Fünf Gründe dafür, weshalb die klare militärische US-Überlegenheit nicht zu einem strategischen Sieg gegen den Iran geführt hat.
Yoni Ben Menachem
Der Krieg zwischen den Vereinigten Staaten und Israel einerseits und dem Iran andererseits, der nun zugunsten fragiler Verhandlungen vorübergehend unterbrochen wurde, wirft eine zentrale Frage auf: Wie kommt es, dass eine militärische Konfrontation mit der stärksten Macht der Welt nicht in einem eindeutigen strategischen Sieg der USA endete? Die USA setzten überwältigende militärische Gewalt ein, führten massive Luftangriffe durch und entsandten hochmoderne Marineeinheiten. Dennoch sind die beiden Hauptziele – die Wiederöffnung der Straße von Hormus und die vollständige Zerschlagung des iranischen Atomprogramms – nach wie vor unerreicht.
Laut hochrangigen Sicherheitsfachleuten gibt es mehrere Erklärungen für das Überleben des iranischen Regimes.
Keine Garantie für Sieg
Erstens: die Grenzen traditioneller militärischer Gewalt. Luft- und Seeüberlegenheit garantieren keinen entscheidenden Sieg mehr, wenn der Gegner auf asymmetrische Taktiken setzt. Der Iran vermied eine direkte Konfrontation mit den USA. Stattdessen setzte er Zermürbungstaktiken ein und schränkte den Handlungsspielraum seines Gegners ein.
Das entscheidende Instrument bei diesem Vorgehen war sein Arsenal an ballistischen Raketen und Drohnen. Diese relativ kostengünstigen, schwer abzufangenden Waffen haben die Dynamik des Konflikts neu definiert. Sie zwangen die US-Marine, Abstand zu den iranischen Küsten zu halten, um die Reichweite der Raketen zu umgehen, und machten jede Annäherung an iranisches Hoheitsgebiet zu einem erheblichen Risiko. Auf diese Weise glich der Iran einen Teil des technologischen Vorsprungs seiner Gegner effektiv aus.
Der maritime Bereich veranschaulichte diesen Wandel deutlich. Der US-Marine gelang es nicht, die vollständige Kontrolle über die Straße von Hormus durchzusetzen, und sie vermied tiefgreifende Offensivoperationen. Anstatt als entscheidende Kraft zu fungieren, wurde sie in erster Linie zu einem unterstützenden Instrument. Dies stellt einen konzeptionellen Wandel dar, da die Seeherrschaft lange Zeit als Eckpfeiler der amerikanischen Abschreckung galt.
Zweitens: Während die USA die offizielle iranische Marine zerstörten, nahmen sie die kleinen Schnellboote der Islamischen Revolutionsgarde aus Gründen, die nach wie vor unklar sind, nicht ins Visier. Diese Schiffe sichern die faktische Fähigkeit des Iran, die Straße von Hormus zu bedrohen oder zu sperren.
Regime blieb an der Macht
Drittens: die Fähigkeit des Iran, die innere Einheit zu bewahren. Entgegen den Erwartungen löste die Kampagne weder einen Zusammenbruch noch eine weitreichende Revolte aus. Teile der Opposition, darunter auch Reformisten, nahmen eine nationale Schutzhaltung ein, da sie erkannten, dass ein Zusammenbruch des Regimes den Staat spalten könnte. Dies untergrub eine der Kernannahmen Washingtons für schnellen Druck.
Die groß angelegten Proteste, die im vergangenen Januar mit Zehntausenden von Demonstranten ausbrachen, ebbten ab, nachdem Berichten zufolge etwa 35.000 Menschen von der Bassidsch-Miliz getötet worden waren. Die Öffentlichkeit war sowohl vom Regime eingeschüchtert als auch darauf bedacht, auf das Signal von US-Präsident Donald Trump für erneute Proteste zu warten, wie er es zuvor versprochen hatte.
Sicherheitsquellen deuten darauf hin, dass der Umgang des Regimes mit früheren Protesten während des Krieges einen Präzedenzfall schuf. Aggressive Sicherheitsmaßnahmen, starke Abschreckung und die Bereitschaft zu extremer Gewalt hielten die innenpolitische Lage im Iran stabil.
Viertens hat der Iran seine strategische Flexibilität bewahrt. Er hat in wesentlichen Fragen – seinem Atomprogramm oder seinen Raketenkapazitäten – keine Zugeständnisse gemacht und eine Politik der Unklarheit und des Drucks beibehalten. Die Kontrolle des Iran über die Straße von Hormus ist nun ein entscheidendes Instrument, um wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Druck sowohl auf die USA als auch auf die Weltwirtschaft auszuüben.
Ein entscheidendes Ergebnis hängt auch mit politischen Zwängen zusammen. Je länger sich der Konflikt hinzog, desto größer wurde der innenpolitische Druck auf Trump in den USA, was eine weitere Eskalation erschwerte. Unter diesen Umständen garantiert selbst eine überwältigende militärische Überlegenheit keinen strategischen Erfolg.
Moderne Kriege werden aus der Ferne mit Raketen, Drohnen und anderen unbemannten Systemen geführt. In diesem Zusammenhang können selbst schwächere Staaten abschrecken und eine schnelle Niederlage vermeiden.
Fünftens ist das Ausbleiben einer groß angelegten Bodenoffensive im Iran entscheidend. Es ist äußerst schwierig, ein entschlossenes autoritäres Regime allein mit Luftmacht zu stürzen.
Fazit
Die Schlussfolgerung aus diesem Krieg ist klar: Der Iran wurde militärisch nicht besiegt – nicht, weil er gewonnen hat, sondern weil er sich an die neuen Regeln der Kriegsführung angepasst hat. Er kombinierte relativ kostengünstige Fähigkeiten, strategisches Denken, operative Flexibilität und strenge interne Kontrolle und verhinderte so, dass seine Gegner ihre Ziele erreichten.
Die entscheidende Frage lautet nun, was die nächste Phase bringen wird. Vorerst ist das einzige Ergebnis des iranischen Regimes das Überleben. Wird der wirtschaftliche Druck den Iran letztendlich brechen? Wird Trumps Seeblockade eine Kapitulation erzwingen? Oder wird nur eine Blockade in Verbindung mit massiven Angriffen auf die Infrastruktur ausreichen? Die Antwort ist unklar.
(Der Text ist auf Englisch beim Jewish News Syndicate erschienen. Yoni Ben Menachem ist ein erfahrener israelischer Journalist und ehemaliger Generaldirektor der Israel Broadcasting Authority. Übersetzung von Florian Markl.)






