Was die Türkei mit dem Kauf russischer Flugabwehrraketen bezweckt

Von Vitaly V. Kuzmin, CC BY-SA 4.0, WikiCommons

„Die politische Führung der Türkei zeigt sich begeistert angesichts des wachsenden Bündnisses mit Russland und der Zurückweisung der USA durch den Erwerb des russischen S-400-Luftverteidigungssystems. Symbolisch zum dritten Jahrestag des Putschversuchs im Jahr 2016 sagte Präsident Recep Tayyip Erdogan, dass acht Flugzeuge mit Teilen der S-400 gelandet seien und ‚mit Gottes Segen bis April 2020 an ihren Standorten installiert werden sollen.‘

Aber warum dauert es so lange, das System auszuliefern, zu entpacken und bereitzustellen? Es sind bereits zwei Trägerraketen, ein Kran und andere Fahrzeuge zusammen mit den Sendungen in den Flugzeugen im Einsatz. Das System enthält ebenfalls Radargeräte sowie Gefechtsköpfe und erfordert eine Schulung, um es zu verwenden. Das türkische Personal sollte bereits seit Ende Mai in Russland sein, um sich über das System zu informieren. Der eigentliche Grund, warum es so lange dauert, kann nicht nur einzig darin bestehen, dass es sich um ein komplexes Luftverteidigungssystem handelt. Die Türkei hat das System nicht erworben, weil sie befürchtet, aus der Luft angegriffen zu werden. Sie ist bereits ein NATO-Verbündeter, der eng mit Russland zusammenarbeitet. Alle denkbaren Luftstreitkräfte, die die Türkei bedrohen könnten, sind angeblich ihre Verbündeten. Und die Türkei wird die S-400 offenbar auch nicht in Nordsyrien einsetzen, um das syrische Regime von Gebieten fernzuhalten, die die Türkei dort kontrolliert.

Die Realität ist komplexer. Der lange Prozess der Beschaffung seit 2017 und jetzt der Bereitstellung wird als Druckmittel gegenüber den USA eingesetzt. (…) Ankara hat Syrien im Visier und unternimmt Schritte, um den Rückzug der USA auszugleichen. Die Türkei will eine ‚sichere Zone‘ und sie hofft, dass die USA sich einem türkischen Militärabenteuer anschließen wird, das sogar Manbij oder andere Gebiete betreffen könnte, in denen sich die USA und lokale Partner der Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) befinden. Michael Rubin, der für The National Interest schreibt, sagt, dass die USA versuchen, ‚das Unbefriedbare zu befrieden‘, indem sie eine sichere Zone mit der Türkei im Nordosten Syriens diskutieren. Die S-400 ist ein Draukmittel der Politik Ankaras, die eine militärische Rolle in Nordsyrien und engere Energiebeziehungen mit Russland vermengt sowie Bereitschaft dazu zeigt, bei Amerikas Bluff bei den Sanktionen gegen die S-400 mitzugehen.“ (Seth J. Frantzman: „Why does it take ten months to deploy Turkey’s S-400s? – analysis“)

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