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Wenn Wissenschaftler eine politische Agenda haben

Über den gegenwärtigen Zustand der Islamwissenschaften gäbe es eine Menge zu sagen, positives wie negatives. Vieles ist zu loben, manches zu tadeln. Unübersehbar ist jedoch, wie sehr der Postkolonialismus dem Fach seinen Stempel aufgedrückt hat – mit verheerenden Folgen, wie ein aktuelles Beispiel zeigt.

Was die Grundlagenforschung betrifft, so werden an den einzelnen Instituten zu allen Aspekten der Islamischen Welt noch immer hervorragende Leistungen erbracht. Sobald es jedoch darum geht, die Erkenntnisse in einen größeren Zusammenhang zu rücken, wird es schnell ideologisch. Dann nämlich zeigt sich, dass viele Islamwissenschaftler schon längst nicht mehr an der Frage interessiert sind, warum die Islamische Welt eine so ganz andere Entwicklung genommen hat als der Westen, stattdessen einfach immer nur den Islam verteidigen wollen.

(Michael Kreutz: „Die Krise der Islamwissenschaften“)

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