Wie ein syrischer Regime-Claqueur zum Mitarbeiter eines AfD-Abgeordneten wurde

„‚Syrische Bürgerkriegsflüchtlinge haben es nicht leicht im Libanon‘: Dieser verständnisvolle Satz stammt vom AfD-Politiker Markus Frohnmaier. Wenn sich ein junger Mann in Beirut in den Flieger zu einer Konferenz in die Schweiz setzt und dann in Deutschland Asyl beantragt, ist das für Politiker der AfD eigentlich eher verstörend. Dieser Flüchtling arbeitet aber heute im Büro des Bundestagsabgeordneten Frohnmaier. (…)

Frohnmaier-Mitarbeiter Kevork Almassian ist heute in sozialen Netzwerken eine der aktivsten Stimmen für das syrische Regime. Wie wird jemand, der nach AfD-Maßstäben eigentlich ein Wirtschaftsflüchtling ist, zum Mitarbeiter eines AfD-Rechtsauslegers? (…)

Es ist kein Zufall, dass er bei Frohnmaier Hilfe sucht. Die Geschichte dieser Verbindung reicht bis mindestens 2013 zurück und sie führt über Syrien und über den Donbass – bis zu einem Frohnmaier-Vertrauten, der nach Vorwürfen gegen ihn wegen eines Brandanschlags nicht mehr im Bundestag arbeitet: Manuel Ochsenreiter. Über ihn will Almassian nicht sprechen.

Im Jahr 2013 finden sich zwei Texte über Almassian in der rechtsextremen Deutschen Militärzeitschrift, deren Chefredakteur Ochsenreiter war. Im Sommer 2014 sitzen Almassian und Ochsenreiter sogar bei Aleppo zusammen in einem Auto, das von Scharfschützen beschossen wird, berichtet Almassian mehrfach.

Im Mai 2015 sehen sie sich an einem anderen Konfliktherd wieder: In Donezk haben die pro-russischen Separatisten nach der Ausrufung der international nicht anerkannten Volksrepublik zu einer Konferenz geladen. (…)

Seine Auftritte bei der AfD fallen auf, im Netz wird er von Deutschen mit Fragen dazu konfrontiert. Er schließe sich keiner Partei an, antwortet er da, aber: ‚Jede politische Partei, die die syrische Armee unterstützt, verdient meine Unterstützung.‘

Es sind solche zugespitzten, kompromisslosen Äußerungen, die ihn als Assad-Sprachrohr erscheinen lassen. Er kämpfe nicht mit der Waffe für sein Land, erklärte er dem neurechten Magazin Sezession. ‚In diesem Krieg brauchen wir jeden, der Fachkenntnisse irgendeiner Art hat, an seinem Platz‘, antwortete er. ‚Jemand muss auch Gegenpropaganda machen. Man dient Syrien, indem man die öffentliche Meinung im Ausland nicht den Feinden des Landes überlässt.‘ (…)

Almassian ist Teil einer Szene, die schnell ‚Lüge‘ ruft, wenn es Vorwürfe gegen das Regime gibt. Er selbst nannte einen Amnesty-Bericht über Massenhinrichtungen in syrischen Gefängnissen ‚armselige voreingenommene Propaganda‘.

Für den Erlanger Politikwissenschaftler Thuselt entspricht ‚eigentlich alles, was er sagt, durchgängig dem, was man auch in den staatlichen syrischen Medien und den Medienanstalten der Verbündeten der Regierung in Damaskus hören und sehen kann.‘ Almassian nenne Syrien einen Rechtsstaat. ‚Das ist grotesk, wo wir ziemlich sicher wissen, dass diese Regierung zwischen 2011 und 2013 mindestens 6.800 Personen in ihren Haftanstalten zu Tode gefoltert hat.‘“ (Lars Wienand: „Der gute Assad-Flüchtling der AfD“)

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