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Westliche Illusionen über palästinensischen Terrorismus

Bewaffnete Anhänger terroristischer Gruppierungen in Nablus
Bewaffnete Anhänger terroristischer Gruppierungen in Nablus (© Imago Images / ZUMA Wire)

Geht es nach dem US-Botschafter in Israel, lehnt die Mehrheit der Palästinenser terroristische Aktivitäten gegen israelische Bürger ab, doch die Zahlen sagen etwas anderes.

Stephen M. Flatow

Man sagt, Zahlen lügen nicht, aber was Diplomaten manchmal mit ihnen anstellen, ist eine andere Geschichte. Der amerikanische Botschafter in Israel, Thomas Nides, gab der jüdischen Wochenzeitung Hamodia ein faszinierendes Interview, in dem er von der Interviewerin Sara Lehmann nach einer kürzlich durchgeführten Umfrage des bekannten palästinensischen Meinungsforschers Khalil Shikaki und seines Zentrums für Politik- und Umfrageforschung befragt wurde, aus der hervorging, dass »72 Prozent der Palästinenser Terrororganisationen unterstützen«.

Nides antwortete: »Ich bin der festen Überzeugung, und Sie mögen mir nicht zustimmen, aber die große, große Mehrheit der durchschnittlichen Palästinenser wacht nicht morgens auf und will jemanden töten, der zufällig Jude ist. Sie wollen genauso leben wie Sie und ich«, und fügte hinzu, dass »nur ein kleiner Prozentsatz der Menschen … Israel schaden will«.

In derselben Woche, in der Nides das Interview gab, berichtete Palestinian Media Watch, die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) habe angekündigt, 40.000 Solidaritätsbriefe von palästinensischen Studenten an einen Mörder zu überreichen, der kurz vor seiner Entlassung aus dem Gefängnis stand. Im Jahr 1980 nahm der Terrorist Karim Younis den jungen israelischen Soldaten Avraham Bromberg, der per Anhalter auf dem Heimweg war, in seinem Auto mit. Younis schoss Bromberg in den Kopf und warf seine Leiche an den Straßenrand. Zusätzlich zu den 40.000 Briefen wurde Younis Medienberichten zufolge am 5. Januar von »Tausenden« Bewohnern seines Heimatorts mit »Luftballons, Umarmungen und Feiern« nach seiner Entlassung begrüßt.

Ich habe nichts über Gegendemonstrationen der gemäßigten, friedlichen Palästinenser gelesen, auf die sich Botschafter Nides bezog. Ich habe keine Mahnwachen oder Pressemitteilungen von Arabern gesehen, die den kaltblütigen Mord an dem israelischen Soldaten anprangerten und auch nichts von palästinensischen Studenten gehört, die Anti-Terror-Briefe geschrieben hätten, die zu den 40.000 pro-terroristischen Briefen passen würden. Ich habe nie von der Existenz auch nur einer einzigen Studentengruppe in den von der PA kontrollierten Gebieten gelesen, die sich palästinensischen Massenmördern entgegenstellen und sie anprangern würden.

Wer ist die Mehrheit?

In seinem Interview erklärte der Botschafter nicht, wie er auf »die große, große Mehrheit« gekommen ist und woher er wissen könnte, was diese denkt. Auf Umfragen kann er sich jedenfalls nicht stützen, denn im Laufe der Jahre gab es davon unzählige, die zeigten, dass eine große Mehrheit der palästinensischen Araber die Anwendung von Gewalt gegen Israelis befürwortet. Nides stützte seine Meinung sicherlich nicht auf die tatsächliche Zahl derer, die im Laufe der Jahre an Terroranschlägen beteiligt waren. Seit der Gründung Israels im Jahr 1948 hat es jedes Jahr Hunderte, manchmal Tausende von Bombenanschlägen, Schießereien und Messerstechereien gegeben. Die Zahl dieser Anschläge im Laufe von 74 Jahren geht in die Zehntausende. Sie wurden von Menschen verübt, die »morgens aufwachen und jemanden töten wollen, der zufällig Jude ist«.

