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Virenausbruch durch sudanesische Konfliktparteien?

Flüchtlinge im Sudan warten auf Evakuierung
Flüchtlinge im Sudan warten auf Evakuierung (© Imago Images / Xinhua)

Nach der Beschlagnahme eines medizinischen Labors in der Hauptstadt durch sudanesische Kämpfer warnt die WHO vor einem enormen biologischen Risiko.

Nachdem sudanesische Kämpfer vergangene Woche das Nationale Gesundheitslabor in der Hauptstadt Khartum in ihre Gewalt gebracht hatten, warnte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor einem »enormen biologischen Risiko«, das daraus erwachsen könne. Eine hochrangige medizinische Quelle erklärte gegenüber CNN, das Labor, in dem Virusproben und anderes biologisches Material aufbewahrt werden, sei von Kräften der Schnellen Eingreiftruppen (RSF) übernommen worden. 

Die WHO selbst gab keine Erklärung dazu ab, welche der beiden rivalisierenden Gruppen – Armee oder RSF – das Labor erobert und beschlagnahmt habe, machte jedoch öffentlich, dass medizinische Techniker keinen Zugang mehr zu der Einrichtung hätten. Der WHO-Vertreter im Sudan, Nima Saeed Abid, bezeichnete die Entwicklung als »extrem gefährlich, weil wir Polio-, Masern- und Choleraisolate im Labor haben«. Die Besetzung des zentralen Labors für öffentliche Gesundheit in Khartum durch eine der kämpfenden Parteien berge damit ein enormes biologisches Risiko, fügte er hinzu. 

Die WHO erklärte gegenüber CNN nicht nur, dass »ausgebildete Labortechniker keinen Zugang mehr zum Labor haben«, sondern auch, dass die Einrichtung von Stromausfällen betroffen sei, was bedeute, dass »es nicht möglich ist, die im Labor für medizinische Zwecke aufbewahrten biologischen Materialien ordnungsgemäß zu lagern«.

Nach Angaben des Generaldirektors des Labors bestehe aufgrund der Stromausfälle auch die Gefahr, dass die ohnehin knapp werdenden Bestände an Blutbeuteln verderben. Die medizinische Quelle sagte CNN, die Gefahr liege nicht zuletzt in der Möglichkeit »einer bewaffneten Konfrontation um das Labor, da diese es in eine Keimbombe verwandeln würde«. Eine dringende und schnelle internationale Intervention sei erforderlich, »um die Elektrizität wiederherzustellen und das Labor vor bewaffneten Konfrontationen zu schützen, da wir mit einer echten biologischen Gefahr konfrontiert sind«, hieß es seitens der Quelle abschließend.

Schwindende Vorräte in der Hauptstadt 

Mittlerweile werden in der Hauptstadt und dem umliegenden Bundesstaat Khartum nicht nur die Blutreserven, sondern auch die Wasser- und Lebensmittelvorräte knapp, wie Einwohner berichten. In den Geschäften gibt es keine Lebensmittel mehr und etliche Lebensmittelfabriken im Bundesstaat seien geplündert worden, sagten Einwohner Khartums gegenüber internationalen Medien. Seit rund zwei Wochen gäbe es kein fließendes Wasser mehr. »Wir bekommen nur Wasser aus einem Brunnen in der Nähe. Man muss also den ganzen Weg zum Brunnen mit Fässern oder Ähnlichem zurücklegen, wenn man ein Auto oder etwas anderes zum Transportieren hat. Wenn nicht, muss man kleine Gefäße zu Fuß mitnehmen, um genug Wasser zu bekommen«, erzählte ein Betroffener.

Die Bevölkerung hat auch mit finanziellen Engpässen zu kämpfen, weil die Staatsbediensteten seit dem Eid al-Fitr-Fest zum Ende des Ramadans keinen Lohn mehr erhalten haben und die Geldautomaten der Bank nicht mehr funktionieren, berichten Zeugen vor Ort. Die Bewohner würden Patrouillen aufstellen, um ihre Viertel vor Plünderungen und Raubüberfällen zu schützen, denen große Gebiete in Khartum aufgrund der fehlenden Sicherheits- und Polizeipräsenz ausgesetzt sind.

Anfang der Woche warnte das Büro der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (UNOCHA), dass die Knappheit an Lebensmitteln, Wasser, Medikamenten und Treibstoff in Khartum und den umliegenden Gebieten extrem akut geworden sei. »Der Zugang zu Gesundheitsversorgung, einschließlich der sexuellen und reproduktiven Gesundheit, ist durch den Konflikt stark beeinträchtigt worden«, fügte UNOCHA hinzu. »Darüber hinaus wird weiterhin über die Vertreibung von Zivilisten in Khartum, im Norden, am Blauen Nil, in Nord-Kordofan, Nord-Darfur, West-Darfur und Süd-Darfur sowie über grenzüberschreitende Bewegungen in die umliegenden Länder berichtet.«

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