Latest News

Warum fürchtet der Iran den Zangezur-Korridor?

Straßenbau im Zangezur-Korridor in Aserbeidschan
Straßenbau im Zangezur-Korridor in Aserbeidschan (© Imago Images / Anadolu Agency)

Der Zangezur-Korridor ist eine strategische Landverbindung zwischen Aserbaidschan und der Autonomen Republik Nachitschewan und somit ein bedeutsamer und zugleich umkämpfter Handelsweg.

Der Zangezur-Korridor, der sich durch die armenische Provinz Syunik erstreckt und Aserbaidschan mit der Autonomen Republik Nachitschewan verbindet, könnte die Handelswege zwischen Europa und Zentralasien neu gestalten. Der Korridor ist kürzlich nach der Unterzeichnung eines Friedensabkommens und wirtschaftlicher Vereinbarungen zwischen Armenien und Aserbaidschan unter der Schirmherrschaft von US-Präsident Donald Trump wieder in den Fokus der internationalen Aufmerksamkeit gerückt. 

Am Rande der Unterzeichnungszeremonie im Weißen Haus vor einigen Wochen kündigte Trump auch die »Trump-Initiative für internationalen Frieden und Wohlstand« an, die darauf abzielt, den Dialog zu erleichtern, Beziehungen aufzubauen und die Tür für die Kommunikation zwischen den Völkern beider Länder zu öffnen. Die USA haben bilaterale Kooperationsabkommen mit Armenien und Aserbaidschan unterzeichnet, die sich besonders auf die Bereiche Energie, Handel, Technologie und künstliche Intelligenz beziehen. 

Bloomberg zitierte Quellen aus der Trump-Regierung, wonach ein neues Handelskorridorprojekt im Südkaukasus mit dem Namen Trump Road to International Peace and Prosperity (TRIPP) Teil des Friedensabkommens zwischen Aserbaidschan und Armenien sei. Der Korridor verbindet Aserbaidschan über armenisches Gebiet mit einer seiner Enklaven an der Westgrenze zur Türkei – ein Vorschlag, den Eriwan zuvor mit der Begründung abgelehnt hatte, er würde seine Souveränität beeinträchtigen. Die Unterstützung der USA und die Unterzeichnung des Abkommens im Weißen Haus erleichterten jedoch den Fortschritt des Projekts.

Die Forscherin am Washingtoner Thinktank Brookings Institution Asli Aydintasbas sagte, dass »das Abkommen über die einfache Umbenennung des Zangezur-Korridors in ›Trump Road‹ hinausgeht. Es festigt die Präsenz der USA im Herzen der an Russland angrenzenden Region.« Das Projekt stärke auch die Position der Vereinigten Staaten als Garant für Frieden durch einen von amerikanischen Unternehmen betriebenen Logistikhub.

Iranische Ablehnung 

Im Gegensatz dazu hat der Iran jede Veränderung des geopolitischen Gleichgewichts, die sich aus der Trump Road to International Peace and Prosperity ergibt, abgelehnt. Ali Akbar Velayati, Berater des Obersten Führers Ayatollah Ali Khamenei, erklärte, Teheran sei »bereit, jegliche geopolitischen Veränderungen mit Gewalt zu verhindern«. 

Gegenüber der Nachrichtenagentur Tasnim bezeichnete Velayati das Projekt nicht nur als Handelskorridor, sondern als »politisches Komplott, das darauf abzielt, Armenien zu spalten und die regionalen Grenzen zu verändern«. Diese Position spiegle die Besorgnis des Irans wider, das Projekt könnte eine direkte Bedrohung für seine geostrategischen Interessen darstellen, zumal der Korridor die Transitroute für Ressourcen durch den Südkaukasus kontrollieren wird.

Der iranische Politikwissenschaftler Shoaib Bahman ist der Ansicht, der Zangezur-Korridor könne nicht nur als bilaterale Angelegenheit zwischen Aserbaidschan und Armenien betrachtet werden, sondern als ein Projekt mit tiefgreifenden regionalen Dimensionen und direkten Auswirkungen auf das geopolitische Gleichgewicht in der Region. Laut Bahman lehne Teheran den Korridor aus mehreren Gründen ab, darunter:

  • Der Korridor würde der NATO einen Landzugang zum Kaspischen Meer verschaffen, was den Weg für eine Ausweitung ihrer militärischen Präsenz im Kaukasus und die Verbindung Europas mit Zentralasien über eine Land-See-Brücke ebnen könnte. Dies stelle eine direkte Bedrohung für die nationale Sicherheit des Irans dar.
  • Der Korridor würde die Landgrenze zwischen Teheran und Armenien durchtrennen, die für den Zugang des Irans zum Schwarzen Meer und nach Europa eine lebenswichtige Verkehrsader darstellt. Seine Schließung bedeute für den Iran eine »geopolitische Erstickung« und den Verlust einer seiner wichtigsten Landverbindungen zum Westen.
  • Der Korridor verschiebe das Machtgleichgewicht im Kaukasus zugunsten Bakus, was der iranischen Politik widerspricht, die Dominanz einer Partei in der Region zu verhindern (solange nicht er selbst diese Partei ist, müsste man hinzufügen).
  • Der Korridor stärke die Präsenz Israels im Kaukasus, da Israel Öl aus Aserbaidschan importiert und das Land mit Waffen beliefert. Der von den USA kontrollierte Korridor würde diese Beziehungen weiter festigen.

Der ehemalige Vorsitzende des Ausschusses für nationale Sicherheit und Außenpolitik des iranischen Parlaments Heshmatollah Falahatpisheh ist ebenfalls der Ansicht, dass die iranischen Einschätzungen und Forderungen zum Zangezur-Korridor im Friedensabkommen zwischen Baku und Eriwan marginalisiert wurden: »Angesichts der anhaltenden Spannungen zwischen Washington und Teheran könnte eine amerikanische Präsenz in der Nähe der iranischen Grenze über diesen Korridor zu einer echten kolonialen Herausforderung werden.« Die gemeinsame Grenze zwischen dem Iran und Armenien stelle für die Islamische Republik einen einzigartigen Weg nach Europa dar, »und eine Unterbrechung dieser Grenze durch den neuen Korridor könnte starke Reaktionen seitens des Irans hervorrufen«, drohte Falahatpisheh.

Bleiben Sie informiert!
Mit unserem wöchentlichen Newsletter erhalten Sie alle aktuellen Analysen und Kommentare unserer Experten und Autoren.

Zeigen Sie bitte Ihre Wertschätzung. Spenden Sie jetzt mit Bank oder Kreditkarte oder direkt über Ihren PayPal Account. 

Mehr zu den Themen

Das könnte Sie auch interessieren

Wir reden Tachles!

Abonnieren Sie unseren Newsletter und erhalten Sie alle aktuellen Analysen und Kommentare unserer Experten und Autoren!

Nur einmal wöchentlich. Versprochen!