Was denken die Saudis über Trumps Jerusalem-Entscheidung?

„Vergangene Woche war ich als Leiter einer Delegation, die aus 50 Unterstützern und wissenschaftlichen Mitarbeitern des Nahost-Think Tanks bestand, dessen Direktor ich bin, in Riad. Am Mittwoch, wenige Stunden, bevor der Präsident seine Erklärung zu Jerusalem abgab, verbrachten wir fünf Stunden in Treffen mit drei verschiedenen saudischen Ministern. Zu den Themen, die wir mit ihnen diskutierten, gehörten der Jemen, Katar, der Libanon, das ambitionierte saudische Reformprogramm ‚Vision 2030’ und der mögliche Börsengang des staatlichen Aramco-Ölkonzerns. Das Weiße Haus hatte zu diesem Zeitpunkt bereits zahlreiche ausländische Diplomaten und Medien informiert, und der Inhalt der bevorstehenden Erklärung war weitgehend bekannt. Und doch wurde Jerusalem mit keinem Wort erwähnt, obwohl es dazu allerhand Gelegenheiten gegeben hätte. (…)

Doch wollten wir Riad nicht verlassen, ohne uns Klarheit in dieser Frage zu verschaffen. Also fragten wir ihn [den sauidschen Kronprinzen Mohammed bin Salman]. Um ein gewisses Maß an Vertraulichkeit zu wahren, will ich ihn nicht wörtlich zitieren. Soviel kann ich aber sagen: Er brachte seine Enttäuschung über die Entscheidung des Präsidenten mit genau einem Wort zum Ausdruck und wandte sich dann prompt den Bereichen zu, in denen Riad und Washington zusammenarbeiten könnten, um die Konsequenzen der Entscheidung zu begrenzen und eine Perspektive für den israelisch-palästinensischen Friedensprozess zu entwickeln.

Das war noch nicht alles. An einem Tag, der generell als einer der schwärzesten in den Beziehungen zwischen den USA und der arabischen Welt in Jahrzehnten galt, entwickelte Mohammed bin Salman eine ganz andere Vision sowohl der Beziehungen zwischen den Saudis und den Amerikanern als auch einer möglichen Partnerschaft der Saudis mit Israel. Mit Blick auf die Beziehungen zwischen Saudi-Arabien und den USA bezog er sich mehrmals auf die Stärke der gemeinsamen Sicherheitspartnerschaft, die, wie er stolz bemerkte, die älteste in der Region sei, älter sogar als die zwischen den Vereinigten Staaten und Israel. Mit Blick auf Israel schlug er einen ungewöhnlich positiven Ton an. Im Gegensatz zu dem, was ich bei Besuchen in der Vergangenheit von hochrangigen saudischen Regierungsvertretern zu hören bekam, hatte er zu israelischem Expansionismus, israelischer Arroganz, israelischer Ungerechtigkeit und der Verletzung der Rechte der Muslime in Jerusalem durch Israel nichts zu sagen. Stattdessen sprach er von der vielversprechenden Perspektive der Beziehungen zwischen Saudi-Arabien und Israel, die es nach einem Friedensschluss geben könne und die er herbeizuführen wünsche. (…)

Diejenigen, die vorhersagten, die arabische und muslimische Reaktion auf die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels werde apokalyptisch sein, und sich dabei endlose antiamerikanische Demonstrationen, massenhafte Gewalt gegen die Bürger, Institutionen und Interessen der USA und das endgültige Ende des amerikanischen Einflusses in der Region vorstellten, haben sich offenbar vollkommen geirrt. Bei den Arabern, auf die es ankommt – Amerikas Verbündeten – ist die Reaktion im Großen und Ganzen nüchtern, maßvoll und verantwortungsbewusst ausgefallen. An Saudi-Arabien, dem Geburtsort des Islam, kann man dies deutlich sehen.“ (Robert Satloff: „Mohammed bin Salman Doesn’t Want to Talk About Jerusalem“)

Schreiben Sie einen Kommentar


Schreiben Sie einen Kommentar

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.


Login