Hinzu kommt noch die enorme Zahl der Steine werfenden Terroristen, also von palästinensischen Arabern, die »morgens aufwachen und jemanden töten wollen, der zufällig Jude ist« und Steine als Waffe benutzen, in der Hoffnung, Juden zu Tode zu steinigen. Solche Waffen sind leicht zu beschaffen, und die Chancen, nach dem Angriff zu entkommen, hoch. Die Gesamtzahl solcher Angriffe muss inzwischen in die Hunderttausende gehen. Die Tatsache, dass es Steinewerfern gelungen ist, weniger Juden zu töten als diejenigen, die Bomben oder Schusswaffen benutzen, bedeutet nicht, dass sie keine Terroristen sind. Terroristen, die Messer verwenden, töten weit weniger Juden als solche, die Bomben benutzen, aber das bedeutet nicht, dass die Messerstecher keine Terroristen sind. 

Bisher habe ich mich auf jene Terroristen bezogen, die nicht nur »jemanden töten wollen, der zufällig Jude ist«, sondern es auch versuchen. Dazu kommen noch die vielen palästinensischen Araber, die Juden töten »wollen«, es aber aus welchen Gründen auch immer nicht versuchen. Ich meine diejenigen, die Solidaritätsbriefe an Terroristen schreiben, sich an terroristischer Propaganda beteiligen oder gegenüber Meinungsforschern zugeben, Gewalt zu unterstützen. Und es gibt noch eine weitere Kategorie, die zu berücksichtigen ist: Jene, die den Terrorismus befürworten, bei Umfragen aber behaupten, aus Angst vor möglichen Schwierigkeiten dies nicht zu tun.

US-Parteilinie

Ich kann die Zahl derer, die in eine oder mehrere dieser Kategorien passen, nicht genau beziffern. Aber zu sagen, die »große, große Mehrheit« der palästinensischen Araber fiele in keine dieser Kategorien, ist offensichtlich lächerlich. Ich beschuldige Botschafter Nides nicht der absichtlichen Lüge, sondern gebe ihm den Vorteil des Zweifels. Ich erkenne an, dass er die Regierung Biden vertritt, die eine Reihe von pro-palästinensischen Maßnahmen ergriffen hat, die auf der Prämisse beruhen, dass die »große, große Mehrheit« der Palästinenser gegen den Terrorismus ist. Sie kann ihnen ja nicht jedes Jahr Hunderte von Millionen Dollar zukommen lassen und für einen souveränen Staat entlang der alten, ca. vierzehn Kilometer breiten Grenzen Israels plädieren, glaubte sie, die Mehrheit der Palästinenser würde den Terrorismus unterstützen. 

Die Biden-Regierung hat also ihre Parteilinie, und die Aufgabe von Botschafter Nides ist es, sich daran zu halten und sie so gut wie möglich zu artikulieren. Vielleicht glaubt er sogar daran. Vielleicht glaubt er wirklich, trotz aller gegenteiligen Beweise, die »große, große Mehrheit« der Palästinenser würde den Terrorismus ablehnen.

Aber wir anderen müssen uns unsere Meinung auf der Grundlage von Fakten bilden, nicht auf der Grundlage von Wunschdenken. Und alle verfügbaren Fakten weisen auf die tragische Realität hin, dass die große Mehrheit der palästinensischen Araber den Einsatz von Bomben, Kugeln, Messern und Steinen zur Tötung von Juden unterstützt.

Stephen M. Flatow, Anwalt in New Jersey, ist der Vater von Alisa Flatow, die 1995 bei einem vom Iran finanzierten palästinensischen Terroranschlag ermordet wurde. Er ist Autor von A Father’s Story: My Fight for Justice Against Iranian Terror(Der Artikel erschien auf Englisch beim Jewish News Syndicate. Übersetzung von Alexander Gruber.)

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