Generic selectors
Exact matches only
Search in title
Search in content
Post Type Selectors

Warum Nordafrikaner nicht die Juden von heute sind

»Reibpartie« von Badener Juden
»Reibpartie« von Badener Juden vor der Pfarrkirche und Pfarrschule, Baden 1938

Vergleiche mit dem Nationalsozialismus gehen selten gut. Auch dann nicht, wenn sie von einem der populärsten Journalisten Österreichs stammen. 

Wie ein prominenter Journalist des Österreichischen Rundfunks (ORF) denkt, fand ich in der aktuellen Ausgabe der ZEIT:

»Die Österreicher neigen nicht zum Aufstand – auch die Corona-Demos haben keine Regierung gestürzt. Aber die Flüchtlingskrise hat Reaktionen ausgelöst, über die ich erschrocken bin. Ich habe mich als Jugendlicher viel mit der NS-Zeit beschäftigt und konnte nie verstehen, wie so etwas möglich war – aber 2016, nach der Silvesternacht in Köln, hatte ich das Gefühl, man könnte wieder ›Reibpartien‹ organisieren, Menschen mit Zahnbürsten die Straße putzen lassen, und es würde eine johlende Menge herumstehen. Es würden hoffentlich auch viele dazwischengehen, aber trotzdem.«

Da ich diese Zeit selbst in Baden bei Wien erlebte, möchte ich diesem Journalisten und all den guten Seelen, die glauben, gelegentlich das heutige Deutschland mit der nationalsozialistischen Volksgemeinschaft vergleichen zu müssen, den Unterschied erklären. 

In Baden bei Wien wurden Juden und Jüdinnen wahllos zu einer Reibpartie gezwungen. Man wollte sie dafür bestrafen, dass sie als Juden geboren worden sind. Meine Mutter, damals fünfzig Jahre alt, hatte ebenfalls panische Angst, man könnte sie dazu zwingen, wenn sie einkaufen geht. Zum Glück kam unsere Mieterin, Frau Weber, vom 1. Stock herunter, tröstete meine Mutter und ging für sie einkaufen.

In Köln haben aus Nordafrika stammende junge Männer und Jugendliche am Bahnhof in Köln Frauen belästigt und drangsaliert und damit Gesetze verletzt. Wenn dieser Moderator die beiden Situationen vergleicht, dann meint er damit, dass diese jungen Männer und Jugendlichen für ihr Handeln nicht verantwortlich sind.

Dieser Standpunkt ist paternalistisch, denn er macht aus Tätern potenzielle Opfer. Der Vergleich der grundverschiedenen Ausgangslagen ist pervers.

Bleiben Sie informiert!
Mit unserem wöchentlichen Newsletter erhalten Sie alle aktuellen Analysen und Kommentare unserer Experten und Autoren sowie ein Editorial des Herausgebers.

Zeigen Sie bitte Ihre Wertschätzung. Spenden Sie jetzt mit Bank oder Kreditkarte oder direkt über Ihren PayPal Account. 

Mehr zu den Themen

Das könnte Sie auch interessieren