Wenden sich schiitische Milizen im Irak gegen die USA?

„Nachdem sie dabei geholfen haben, den Islamischen Staat aus weiten Teilen des Irak zu vertreiben, kann es sein, dass eine der kampfgestählten Milizen mit engen Verbindungen zum Iran sich darauf vorbereitet, sich gegen die verbliebenen, im Land verstreuten Streitkräfte der von den USA angeführten Koalition zu wenden. Dies wird zumindest in den Rängen der Volksmobilisierung (PMF) erwogen, einer aus etwa 100.000 Männern bestehenden Miliz, die im Irak sowohl mit den Amerikanern als auch gegen sie gekämpft hat. ‚Amerika sollte hier lediglich eine Botschaft unterhalten. Gegen jede militärische Präsenz werden wir vorgehen’, erklärte Saif Ali, ein 37jähriger Angehöriger der zur PMF gehörenden und in der südirakischen Provinz Basra stationierten Hisbollah al-Nujaba-Miliz, Fox News gegenüber. ‚Ich habe die Amerikaner nach 2003 bekämpft, so wie die Briten im Süden des Irak, und darüber bin ich froh. Ich hasse das amerikanische Volk nicht, nur das US-amerikanische Militär, und ich habe viele amerikanische Soldaten getötet.’ Ali gehört zu den tausenden Angehörigen der PMF, die sich auf vom Iran gelieferte Waffen und Munition stützen konnten, um während des auf die Invasion folgenden Aufstands hunderte US-Soldaten zu töten. (…)

Die PMF wurde nach dem Eroberungsfeldzug des Islamischen Staats vom Juni 2014 geschaffen. Vorangegangen war die Fatwa des führenden schiitischen Klerikers Ayatollah Sayyed Ali Hosseini Sistani, der alle körperlich leistungsfähigen Männer dazu aufrief, sich gegen den brutalen sunnitischen Aufstand zu erheben. Anfangs war die PMF ein inoffizielles Sammelbecken für etwa 40 Milizen. Infolge ihrer bemerkenswerten Kampfkraft und der Beliebtheit, die sie angesichts ihrer herausragenden Rolle im Kampf gegen den Islamischen Staat bei der Bevölkerung vor Ort erwarb, integrierte Ministerpräsident Haider al-Abadi sie im November 2016 in die Sicherheitskräfte der Regierung in Bagdad. Die meisten Kämpfer der PMF beziehen heute Gehälter von der Regierung in Bagdad. Dem Sprecher der PMF Mohand al-Eqqaby zufolge gibt es aber vor Ort auch weitere 50.000 unbezahlte Kämpfer der PMF. Vorerst hätten diese nicht die Absicht, die Truppen der USA zu bekämpfen. Er wolle aber auch, dass die Amerikaner verschwinden. (…)

Zudem hat die PMF im Vorfeld der irakischen Parlamentswahlen im Mai ihren Einfluss über das Schlachtfeld hinaus in die politische Sphäre ausgedehnt. Es wird davon ausgegangen, dass etliche Milizenführer entscheidende Wahlkreise gewinnen und [Premier] Abadi herausfordern werden, welcher als zuverlässiger Partner der USA gilt, der den Einfluss des Iran in Grenzen halten kann. Angesichts des wachsenden Einflusses der PMF nehmen die Sorgen zu, dass viele nicht vom irakischen Oberkommandierenden, sondern von der Führung des Iran kommandiert werden. (…) Das Ziel der PMF, ihre Streitkräfte im ganzen Nahen Osten zu verteilen – dutzende Kämpfer haben sich entgegen den Befehlen Bagdads den Kämpfen angeschlossen, die die syrische Armee und die libanesische Hisbollah für die Interessen des Iran führen – bereitet manchen US-amerikanischen Regierungsvertretern Sorge.“ (Hollie McKay: „After ISIS campaign, Iran-backed fighters in Iraq vow to drive out US troops“)

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