Was steckt hinter der iranischen Eskalation der Lage in Syrien?

„Teheran hat den USA in Syrien gedroht und sein Drohnenangriff zeigt Damaskus und Russland, dass der Iran die Politik Syriens zunehmend bestimmt. In den ersten beiden Februarwochen war das iranische Regime an zwei symbolischen Angriffen beteiligt. Zunächst griffen regimetreue Streitkräfte am 7. Februar in der Nähe des ostsyrischen Deir ez-Zor die von den USA unterstützten Demokratischen Kräfte Syriens an. Nur zwei Tage später sandten die iranischen Streitkräfte in Syrien eine Drohne nach Israel. Dabei trugen sie Sorge, dass die Drohne über Jordanien nach Israel gelangte. Beide Aktionen demonstrieren, dass der Iran das Tempo der Eskalation in Syrien bestimmt. Er will die Reaktionen der USA und Israels testen und würde gerne die Spielregeln diktieren. Israel und die USA haben zwar mit massiver Stärke reagiert. Ob Teheran die Botschaft verstanden hat, ist aber unklar. (…)

Was folgt also aus diesen beiden provokanten und präzedenzlosen Aktionen für das Verständnis der iranischen Absichten in Syrien? Die Entscheidung, die US-amerikanischen Streitkräfte anzugreifen und eine Drohne nach Israel zu senden, stellt eine massive Eskalation dar. Der Iran will seine Feinde in Syrien auf die Probe stellen. In beiden Fällen weiß er, dass die Vergeltung der USA und Israels sich wahrscheinlich gegen syrische Ziele richten wird. Das syrische Regime bezahlt also den Preis für das Verhalten des Iran. Israel und die von den USA angeführte Koalition standen beide im Zusammenhang mit diesen Vorfällen mit Russland in Verbindung. Russland entpuppt sich somit als der Mittelsmann, der zwischen dem Iran, dem syrischen Regime und einem größeren Konflikt steht. Indem der Iran von Syrien aus agiert und sich dort einnistet, könnten seine Handlungen das Assad-Regime gefährden. In diesem Spiel steht der Iran also als Gewinner da, selbst wenn er einige Soldaten oder Milizionäre verliert. Er kann seine Feinde vom Ausland aus angreifen und zu Hause damit prahlen, dass er das mächtigste Land in der Region sei.

Er kann nun auch damit angeben, dass er die übermächtigen Amerikaner angegriffen und erstmals seit 1982 den Absturz einer israelischen F-16 verursacht habe. In der Begrifflichkeit der Islamischen Revolution hat er es damit dem ‚großen und dem kleinen Satan’ gezeigt. Und er tut dies von Syrien aus und setzt seine destabilisierenden Maßnahmen dort zumindest zum Teil unter der Deckung der russischen Unterstützung des Regimes fort. Das iranische Regime verweist häufig darauf, es sei – im Gegensatz zu den USA oder Israel, die seinen Angaben zufolge in syrisches Hoheitsgebiet eingedrungen seien – nach Syrien ‚eingeladen’ worden, um das dortige Regime zu unterstützen. Dies wirft die Frage auf, wie dem syrischen Regime angesichts der Verluste an eigenen Soldaten und dem damit verbundenen Risiko die Handlungen des Iran gefallen. Jahrzehntelang wahrte das syrische Regime auf den Golanhöhen einen kalten Frieden mit Israel, den die Einmischung des Iran nun gefährdet.“ (Seth J. Frantzman: „From the Euphrates to Beit She’an: The Islamic Republic’s dangerous game“)

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