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Wenn westliche Medien das Propagandaspiel der Hamas mitmachen

Die Verteilungszentren der Gaza Humanitarian Foundation sind der Hamas ein Dorn im Auge
Die Verteilungszentren der Gaza Humanitarian Foundation sind der Hamas ein Dorn im Auge (Quelle: X-Account GHF)

Die Hamas versucht, Chaos in den Verteilungszentren zu stiften, damit die UNO wieder die Hilfslieferungen übernimmt und sie sich erneut bereichern kann. Wie westliche Medien ihr dabei helfen.

»Israel tötete tausend Hilfesuchende in Gaza«, titelte die Website des österreichischen Rundfunks ORF gestern Abend. Im Vorspann erfuhren die Leser dann, dass das im Titel als unumstößliches Faktum Präsentierte erst einmal nur ein Vorwurf ist, den die UNO dem jüdischen Staat macht.

So seien in der Nähe der Verteilerzentren der Gaza Humanitarian Foundation (GHF) seit Ende Mai 766 Menschen und in der Nähe von UN-Hilfskonvois weitere 288 ums Leben gekommen. Die Opfer seien »vom israelischen Militär getötet« worden, zitierte orf.at den UNHCR-Sprecher Thameen al-Kheetan in einem Bericht, der keine einzige israelische Stimme zu Wort kommen lässt, die sich zu den erhobenen Vorwürfen äußern, diese einordnen oder ihnen gegebenenfalls widersprechen könnte.

Ganz offensichtlich verbuchen der UNHCR-Sprecher und der ORF alle seit Mai in der Nähe von Hilfsverteilungszentren getöteten Zivilisten auf das Konto Israels – und das, obwohl ausreichende Berichte über Hamas-Überfälle auf die dort um Hilfe anstehenden Menschen vorliegen. So berichtete etwa Florian Markl vor drei Wochen an dieser Stelle bereits über eine Reihe von bewaffneten Angriffen mit zahlreichen Opfern, die auf das Konto der Terrororganisation gehen. 

Bei einem weiteren Vorfall Mitte Juli kamen zwanzig Menschen ums Leben, als bewaffnete Hamas-Mitglieder versuchten, vorsätzlich eine Massenpanik zu erzeugen. »Nach unserem derzeitigen Kenntnisstand wurden neunzehn der Opfer in einem chaotischen und gefährlichen Gedränge, das von Unruhestiftern in der Menge angezettelt wurde, zu Tode getrampelt; eine Person wurde erstochen«, hieß es in der GHF-Erklärung zu dem Vorfall, bei dem auch ein Mitarbeiter der Hilfsorganisation mit vorgehaltener Waffe bedroht wurde.

Während die UNO und der ORF auch diese Toten den israelischen Streitkräften anzulasten scheinen – von Opfern, die auf das Konto anderer Akteure gehen, ist in den Verlautbarungen nichts zu vernehmen –, berichtete sogar die nun wahrlich nicht sonderlich israelfreundliche Zeitung der Palästinensischen Autonomiebehörde darüber, dass die Hamas mit ihrer Spezialeinheit Sahm Jagd auf hilfesuchende Zivilisten im Gazastreifen macht, weil sie die Annahmen von GHF-Hilfsgütern als Kollaboration mit Israel betrachtet. 

Kürzlich veröffentlichte Bilder des Journalisten Hamza al-Masri zeigen, wie Sahm-Kämpfer aus dem GHF-Zentrum in Rafah rückkehrende Zivilisten angreifen, diese entkleiden, sie misshandeln und ihnen die Lebensmittelpakete rauben – »auf Anweisung der Führung«, wie die Kämpfer den von ihnen Überfallenen offen mitteilten.

Dies deute darauf hin, dass »die Terrorgruppe einen umfassenden Krieg gegen die Hilfsorganisation erklärt [hat], um das alte System der Verteilung wiederherzustellen, das für sie viel einfacher auszunutzen war. Dies ist nur eine Fortsetzung des langjährigen Engagements der Hamas, die während des gesamten Kriegs im Gazastreifen zur Hungerkrise beigetragen hat«, schrieb Middle East 24 in einer kurzen Analyse der Bilder.

Hamas will UNO zurück

In der ORF-Hauptnachrichtensendung ZIB 1 vom 22. Juli verwies der Israelkorrespondent Nikolas Wildner denn auch darauf, dass »die Forderung nach dem alten UN-Verteilsystem auch sehr explizit und vehement vonseiten der Hamas kommt«, weil dieses eine der Haupteinnahmequellen der Hamas war, derer sie nun verlustig gegangen ist. Übereinstimmenden Berichte aus dem Gazastreifen, so Wildner, deuten darauf hin, dass die Hamas durch das GHF-System wirtschaftlich empfindlich geschwächt wurde.

»Wir haben gehört, dass in den zuletzt von der Hamas kontrollierten Gebieten im Gazastreifen die Hamas die Kontrolle anscheinend fast vollständig verloren hat.« Das habe nicht zuletzt damit zu tun, »dass sie Gehälter nicht mehr bezahlen kann, wobei laut Recherchen zum Beispiel der amerikanischen Washington Post die Besteuerung von Hilfsgütern die Hauptquelle für diese Gehälter war«.

Die Washington Post kommt in besagtem Bericht zu dem Schluss, dass sich die Hamas aufgrund des neuen Hilfsgütersystems »in der schlimmsten finanziellen und administrativen Krise ihrer vierzigjährigen Geschichte befindet und vor großen Herausforderungen bei der Beschaffung der Ressourcen steht, die sie benötigt, um den Kampf gegen Israel fortzusetzen und die Herrschaft über den Gazastreifen aufrechtzuerhalten«. Nicht nur sei sie nicht mehr in der Lage, ihre Mitarbeiter und Kämpfer weiter zu bezahlen; auch die vom israelischen Militär zerstörten Tunnel könne sie nicht wieder aufbauen oder durch neue ersetzen, wodurch sie einer der wichtigsten Ressourcen für ihre Guerillataktik verlustig geht.

Wenig verwunderlich also, dass die Hamas aus ihrer Binnenperspektive heraus die GHF als sinistres, zionistisches Instrument zu ihrer Schwächung und bei ihr um Hilfe suchende Palästinenser als Kollaborateure betrachtet, die für ihren Verrat bestraft werden müssen. Wenig verwunderlich auch, dass sie dieses Verteilungssystem mit allen Mitteln zu bekämpfen versucht, um es zu diffamieren und letztlich seine Auflösung zu erreichen. 

Bezeichnend ist angesichts dessen jedoch die Tatsache, dass die UNO bei dem Propagandaspiel mitmacht, indem sie die von der Hamas in ihrem Kampf gegen die GHF produzierten Opfer Israel zur Last legt, um Jerusalem unter Druck zu setzen, das alte System unter ihren Auspizien wieder zuzulassen, von dem die Terrorgruppe so trefflich profitierte. Und westliche Medien wie die ORF-Website tragen das ihre dazu bei, indem sie die einseitigen und voreingenommenen UNO-Vorwürfe gegen Israel kontext- und widerspruchslos als Tatsachen und Israel als einen Staat präsentieren, der zu Hunderten wehrlose Zivilisten an den von ihm unterstützten Hilfszentren erschieße. Die Hamas wird es freuen.

Dies ist ein Auszug aus unserem Newsletter vom 23. Juli. Wenn Sie den nächsten Newsletter erhalten möchten, melden Sie sich an!

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