Was will die Türkei in Syrien erreichen?

„Dem oppositionsnahen Syrian Observatory for Human Rights (SOHR) zufolge sind bei den Kämpfen in Afrin bislang 78 türkische Soldaten und 437 mit der Türkei verbündete sunnitische Rebellen getötet worden. Das SOHR gab die Zahl der getöteten Kurden mit 1.500 an.

Alles deutet drauf hin, dass die Türkei die jüngsten Schlachten lediglich für den Beginn eines längeren Prozesses hält. Was könnte die Türkei also als nächstes vorhaben? Und worum geht es bei der türkischen Kampagne? (…)

Im Rahmen der Operation ,Euphrat-Schild’ bemächtigten sich die Türken Ende 2016 eines zwischen den Städten Azaz und Dscharabulus gelegenen Gebiets entlang der syrisch-türkischen Grenze.

Unterdessen drangen türkische Streitkräfte auch in die nordsyrische Provinz Idlib ein, die weiterhin von sunnitisch-islamistischen Aufständischen kontrolliert wird.

Durch die Zerstörung von Afrin werden diese beiden Gebiete zusammengeschlossen. Folglich kontrolliert die Türkei nun ein sich von Dscharabulus bis Idlib erstreckendes, zusammenhängendes Gebiet. Die Türken haben klargestellt, dass sie nicht die Absicht haben, dieses Gebiet an das Assad-Regime zu übergeben. Somit verfügt neben den anderen Mächten mit ihren jeweiligen Enklaven nun auch Ankara über sein eigenes Stück Syrien. (…)

Nachdem sie ihre nordwestsyrische Enklave weitgehend gesichert haben, gibt es angesichts der Tatsache, dass ein Vorrücken ostwärts wegen der amerikanischen Präsenz dort hohe Risiken birgt, Hinweise darauf, dass die Türken ihr Netz auf der Suche nach weiteren Siegen über die Kurden weiter spannen könnten.

Manche irakischen Kurden befürchten, diese Aktivitäten könnten auf einen breiter angelegten Versuch der Türken hinauslaufen, ihre Feinde von der PKK im Nordirak aufzuspüren und ein für allemal auszulöschen.

Ein breit angelegter türkischer Angriff in den Provinzen Dohuk und Nineveh zur Schaffung einer Enklave zwischen den Kurdengebieten im Irak und in Syrien scheint durchaus denkbar. Allerdings würde die Türkei sich damit in einen Gegensatz zu den USA, dem Iran und der irakischen Regierung bringen. Daher könnte es sich hierbei zurzeit um eine allzu große Herausforderung für die Türkei handeln. (…)

Ankara hat sich das strategische Ziel gesetzt, die kurdischen Zugewinne, die sich aus der Fragmentierung Syriens und des Irak im Laufe des letzten halben Jahrzehnts ergeben haben, zu beseitigen. Zudem möchte die Türkei sich als natürlicher Anführer und Beschützer sunnitisch-arabischer Bevölkerungsgruppen im Nahen Osten etablieren.“ (Jonathan Spyer: „The Sultan’s Pleasure: Turkey Expands its Operations in Syria and Iraq“)

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