Warum gibt es heute kaum Protest gegen Gabriels Apartheid-Äußerung?

„Es ist nicht das erste Mal, dass Gabriel Israel Apartheid vorwirft. Im März 2012 hatte er auf Facebook geschrieben: ‚Ich war gerade in Hebron. Das ist für Palästinenser ein rechtsfreier Raum. Das ist ein Apartheids-Regime, für das es keinerlei Rechtfertigung gibt.‘ Damals sorgte der Vergleich in Deutschland für große Empörung und zwang Gabriel zu einer Entschuldigung. Als amtierender deutscher Außenminister allerdings will er sich nun nicht von seinem Apartheid-Regime-Vergleich distanzieren. Das Auswärtige Amt in Berlin teilt mit, Gabriel habe bei dem Treffen in Kreuzberg ‚ein klares Zeichen gegen Antisemitismus gesetzt und gesagt, dass dieser in Deutschland keinen Platz hat.‘ Ein Sprecher von Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte auf eine Anfrage der BaZ: ‚Wir kommentieren diese Äußerungen nicht.‘

Wie ist zu erklären, dass es vor sechs Jahren in der deutschen Öffentlichkeit und aus den Reihen der deutschen Politik noch heftige Kritik an Gabriel gab, dieselbe Äußerung heute aber kaum Protest auslöst? Eine mögliche Erklärung ist, dass israelbezogener Antisemitismus in Deutschland zunimmt; so sind laut einer im Jahr 2017 im Auftrag der Bundesregierung durchgeführten Untersuchung 40 Prozent der Deutschen von ‚israelbezogenem Antisemitismus‘ geprägt. Charlotte Knobloch, die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden, sprach kürzlich davon, dass ein ‚aggressiver Antisemitismus‘ in Deutschland ‚an der Tagesordnung‘ sei.“ (Benjamin Weinthal: „Gabriel und das ‚Apartheid-Regime‘“)

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