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Türkische Schulen: Wer braucht schon die Evolutionstheorie?

Lehrmittel des türkischen Bildungsministeriums
Lehrmittel des türkischen Bildungsministeriums (Quelle: Facebook)

Die Türkei gedenkt drei Schulen in Deutschland zu bauen – Privatschulen mit einem an das türkische Bildungssystem angelehnten Lehrplan.

Auslandsschulen sind an sich kein Problem, auch Deutschland unterhält eigene Schulen im Ausland, z. B. in der Türkei. Problematisch ist allerdings, wenn sie als Privatschulen gelten, den Lehrplan eigenständig gestalten können – und eine fragwürdige politische Agenda verfolgen. Jedenfalls bei einem Staat, der die Evolutionstheorie aus seinem Lehrplan gestrichen hat und über die Ausbildung von Kindern Einfluss auf unsere Gesellschaft nehmen bzw. Kinder im Ausland an sich binden und islamisch indoktrinieren will, und bei dem sich die Gesetzeslage sukzessive in Richtung Legalisierung von Kinderehen entwickelt. Zumal der türkische Staat auch via DITIB, der deutschen Tochter der Religionsbehörde DIYANET, Inhalte von Koran- und Sprachunterricht beeinflusst.

Früh übt sich

Dass eine nachhaltige Entwicklung einer Gesellschaft am ehesten funktioniert, wenn in Bildung investiert wird, das wusste schon der ehemalige Erdogan-Verbündete Fetullah Gülen. Allerdings heißt Bildung in dem Zusammenhang Beeinflussung im islamischen Sinne. Gülens Ziel war es, eine islamisch gebildete Elite zu schaffen, die den Staat – Behörden, Wissenschaft, Medien, Justiz, Polizei und Militär – unterwandert, „rechtgeleitet“ lenkt und schließlich die Trennung zwischen Staat und Religion aufhebt.

Nicht nur in der Türkei, sondern laut eines Berichts des „Geheimdienstes MIT, aus dem türkische Medien zitieren, betrieb die Gülen-Bewegung 2017 in etwa 100 Ländern 767 gebührenpflichtige Schulen und Universitäten“, schreibt die Süddeutsche Zeitung (SZ). Das war im Sinne des jetzigen türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoǧan – solange Fetullah Gülen zu seinen engsten Verbündeten zählte. Was schließlich zum Zwist zwischen den beiden führte, darüber gibt es unterschiedliche Erzählungen. Letztlich war es vermutlich lediglich der Kampf um die Macht, den Erdoǧan bekanntermaßen gewann. Die Krönung dieses Zwists stellt die Beschuldigung dar, Fetullah Gülen sei der Drahtzieher hinter dem Putschversuch vom 21. Juli 2016. Damit sind die Rollen klar verteilt: Fetullah Gülen der Missetäter, Recep Tayyip Erdoǧan das arme Opfer.

Der Forderung Nachdruck verleihen

Um die Gülen-Schulen im Ausland übernehmen zu können, traf sich bereits 2019 im Kölner Generalkonsulat der Türkei eine illustre Runde bestehend aus Generalkonsul, Botschafter, Bildungsattaché und Koordinatoren für Türkischlehrer in Deutschland. Eingeladen hatte laut SZdie „Maarif Foundation“, die 2016 gegründet wurde, mit dem Ziel, die Gülenschen Auslandsschulen zu übernehmen.

2019 begannen die Verhandlungen mit der deutschen Seite über die Gründung von (zunächst) drei türkischen Schulen in Deutschland. Dem voraus ging, die vorübergehende Schließung der deutschen Schule in Izmir Mitte 2018, wie der Kölner Stadtanzeiger (KStA) kürzlich berichtete. Die Begründung war, der Schule fehle die Rechtsgrundlage. Möglicherweise war dies jedoch bloß ein Vorwand und der Forderung nach Gründung von türkischen Schulen in Deutschland sollte auf diese Weise Nachdruck verliehen werden.

Die türkischen Schulen in Deutschland sollen laut KStA offiziell als „Ersatzschulen“ eingetragen werden. Das bedeutet, es handelt sich um Privatschulen mit einem eigenen Curriculum, das dem türkischen Bildungssystem angeglichen ist. Dort wurden zu Beginn des Schuljahres 2017/18 die Lehrpläne geändert, die Evolutionstheorie gestrichen; angeblich sei sie zu kompliziert für die Schülerinnen und Schüler, die erst an den Universitäten davon erfahren sollen. Außerdem soll weniger Wissen über Atatürk, sondern mehr über islamische Gelehrte vermittelt werden.

