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Was hinter dem Anstieg der Morde an syrischen Offizieren steckt

Die Anzahl der Morde an syrsichen Offizieren stieg in jüngster Vergangenheit rasant
Die Anzahl der Morde an syrsichen Offizieren stieg in jüngster Vergangenheit rasant (© Imago Images / ITAR-TASS)

In Syrien scheint ein Machtkampf zwischen pro-iranischen und pro-russischen Kräften im Gang zu sein, im Zuge dessen prominente Vertreter der jeweiligen Gegenseite ausgeschaltet werden sollen.

The Syrian Observer

In den Küstenregionen Syriens ist die Zahl der Morde an hochrangigen Offizieren in den letzten zwei Monaten in die Höhe geschnellt, und es herrscht große Unsicherheit sowie Geheimhaltung darüber, wer diese Morde verübt. Vor einigen Tagen erst beklagten regimetreue Medien zwei Offiziere, die in den Gouvernements Latakia und Tartus unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen waren.

Quellen berichteten gegenüber Syria TV, Zivilisten hätten die Leiche von Bassam Rasho, Vizepräsident der Landwirtschaftsvereinigung im Gouvernement Latakia und Offizier im Ruhestand, gefunden. Rasho sei aus unbekannten Gründen von einem Anwohner ermordet worden, der im Dorf Brabshabo in der Region Latakia ein Attentat auf den Offizier verübt habe.

Der zweite der Getöteten war der regimetreue Oberst Abdul Majid Suleiman Habous alias „Abu Ghaffar“, der im Dorf Hammam Wasel im Bezirk Baniyas in der Region Tartus umgebracht worden war.

Zuvor hatte der Nachrichtensender Latakia News Network gemeldet, dass Brigadegeneral Aktham al-Hussein aus dem Dorf Sindiana Ain Hafad im Bezirk Safita der Region Tartus an „medizinischen Komplikationen“ verstorben sei. Mehrere Quellen erklärten jedoch, dass der Brigadegeneral nicht krank war, sondern gestorben sei, nachdem er von unbekannten Bewaffneten angeschossen worden war. Al-Hussein war Kommandeur der 2. Brigade des 5. Korps, das direkt von Russland unterstützt wird.

Zur gleichen Zeit mussten Regimeanhänger den Verlust von Brigadegeneral Rajab Muhanna von der Republikanischen Garde beklagen, der als Feldkommandeur an den Fronten in der Region Aleppo, in Damaskus und in Ghouta diente. Er stammt ursprünglich aus der Region Latakia.

Andere regimetreue Medien beklgten den Tod von Oberst Ali Salman Ali, der aus dem Dorf al-Jubeibat al-Gharbiyat in der Nähe von Jableh stammt. Ebenso hatten die Loyalisten um Oberst Saer Ghassan Sebihi zu trauern, der aus dem Dorf Hemeimeem im ländlichen Jableh stammte, und von dem es hieß, er sei an COVID-19 gestorben.

In den letzten Jahren wurden in Latakia viele prominente Persönlichkeiten und Offiziere ermordet. Besonders zu erwähnen wäre hier der Kommandeur der Nationalen Verteidigungskräfte, Hilal al-Assad, ein Cousin von Baschar al-Assad, der unter mysteriösen Umständen ums Leben kam.

Auch Brigadegeneral Ali Hamed Makhlouf, Leiter des Offiziersclubs der Stadt Latakia, wurde ermordet. Makhlouf war mit Rami Makhlouf verwandt, dem Cousin von Präsident Assad. Im Juli wurde der Fallschirmjäger Hassan Mahmoud Hassan auf dem Rückweg von Deir-ez-Zor in sein Dorf Qardaha ebenfalls unter mysteriösen Umständen getötet.

Der Medienaktivist in Latakia Abu Youssef Jablawi äußerte sich gegenüber Syria TV zu möglichen Gründen für Anstieg der Morde: „Die meisten derjenigen, die kürzlich in der syrischen Küstenregion ermordet wurden, wurden auf ähnliche Weise getötet“, sagte Jablawi und wies darauf hin, dass die meisten Opfer durch vorgetäuschte Verkehrsunfälle oder Schusswaffen ermordet worden seien.

Der Aktivist stellte fest, dass sich die Zahl solcher Morde dramatisch erhöht habe, was viele Fragen zu den Gründen aufwerfe. Das Regime halte die Morde weitgehend geheim und konzentriere sich darauf, zu versichern, dass die Todesfälle auf harmlose Ursachen zurückzuführen seien. Viele lokale Medien berichteten, dass die Umstände der Ermordung einiger Offiziere völlig unbekannt blieben.

Nach Ansicht Jablawis handelt es sich um eine Serie gezielter Liquidierungen von Offizieren, die in der syrischen Küstenregion großen Einfluss hatten. Dies gilt etwa für Brigadegeneral Hussein, der für die Rekrutierung junger Männer für das Russland unterstellte 5. Korps in der Region verantwortlich war. Er schloss nicht aus, dass die Morde an den Offizieren Teil eines umfassenderen Konflikts zwischen pro-iranischen Kräften des Regimes und Russland ist.

Tayseer Ghazal, ein übergelaufener Offizier der Regimestreitkräfte, erklärte gegenüber Syria TV, dass die Ermordung prominenter Offiziere nicht auf die syrische Küstenregion beschränkt sei, sondern auch andere Regionen betreffe.

Der aus Latakia stammende Offizier wies darauf hin, dass sowohl Russland als auch der Iran die Struktur der syrischen Armee kontrollieren und Offiziere und Kommandeure, die nicht mit ihnen kooperieren, ausschalten wollen: Das sei das Hauptmotiv für die Morde, die derzeit passieren.

Der Offizier fügte hinzu, dass der Konflikt hauptsächlich zwischen der vom Iran unterstützten 4. Division, die vom Präsidentenbruder Maher al-Assad angeführt wird, und dem 5. Korps, das Russland vertritt, ausgetragen wird.

(Aus dem Artikel Assassination of Senior Officers in Coastal Syria: Struggle for Power?”, der bei The Syrian Observer erschienen ist. Übersetzung von Alexander Gruber.)

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