„Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman bin Abdulaziz al Saud (MBS) ist hier, um seinem Land ein neues Image zu verpassen. Wenn alles gut geht, wird sein USA-Aufenthalt diese Woche Amerikaner mit Saudi-Arabiens neuer Fortschrittlichkeit beeindrucken, das Volumen amerikanischer Investitionen in die saudische Wirtschaft steigern und die Strategien der USA und Saudi-Arabiens im Nahen Osten angleichen. Letzteres dürfte am schwierigsten sein. Saudische und amerikanische Regierungsvertreter sind sich mit Blick auf die dringendsten Herausforderungen in der Region weitgehend einig. Uneinigkeit herrscht allerdings darüber, was zu tun sei – und um genauer zu sein: wer es tun sollte. (…)

Präsident Trump und der Kronprinz sind eindeutige Gegner der iranischen Bestrebungen, in der Region ein Imperium zu errichten. Auch in ihrer Gegnerschaft zum sunnitischen Dschihadismus sind sie sich einig. Trumps erste Auslandsreise als Präsident führte ihn im Mai 2017 nach Saudi-Arabien, wo er Saudi-Arabien als den wichtigsten Verbündeten der USA für die Verfolgung gemeinsamer Ziele darzustellen schien.

Ob beide Parteien allerdings wirklich die Rolle spielen können oder wollen, die die jeweils andere ihnen dabei zugedacht hat, ist durchaus fraglich. (…)

Die wenig beeindruckende Erfolgsbilanz deutet darauf hin, dass den Saudis die Stärke und Befähigung fehlen, um bei der Zurückdrängung der Iraner die Führung zu übernehmen. Daher will MBS vermutlich erreichen, dass die USA sich auf verbindliche Ziele verpflichten und ihrerseits die Bereitschaft erklären, bei deren Umsetzung die Führung zu übernehmen. Dabei ginge es beispielsweise um eine eindeutige Strategie, um die vorhandenen Kapazitäten zur Zurückdrängung des Iran in Syrien einzusetzen; um die Unterstützung der Saudis und der Vereinigten Arabischen Emirate im Jemen; um eine Reaktion auf das Ausmaß und die Intensität der iranischen Unterwanderung des Irak und eine offizielle Anerkennung der Tatsache, dass weitere Hilfsleistungen an den Libanon nur die Hisbollah stärken. (…)

Die Administration sendet mit Blick auf ihre Pläne weiterhin gemischte Signale aus. Trotz des Unterschieds in der Rhetorik hat die Trump-Administration in der Praxis zur Zurückdrängung des iranischen Einflusses in der Region kaum mehr unternommen als ihre Vorgängerin (sieht man von der allerdings bedeutsamen Tatsache ab, dass Trump zu einer strengeren Umsetzung oder Preisgabe des Atomabkommens mit dem Iran entschlossen ist). Auch die vagen Bemerkungen des Präsidenten während einer kurzen Pressekonferenz mit bin Salman am Dienstag im Oval Office deuteten schwerlich auf einen konkreten Aktionsplan hin.

Saudi-Arabien ist also sehr darum bemüht, gemeinsame Ziele zu verfolgen, es mangelt ihm aber an der erforderlichen Stärke und Befähigung, dies zu tun. Die Vereinigten Staaten verfügen dagegen über die erforderlichen Mittel, scheinen sich aber unsicher zu sein, ob sie diese einsetzen wollen.“ (Jonathan Spyer: „What a Crown Prince Wants“)

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