In den aktuellen Schulbüchern wird auch ein eindeutig islamisches Frauenbild propagiert: Fotos von Müttern und Kindern entsprechen entsprechend der Vorstellung, nur die verhüllte, streng gläubige Mutter sei eine gute Mutter. In allen Situationen, die Liebe, Fürsorge, Hinwendung und Harmonie zwischen Mutter und Kind symbolisieren sollen, ist eine verschleierte Frau zu sehen. Auf allen Bildern, die Probleme und Disharmonie darstellen sollen, ist die Mutter in Jeans und T-Shirt und mit offenem Haar abgebildet.

Unterstützung vom Geheimdienst

Die von der „Maarif-Foundation“ organisierte Übernahme der gülennahen Bildungseinrichtungen geht nicht immer reibungslos vonstatten, die SZspricht sogar von Schützenhilfe durch den türkischen Geheimdienst MIT und von Entführungen im Kosovo und der Republik Moldau. Interessanterweise sollen auch in Deutschland die Schulen an Orten entstehen, in denen die Gülen-Bewegung stark verankert ist: in Berlin, Köln und Frankfurt. Das ist eine offene Kampfansage, die für Konflikte innerhalb der türkischen Community sorgen wird.

Abgesehen davon muss davon ausgegangen werden, dass an den Schulen nach einem mit der deutschen Verfassung nicht kompatiblen Lehrplan gearbeitet werden wird. Das wird den Schülerinnen und Schülern erschweren, in der Gesellschaft zurechtzukommen. Soziale Probleme sind so vorprogrammiert, und es steht zu befürchten, dass viele der Kinder und Jugendlichen, die diese Schulen durchlaufen, sehr viel stärker die Türkei als ihre Heimat begreifen werden als Deutschland.

Zu jung für die Evolutionstheorie, aber reif genug für die Ehe

Die Türkei sorgt aktuell mit der Wiedervorlage eines Gesetzentwurfs im Parlament für Schlagzeilen, mit dem Vergewaltigern von Minderjährigen Straffreiheit garantiert wird, sofern sie das Mädchen heiraten. Das berichtete u. a. der Independent. Zwar soll das nur mit ihrem Einverständnis geschehen, doch Menschenrechtsorganisationen und Frauenrechtlerinnen befürchten, dass so Kinderehen Tür und Tor geöffnet wird. Schon 2016 sollte ein entsprechendes Gesetz verabschiedet werden, scheiterte seinerzeit aber an Protesten. Wohlgemerkt: Die Rede ist von Mädchen in einem Alter, in dem der türkische Staat ihnen nicht zutraut, die Evolutionstheorie zu verstehen.

Das Heiratsalter ist in der Türkei auf 18 Jahre festgelegt, mit Zustimmung der Eltern können Minderjährige mit 17, in Ausnahmefällen mit 16 Jahren heiraten. Bis 2017 war eine Ehe nur dann gültig, wenn das Paar von Standesbeamten getraut wurde, seither dürfen auch Imame Paare verheiraten – und zwar ohne offizielle, staatliches Trauungsprozedere.

Auch via DIYANET manipuliert die Türkei das deutsche Bildungssystem

2017 empfahl die türkische Religionsbehörde DIYANET – Dienstherrin der österreichischen ATIB und der deutschen DITIB, die die Imame der entsprechenden Moscheen mit Materialien für die Freitagspredigt versorgt und deren Materialien als Grundlage für Koran- und Sprachunterricht in den Moscheen dienen – das Heiratsalter für Mädchen auf 9 und für Jungen auf 12 Jahre festzulegen. Das löste einen Proteststurm aus, nach zwei Tagen nahm die Behörde die Empfehlung wieder von ihrer Webseite.

Am 22. Juli 2017 trat in Deutschland ein „Gesetz gegen Kinderehe“ in Kraft. Demnach ist eine Heirat nur mit Vollendung des 18. Lebensjahres möglich. Zudem werden nur standesamtliche Trauungen anerkannt, religiöse Zeremonien ohne vorherige standesamtliche Trauung sind verboten. Das durchzusetzen war ein langer zäher Kampf, nachdem in Folge der sogenannten Flüchtlingskrise der Umgang mit verheirateten minderjährigen Geflüchteten, vor allem Mädchen, zu juristischen Auseinandersetzungen führte.

Im Zuge falscher Toleranz war ein großer Teil der deutschen Bevölkerung bereit, diese Kinderehen als kulturelle Eigenheit zu akzeptieren. Vor allem um Kinder und Jugendliche zu schützen, sollte der Einfluss der Türkei auf das Bildungswesen, egal ob im Schulsystem oder via DITIB im Koran-Unterricht, eingedämmt und nicht ausgebaut werden.

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