Wie arabischer Judenhass ignoriert wurde

Albert Memmi, in Tunesien geborener Jude, schrieb über seine Erfahrungen in den linken Pariser Salons. (Claude Truong-Ngoc/CC BY-SA 4.0)

„Die Verdrängung der Juden der arabischen Welt ruft im Westen Gleichgültigkeit oder Unbehagen hervor. Es bleibt allerdings schwierig, eine Gesellschaftsordnung zu benennen, in der die Demütigung eine Politik an sich darstellt. Und es ist riskant, die Herrschaft der ‚arabischen Welt‘ über den Körper und den Geist [der Juden] zu verdeutlichen, und ebenso riskant, die dumpfe Angst anzusprechen, die häufig den Hintergrund des Alltagslebens darstellt. Das würde bedeuten, so die landläufige Ansicht, das Risiko einzugehen, eine Bevölkerung zu ‚schematisieren‘ oder, wie die zeitgenössische Meinung behauptet, einen uneingestandenen Rassismus hinter einer Kulturgeschichte zu entlarven, die als ‚Kulturalismus‘ geschminkt wurde.

Albert Memmi, geboren in der Hara (Mellah) von Tunis, hat in Die Salzsäule (1953) einen Weg beschrieben, der für viele andere Juden des Maghreb gilt. Er kommt darin auf seine Ankunft in Frankreich im Jahr 1957 zu sprechen, während er sich im Hinblick auf die Zukunft der Juden in einem künftig unabhängigen Tunesien keinen Illusionen hingibt: ‚Daraufhin erreichte ich also Frankreich und war mit dem Gerede konfrontiert, das in den Salons der Pariser Linken kursierte: Die Juden hätten immer in völligem Einvernehmen mit den Arabern gelebt. Man beglückwünschte mich beinahe dazu, in einem Land geboren zu sein, wo der Rassismus, die Fremdenfeindlichkeit unbekannt waren.‘

‚Ich musste lachen; ich hatte so viel dummes Zeug über Nordafrika gehört, das von Leuten mit den besten Absichten ausging, dass ich darauf nicht besonders reagierte, das stimmt. Dieses Geschwätz begann mich zu beschäftigen, als es zu einem politischen Argument wurde, d.h. ab 1967. Die Araber hatten sich damals einfallen lassen, sich dieser Unwahrheit, die überdies auf einen sehr vorteilhaften Boden fiel, zu bedienen.‘“ (Aus Bensoussan, Georges: Die Juden der arabischen Welt. Die verbotene Frage, Berlin/Leipzig 2019, S. 169f.)


[Anmerkung der Redaktion: Sie können sich diesen Artikel vorlesen lassen, indem Sie auf das „Play“-Symbol über dem Text klicken. Das ist ein Pilotprojekt, die Software befindet sich in der Testphase. Wir freuen uns über Ihr Feedback an [email protected].]

Schreiben Sie einen Kommentar


Schreiben Sie einen Kommentar

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.


Login