Westliche IS-Mitglieder nicht wie Berühmtheiten behandeln

„Die Times of London hat ein Interview mit Shemima Begum veröffentlicht, einer Britin, die 2015 nach Syrien gereist ist, sich dem Islamischen Staat anschloss und einen holländischen Konvertiten heiratete. Nach ihrem ersten Interview ist so etwas wie eine Berühmtheit in britischen Medien geworden: Sowohl Sky News als auch die BBC setzten sich mit ihr in einem Flüchtlingslager in Syrien zusammen. (…)

‚Es war nett‘, sagte sie über die anfängliche Zeit unter dem IS. Die Hinrichtungen seien in Ordnung gewesen, ‚aus islamischer Sicht waren sie erlaubt‘, wie sie meinte. Sie ist eine von mehreren Tausend Menschen aus dem Westen, die jetzt in Syrien unter dem Verdacht der IS-Mitgliedschaft festgehalten werden. Sie beinhalten Menschen aus 41 Staaten und bis zu 800 aus europäischen Ländern.

Die Interviewer schienen sehr zurückhaltend darin zu sein, IS-Mitglieder, speziell diejenigen aus europäischen Ländern, nach den Verbrechen des IS zu befragen, darunter die Versklavung und massenhafte Vergewaltigung jesidischer Frauen und Völkermord. In vielen Interviews drehten sich die Fragen hauptsächlich um die Frage, was den IS-Mitgliedern nach einer Rückkehr in ihre Heimatländer passieren würde, nicht aber um das Leid, das der IS mit seinem Krieg über die lokale Bevölkerung in Syrien und im Irak gebracht hat. Tatsächlich hat sich keines der (…) interviewten IS-Mitglieder für das Leid entschuldigt, das Gruppen wie den Jesiden angetan wurde, oder irgendein Interesse daran bekundet, was mit den 3.000 Jesiden geschehen ist, die immer noch vermisst werden. Trotzdem sagten sie, sie wollten nach Hause kommen und eine ‚zweite Chance‘ erhalten. (…)

Ali Y. Baroodi, der die IS-Besatzung von Mossul überlebt hat, war schockiert zu sehen, wie IS-Mitglieder ihr angenehmes Leben in den Jahren beschrieben, bevor sie besiegt wurden. ‚Es war die Hölle auf Erden, und jeder einzelne von ihnen hat sie dazu gemacht‘, sagte er.

Von den Ausländern, die kamen, um den Irak und Syrien zu besetzen, wie ‚Menschen zweiter Klasse‘ behandelt, fragt er sich sarkastisch, ob die IS-Mitglieder, die jetzt vorgeben, Opfer zu sein, von den Einheimischen eine Entschuldigung dafür verlangen, ‚ihren Aufenthalt hier gestört zu haben‘. Auf Twitter schreibt er, dass die IS-Mitglieder keine Unschuldigen sind, und versucht die Welt an die verschollenen jesidischen Frauen, die ‚zerstörten Städte, Hunderten Massengräber und die Tausenden von Waisen und Witwen‘ zu erinnern. (…)

Trotz anwachsendem Ärger über sie konzentrieren sich viele westliche Medien in erster Linie auf die Bürger ihrer eigenen Länder, die sich dem IS angeschlossen haben. Eine Amerikanerin, die darum ‚bettelt‘, nach Hause zu kommen, eine Kanadierin, die ‚in Syrien gefangen‘ sei und jetzt ihre zweite Chance will.

Viele der westlichen IS-Mitglieder, die zu Hunderten auftauchen, jetzt da der Krieg in Syrien zu Ende geht, befinden sich erst seit ein paar Wochen oder Monaten in Flüchtlingslagern, während ihre Opfer nach vier Jahren noch immer in den Lagern leben müssen.“ (Seth J. Frantzman: „Outrage in Syria, Iraq as ISIS members treated as celebrities in west“)

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