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Warum gießt Jordanien auf dem Tempelberg Öl ins Feuer?

PA-Präsident Abbas zu Besuch bei Jordaniens König Abdullah II.
PA-Präsident Abbas zu Besuch bei Jordaniens König Abdullah II. (© Imago Images / ZUMA Wire)

Eigentlich sollte der jordanische König an einer friedlichen Beziehung zu Israel interessiert sein, doch seine eigene fragile Stellung zwingt ihn zum genauen Gegenteil.

Sarah N. Stern

Am 5. Januar fand eine Dringlichkeitssitzung der Vereinten Nationen statt, um Israel für den Besuch seines es Ministers für nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, auf dem Tempelberg zu verurteilen. Sie wurde von China und den Vereinigten Arabischen Emiraten im Namen der Palästinensischen Autonomiebehörde und Jordaniens beantragt, das sich seit jeher als »Sonderverwalter« der heiligen Stätten der Muslime in Jerusalem versteht. 

Der Sitzung war eine feindselige Rhetorik seitens der internationalen Gemeinschaft vorausgegangen. Der Premierminister der Palästinensischen Autonomiebehörde, Mohammad Shtayyeh, beschuldigte Israel, die Al-Aqsa-Moschee in einen »jüdischen Tempel zu verwandeln« und forderte die Palästinenser auf, sich den Angriffen auf den Harim al-Sharif, so der arabische Name für den Tempelberg, entgegenzustellen.

Der jordanische König Abdullah II. wiederum reiste sofort in die Vereinigten Arabischen Emirate, um sich mit Präsident Mohamad Bin Zayed al-Nyan zu beraten und warnte Israel, »keine roten Linien zu überschreiten«. Im jordanischen Parlament richtetet Khalil Attiyah dem israelischen Minister aus, dieser solle sich: »daran erinnern lassen, Sie Feigling, Sie Schwein, dass die Grenze Jordaniens zu Palästina mehr als 300 Kilometer lang ist. Sie ist eine Zeitbombe, die vor euren Augen und vor denen von Leuten wie euch explodieren wird, ihr Feiglinge.« 

Sein Kollege Muhammad al-Shatnawi legte nach: »Dies ist eine rote Linie. Wir werden unsere Seelen für Jerusalem und die heiligen Stätten opfern und alles geben, was wir haben. Wir sind bereit, Märtyrer zu werden und wir werden die Ersten sein, die mit Stöcken, Bomben und Gewehren gegen dieses plündernde Gebilde vorgehen.«

Entgegen allen Unterstellungen hatte Ben-Gvir bei seinem Besuch auf dem Tempelberg weder die Al-Aqsa-Moschee betreten, noch hatte er gebetet. Der Minister unternahm einen dreizehnminütigen Spaziergang –  also etwas, das er und viele andere Juden in der Vergangenheit ohne Zwischenfälle getan haben. Er verletzte weder den Status quonoch verstieß er in irgendeiner Weise gegen das Völkerrecht.

Was sagt das Völkerrecht?

Gemäß Artikel 9 des Friedensvertrags zwischen Israel und Jordanien von 1994, in dem es um »Stätten von historischer und religiöser Bedeutung und interreligiöse Beziehungen« geht, sollte es gleichen Zugang zu allen heiligen Stätten geben:

»1. Jede Vertragspartei wird den freien Zugang zu Orten von religiöser und historischer Bedeutung gewährleisten.

2. In dieser Hinsicht respektiert Israel im Einklang mit der Washingtoner Erklärung die derzeitige Sonderrolle des Haschemitischen Königreichs Jordanien bei den muslimischen Heiligtümern in Jerusalem. Bei den Verhandlungen über den endgültigen Status wird Israel der historischen Rolle Jordaniens bei diesen Heiligtümern hohe Priorität einräumen. 

3. Die Parteien werden gemeinsam handeln, um die interreligiösen Beziehungen zwischen den drei monotheistischen Religionen zu fördern, mit dem Ziel, auf religiöses Verständnis, moralische Verpflichtung, Freiheit der Religionsausübung, Toleranz und Frieden hinzuarbeiten.«

Warum also die ganze Hysterie? Ein Grund ist dass, Israel sowohl Jordanien als auch die Palästinenser immer wieder quasi mit Samthandschuhen angefasst hat. Als beispielsweise im Juni 1967 der Sechstagekrieg ausbrach, sandte Premierminister Levi Eschkol eine Botschaft an König Hussein von Jordanien: »Stellt den Beschuss ein, und wir werden nicht angreifen.« Der jordanische Monarch war jedoch davon überzeugt, dass die falschen Radiomeldungen aus Kairo wahr seien, in denen behauptet wurde, Ägypten wären gerade dabei, die Israelis zu dezimieren. Also ignorierte er die israelischen Botschaften. 

