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Die Welt hat sich geändert, die Opfererzählung der Palästinenser nicht

Das Narrativ der Palästinenser hat sich nicht geändert - wie auf dem Plakat zu sehen, geht es noch immer um Palästina vom Mittelmeer bis zum Jordan. (imago images/ZUMA Wire)
Das Narrativ der Palästinenser hat sich nicht geändert - wie auf dem Plakat zu sehen, geht es noch immer um Palästina vom Mittelmeer bis zum Jordan. (imago images/ZUMA Wire)

Die Palästinenser symbolisierten einst die arabische Unterlegenheit gegenüber dem Westen. Heute zieht das nur mehr bei Islamisten.

Haviv Rettig Gur, The Times of Israel

Momente tiefer Frustration können Ärger auslösen und zu Verschwörungstheorien anregen. Aber es ist keine Verschwörung, die die Palästinenser in die Ecke getrieben habt, sondern die lange aufgeschobene Anerkennung der für sie bitteren Tatsache, dass die arabische Welt sich immer mehr um Palästina als Symbol denn um die Palästinenser als Menschen gekümmert hat.

Die Vorstellung von „kolonialistischen“ Israelis, die über ein schwaches, unglückliches arabisches Volk her trampeln, stand für viele arabische Denker und politische Führer stellvertretend für die Ängste vor der größeren und weiter zurückreichenden Schwäche der Araber gegenüber der türkischen und europäischen Herrschaft sowie dem Imperialismus. Nichts verkörperte die arabische Schwäche in der Moderne so sehr wie das sich ewig hinziehende, aber scheinbar unerbittliche Scheitern der palästinensischen Sache. Es ist diese Symbolik – das, was Palästina über die Geschichte und Identität der Araber sagte – und nicht das palästinensische Leiden selbst, die den Antisemitismus zu einer Mehrheitsdoktrin selbst an Orten wie Algerien gemacht hat, einer arabischen Nation, die seit fast 60 Jahren keinen Juden mehr gesehen hat.

Es sollte daher nicht überraschen, am wenigsten die Palästinenser selbst, dass die inbrünstigen Loyalitätsbekundungen der Araber nie zu bedeutsamer Hilfe für die Palästinenser geführt haben, weder im Westjordanland und im Gazastreifen, noch für die Flüchtlinge und deren Nachkommen, die über die gesamte Region verstreut sind und denen von den Ländern, in denen sie seit sieben langen Jahrzehnten ansässig sind, Sozialleistungen, die Staatsbürgerschaft und sogar das Recht auf Land verweigert werden.

Die palästinensische Nationalbewegung steht nun an einem Scheideweg. Zwar liegen die Palästinenser der arabischen Welt immer noch am Herzen, manchmal sogar sehr. Doch aus ihrer Sicht ist die Bedeutung der palästinensischen Erzählung geschrumpft: von der Repräsentation einer umfassenderen arabischen Geschichte zu einer Tragödie, die nur die Palästinenser betrifft – und dabei im Zuge dessen ihren Einfluss auf die Gestaltung arabischer Politik verloren.

Die ölreichen Golfstaaten sind heute respektierte globale Wirtschaftszentren, die den Westen nicht als Unterdrücker oder konkurrierende Zivilisation betrachten, sondern als Ziel für Investitionen und als Quelle der Stabilität. Die neuen Bedrohungen, die sich in der arabischen Welt abzeichnen, sind regionaler Art – der Iran, die Türkei, islamistische Gruppierungen verschiedener Art – oder zutiefst lokaler Natur, von Korruption bis hin zu konfessionellen Auseinandersetzungen. Die arabische Welt hat sich verändert, das palästinensische Narrativ aber nicht. (…)

Es ist heute hauptsächlich die islamistische Politik, deren intensive ideologische Ängste sie empfänglich für das palästinensische Narrativ machen. Daher ist es kein Zufall, dass die Hamas ihre wichtigsten Förderer aktuell in Ankhttps://www.mena-watch.com/istanbul-neues-hamas-hauptquartier/ara und Teheran findet. Für die heutigen Führer der Türkei und des Iran symbolisiert die Lage der Palästinenser die Stellung und das Schicksal der muslimischen Welt. Das stellt ihre Unterstützung auf absehbare Zeit sicher – allerdings nur für den Teil der palästinensischen Politik, der das islamistische Banner hisst.

(Auszüge aus der Analyse „The Palestinians weren’t betrayed by the UAE. They were simply left behind“, die von der Times of Israel veröffentlicht wurde. Übersetzung von Florian Markl.)

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