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Wendet sich Katar von der Muslimbruderschaft ab?

Der ehemalige Premier von Katar, Hamad bin Jassim Al Thani, 2014 zu Beusch bei Mohammed Mursi
Der ehemalige Premier von Katar, Hamad bin Jassim Al Thani, 2014 zu Beusch bei Mohammed Mursi (© Imago Images / Xinhua)

Nach ähnlichen Entwicklungen in der Türkei gab es in den vergangenen zwei Monaten immer wieder Anzeichen für einen Rückgang der katarischen Unterstützung für die Muslimbruderschaft.

Im vergangenen Monat wurde in arabischen Medien berichtet, die katarische Regierung habe die Mitglieder der zweiten Reihe der Muslimbruderschaft aufgefordert, Katar zu verlassen. Außerdem machte Katars ehemalige Premierminister und bislang einer der prominentesten Unterstützer der Muslimbruderschaft, Hamad bin Jassim Al Thani, abfällige Äußerungen, die das Ansehen der Anführer der Muslimbruderschaft schmälern.

In einem Interview mit der kuwaitischen Zeitung Al-Qabas enthüllte Jassim Al Thani vor einigen Tagen, dass zwischen 2012 und 2013 in Katar Treffen zwischen Beratern des ehemaligen ägyptischen Präsidenten Mohamed Mursi, einem Mitglied der Muslimbruderschaft, und Vertretern der US-Regierung stattfanden. Der ehemalige Premier schrieb:

»Ich verließ das Treffen schockiert. Das Niveau von Mursis Gruppe war der dort geführten Diskussion nicht gewachsen. Sie waren arm und vielleicht in der Lage, einen Laden zu führen, aber keinen Staat.«

Kritischere Haltung

Der ägyptische Experte für islamische Bewegungen, Sameh Eid, kommentierte in einem Presseinterview, Hamad bin Jassims Äußerungen deuteten auf einen grundlegenden Wandel der katarischen Haltung gegenüber der Muslimbruderschaft hin.

Eid fügte hinzu, er erwarte, dass Katar denselben Ansatz wie die Türkei verfolgen und Maßnahmen ergreifen werde, um die Tätigkeiten von Mitgliedern der Muslimbruderschaft auf seinem Territorium einzuschränken. Allerdings schloss er aus, dass Doha die Führer der Gruppe an Ägypten ausliefern werde.

Der ägyptische Forscher wies darauf hin, ihm lägen Informationen vor, wonach Katar damit begonnen habe, Druck auf die Muslimbruderschaft in seinem Hoheitsgebiet auszuüben und ihr aufgetragen habe, künftig keine Äußerungen gegen die ägyptische Regierung mehr zu tätigen.

In diesem Zusammenhang schrieb der den Muslimbrüdern nahestehende und in Katar lebende ägyptische Politiker Amr Abdel Hadi vor einigen Tagen auf Twitter, die katarischen Behörden hätten ihn bereits aufgefordert, den ägyptischen Präsidenten Abdel Fatah El-Sisi nicht mehr zu beleidigen und alle seine früheren beleidigenden Tweets zu löschen. Im Gegenzug, so hätten ihm die Behörden versichert, könne er in Katar bleiben.

Abdel-Hadi fügte hinzu, dass die katarische Polizei ihn zwei Wochen lang inhaftiert hielt, nachdem er sich geweigert hatte, entsprechende Tweets zu löschen. Er sei nur freigelassen worden, weil er in einen Hungerstreik getreten war.

Maher Farghali, ein Experte für den politischen Islam, hatte zuvor bestätigt, dass Katar Muhammad Abdel-Wahhab, einen der Anführer der Muslimbruderschaft, aufgefordert hatte, das Land zu verlassen, ebenso wie einige der Mitglieder der Gruppe aus der zweiten Reihe.

Farghali erklärte, Katar habe eingesehen, dass die Muslimbruderschaft dem Land große Probleme bereitet habe und nun eine Annäherung an die Golfstaaten und an Ägypten nötig sei.

Dennoch, so der Experte, werde Katar seine Beziehungen zu den Muslimbrüdern nicht gänzlich aufgeben, sondern sich damit zufriedengeben, die prominenten Führer der Gruppe unter Druck zu setzen, damit sie ihre Kampagnen gegen Ägypten und die Golfstaaten einstellen, wofür sie im Gegenzug sich weiterhin auf katarischem Gebiet aufhalten dürfen.

Sameh Ismail, Experte für den politischen Islam, sagte in einem Presseinterview, er erwarte, dass Katar weitere Maßnahmen gegen die Organisation ergreifen werde:

»Katar hat damit begonnen, seine Unterstützung für die Muslimbruderschaft zu reduzieren. Die aus der Veränderung der katarischen Haltung resultierenden Ergebnisse werden nicht alle sofort und mit einem Mal, sondern eher schrittweise erfolgen. Der Muslimbruderschaft in Katar könnten unruhige Zeiten bevorstehen.«

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