Als der Tempelberg schließlich in israelischer Hand war, wehte die israelische Flagge für einige Minuten über der Stätte. Verteidigungsminister Moshe Dayan sah sie durch sein Fernglas und rief aus: »Wollt ihr den Nahen Osten in Brand stecken?«, worauf die Fahne eingeholt wurde und die Schlüssel zu den heiligen Stätten an die jordanischen Religionsstiftung, die Waqf übergeben wurden.

Dies ist seither der Status quo. In Israel wurde lange darüber debattiert, ob Israel Jordanien die Kontrolle über den Berg hätte überlassen sollen oder nicht. Tatsache ist jedoch, dass im jüdischen Staat, in dem allen religiösen Minderheiten Religionsfreiheit gewährt wird, die Juden von ihrer heiligsten Stätte weitgehend ausgeschlossen wurden. Doch die Zeit zementierte diesen Status.

Alte Lüge

Die Behauptung, Juden wollten die Al-Aqsa-Moschee übernehmen, um an ihrer Stelle den Tempel wieder aufzubauen, stammt aus der Zeit vor der Gründung des Staates Israel. Im Jahr 1928 stellte eine kleine Gruppe von Juden während eines Jom-Kippur-Gottesdienstes Stühle und eine kleine Absperrung auf, um Männer und Frauen in der Nähe der Westmauer zu trennen. Der Mufti von Jerusalem, Haj Amin al-Husseini, erfand daraufhin die Lüge von der jüdischen Eroberung der Al-Aqsa-Moschee. Die Folge waren Unruhen, die 133 Juden das Leben kosteten. 

Diese tödliche Lügenpropaganda wird seit fast einem Jahrhundert sporadisch in Umlauf gebracht und immer wieder hervorgeholt, wenn sowohl die Palästinenser als auch die Jordanier es für richtig halten, ihre Bevölkerung gegen Israel aufzuhetzen.

Dies war zum Beispiel am 23. September 1996 der Fall, als am Rande des Komplexes Tempelberg-Westliche Mauer ein Tunnel, der im muslimischen Viertel der Altstadt in der Nähe eines Franziskanerklosters beginnt, in den alten Felsen geschlagen wurde. Obwohl er die genaue Lage des Tunnels kannte, rief der damalige Mufti von Jerusalem, Ekrima Said Sabir, Jassir Arafat an und sagte: »Die Juden graben unter dem Tempel«, was sofort zu einem Aufstand führte. Palästinenser setzten ein Auto und einen Krankenwagen in Brand und warfen Steine vom Tempelberg auf die an der Westmauer betenden Juden.

Zwiespältige jordanische Position

König Abdullah von Jordanien hat bei dieser ständigen Instrumentalisierung des Tempelbergs für politische Zwecke immer eine ziemlich fadenscheinige und doppelzüngige Rolle gespielt. Jordanien ist einer der größten Empfänger von US-Auslandshilfe. Im Haushaltsjahr 2023 wird das US-Außenministerium Jordanien im Rahmen ders Foreign Operations and Related Programs Appropriations Act (2023) Jordanien »nicht weniger als 1,65 Milliarden Dollar an US-Steuergeldern« zur Verfügung stellen. 

Dennoch hat Jordanien wiederholte amerikanische Bitten durch Kongressmitglieder abgelehnt, Ahlam Tamimi auszuliefern. Tamimi ist eine berüchtigte Terroristin, der den schrecklichen Bombenanschlag auf die Pizzeria Sbarro im Jahr 2001 verübt hat. Fünfzehn Zivilisten, darunter zwei Amerikanerinnen – Malki Roth, 15, und die damals schwangere Judith Greenblum, 31, – wurden ermordet.  Obwohl Jordanien am 28. März 1995 ein Auslieferungsabkommen mit den Vereinigten Staaten unterzeichnete, behauptet es heute, dies nie getan zu haben und lehnt es konsequent ab, Tamimi vor Gericht zu stellen.

Zwar gibt es keine offiziellen Volkszählungsdaten, jedoch wirdgeschätzt, dass bis zu 75 Prozent der jordanischen Bevölkerung Palästinenser sind. König Abdullah weiß, wie zerbrechlich seine Macht ist und appelliert an die feindlichen Gefühle der Palästinenser gegenüber Israel, um sein eigenes Überleben zu sichern. Er tut dies, anstatt seine Bevölkerung zu Frieden und Toleranz zu erziehen, wie es seit der Unterzeichnung des israelisch-jordanischen Friedensvertrags von 1994 der Fall sein sollte. 

Vielleicht will Abdullah einfach nur seine eigene Haut retten, aber das Schüren des israelfeindlichen Hasses ist kein Weg, um langfristig Frieden und Stabilität in der Region zu sichern.

Sarah N. Stern ist Gründerin und Präsidentin des Endowment for Middle East Truth (EMET). (Der Artikel erschien auf Englisch beim Jewish News SyndicateÜbersetzung von Alexander Gruber.)

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