Welche Strategie die USA in Syrien verfolgen sollte

„Sollte Washington sich statt an Trumps spontane Eingebung an den sorgsam entwickelten politischen Kurs halten, der im Laufe des letzten Jahres ausgearbeitet wurde, wird es ein wesentlich ambitionierteres Projekt verfolgen, um im Osten Syriens ein faktisches amerikanisches Protektorat zu errichten, das einen nennenswerten Abschnitt der türkisch-syrischen Grenze und die gesamte syrisch-irakische Grenze umfasst. Um dies zu erreichen, müssen die US-Streitkräfte auf unbestimmte Zeit in Syrien bleiben. Ein hochrangiger Vertreter der US-Regierung erklärte uns, man wolle letztlich dafür sorgen, dass Assad auch weiterhin diplomatisch isoliert, wirtschaftlich handlungsunfähig und seine Kontrolle auf einen instabilen Rumpfstaat beschränkt bleibe. Damit sei die Hoffnung verbunden, dass er es sich nicht werde leisten können, diesen Rumpfstaat zu unterhalten, und dass die Last, ihn weiterhin zu unterstützen, dem Iran und Russland zu groß werde. (…)

Ein überzeugenderes Argument besteht vielleicht darin, dass die USA nicht Milliarden Dollar in die Zerstörung eines terroristischen Netzwerks [des Islamischen Staats] gesteckt haben, um dadurch einen genozidalen Diktator zu begünstigen, der es dieser Organisation überhaupt erst ermöglichte, zu wachsen und ein Drittel seines Landes zu erobern. Sollten die USA keine humanitären Interventionen mehr vornehmen wollen, heißt dies noch lange nicht, dass sie eine Wohltätigkeitsorganisation zur Rettung von Despoten sein sollten, die den Terrorismus erst züchten und dann um Hilfe bei dessen Auslöschung betteln. (…)

Die Idee eines amerikanischen Protektorats in der Dschasira [der Region östlich der Wüstenstädte, Dörfer und Großstädte der Hochebene östlich des Euphrat-Flusstals] ist insofern ernst zu nehmen, als Amerika nicht alleine dafür verantwortlich wäre und es nicht alleine den Interessen Amerikas dienen würde. Es böte Millionen Kurden und Arabern Zuflucht vor Angriffen mit Sarin, Fassbomben und MiG-Raketen und den sektiererischen sunnitischen bzw. schiitischen Todesschwadronen – und würde zugleich die notwendigen, wenn auch nicht hinreichenden, Bedingungen dafür schaffen, die dem Aufstand gegen Assad einst zugrundeliegenden Impulse im Schutz der Sternenbanners zu nähren. Das wäre immerhin etwas.“ (Hassan Hassan / Michael Weiss: „Here’s What Trump Is Really Plotting in Syria“)

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