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Was der Koran wirklich sagt – Mythen und Fakten (Teil 1)

Markus Groß: Was der Koran wirklich sagt – Mythen und Fakten

Im Gespräch mit Maya Zehden erläutert der Sprachwissenschaftler Markus Groß die Bedeutung historisch-kritischer Forschung zur frühen Islamgeschichte in Verbindung mit dem Koran. 

Dabei erläutert Markus Groß, Vorstandsmitglied von Inarah, Institut zur Erforschung der frühen Islamgeschichte und des Koran, die strukturellen Unterschiede zwischen dem Islam und anderen Religionen, die bereits eine Liberalisierung durchlaufen haben. Um den heutigen Islam, wie er gepredigt und gelebt wird, zu verstehen, sind diese Unterschiede bedeutsam im Hinblick auf das Verhältnis von Religion, Recht und Staat. Der Sprachwissenschaftler betont die zentrale Rolle der Hadithe, der als authentisch geltenden Aussprüche Mohammeds, und anderer, später entstandener Texte für die islamische Rechtsfindung, da viele der praktischen Glaubensvorgaben gar nicht im Koran selbst zu finden sind.

Der Wissenschaftler erklärt auch, dass der Koran in der Regel nicht durchgängig gelesen, sondern meist nur abschnittsweise zitiert wird, was das Verständnis erschwert. Auf die Frage nach dem Einfluss des Korans auf die verbale, manchmal aber auch gewalttätige Angriffsbereitschaft gegen Kritiker oder auch nur Liberalisierungsversuche des Korans gibt Groß Hinweise auf bestimmte Verse, die Gewalt propagieren, welche durch spätere Verse als bindend dargestellt werden. 

Interessanterweise ist die historische Forschung zum Koran im Vergleich zur Bibelforschung unterentwickelt, wie Groß anhand konkreter Beispiele erläutert:

  1. Fehlende Trennung von Religion und Staat im Islam: Im Islam gibt es keine säkulare Trennung zwischen Staat und Religion. Das islamische Recht (Scharia) wird als Ausdruck des göttlichen Willens verstanden. Dies ist ein grundlegender Unterschied zu Judentum und Christentum, die beide solche Trennungen kennen.
  2. Eine historisch kritische Koran-Forschung ist bisher kaum etabliert: Während die Bibel intensiv wissenschaftlich analysiert wurde (Quellenkritik, Textvergleiche), fehlt eine vergleichbare philologisch-kritische Auseinandersetzung mit dem Koran fast vollständig, etwa betreffend Ursprünge, Textschichten und Einflüsse.
  3. Zentrale religiöse Praktiken beruhen nicht auf dem Koran: Viele der heute verbreiteten religiösen Vorschriften im Islam wie Gebetsabläufe oder Bekleidungsvorschriften stammen nicht aus dem Koran, sondern aus den Hadithen und der Sunna – Textsammlungen, die teils erst zweihundert Jahre nach dem Tod Mohammeds entstanden sind.

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