Was bedeutet das Bündnis zwischen Sadristen und Kommunisten im Irak?

„Die Wahlbündnisse für die für Mai angesetzten Parlamentswahlen im Irak stehen. Überwiegend haben sie sich entlang ethnischer und konfessioneller Zugehörigkeiten gebildet. Doch einige vormals konfessionelle Parteien haben sich auch als nationale Bewegungen neu erfunden. Die Sadristen, die Anhänger des führenden schiitischen Geistlichen Muqtada al-Sadr, haben eine gemeinsame Liste mit der Irakischen Kommunistischen Partei gebildet. Dass es zu einem Wahlbündnis zwischen einer islamistischen Gruppierung und eine etablierten säkularen Partei kommt, mag ungewöhnlich erscheinen. Blickt man jedoch auf die Geschichte des Irak, zeigt sich, dass Bündnisse zwischen Säkularen und religiösen motivierten Partien in der politischen Geschichte des Irak nicht präzedenzlos sind. Das Bündnis von Sadristen und Kommunisten deutet auf eine Rückkehr zu etablierten Mustern in der politischen Geschichte des Irak hin, die sich an zivilgesellschaftlichen und nationalen Fragen orientieren und sich damit von der konfessionellen Politik unterscheiden, die seit 2003 die Entwicklung im Irak geprägt hat. (…)

Den Erfahrungen der Vergangenheit zufolge ist demnach nicht davon auszugehen, dass das Bündnis mit den Kommunisten die Sadristen entscheidend begünstigen würde. Ganz im Gegenteil. Die Sadristen könnten durch das Bündnis mit einer säkularen Partei einige ihrer religiösen Wähler verlieren. Andererseits könnte dieser Verlust durch den Symbolwert des Abschieds von der sektiererischen Politik aufgewogen werden. So könnten sie ihr nationalistisches Profil schärfen und würden für säkulare irakische Wähler attraktiv. (…)

Letztlich stellt das Bündnis von Sadristen und Kommunisten einen Riss im großen schiitischen Bündnis dar. Selbst wenn alle übrigen schiitischen Parteien, die bei den Wahlen antreten, beschließen, nach den Wahlen eine Regierungskoalition zu bilden, könnte die Fraktion al-Sadrs sie die absolute Mehrheit kosten. Ja, das Bündnis von Sadristen und Kommunisten könnte aus den Wahlen als Königsmacher der künftigen irakischen Regierung hervorgehen. So hätten die irakischen Kommunisten wieder einmal die Möglichkeit, in einem künftigen Kabinett Ministerposten zu besetzen. Unabhängig davon, wie viele Stimmen es erhält, ist das Bündnis von Sadristen und Kommunisten insofern bedeutsam, als es den Zusammenschluss einer zivilgesellschaftlich-nationalen Bewegung mit einer religiösen darstellt und die Grenzen zwischen den religiösen Konfessionen und ethnischen Gruppen zu überwinden sucht. Es ist, in den Worten von Faris Kamal Nadhmi, ein ‚Schritt auf den Bezugsrahmen des Staats, der Nation und der Menschheit zu’.“ (Ibrahim Al-Marashi: „Iraq elections: The curious case of the Communist-Sadrist alliance“)

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