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Warum es gut ist, Israels Flagge über dem Kanzleramt wehen zu sehen

Leiter des Ressorts Außenpolitik beim Österreichischen Rundfunk, Andreas Pfeifer
Leiter des Ressorts Außenpolitik beim Österreichischen Rundfunk, Andreas Pfeifer (Quelle: ORFTVthek Screenshot)

Das in Österreich so beliebte Geschwurbel vom „Brückenbau“ zwischen Terroristen und Terroropfern gehört endlich in die Mülltonne der Geschichte.

Nachdem die Terrororganisation Hamas innerhalb weniger Tage knapp 1.500 Raketen auf israelische Städte und deren Bewohner abgeschossen hatte und Israel sich daraufhin, no na, angemessen und verhältnismäßig militärisch verteidigt hatte, schlug wie stets in derartigen Situationen die Stunde der Brückenbauer.

Der Brückenbauer, eine in Österreich und Deutschland recht verbreitete Spezies, im Hauptberuf meist Journalist, Politiker oder Twitterant, ist leicht daran zu erkennen, dass er dauernd „ein Ende der Eskalation und der Gewaltspirale“ fordert, „beide Seiten zur Mäßigung“ auffordert oder ganz allgemein „ein Ende der Kampfhandlungen“. Und er sieht sich selbst gerne, daher ja der Gattungsname, als „Brückenbauer“ zwischen den Konfliktparteien.

Brückenbauer ist ein sehr beliebter und verbreiteter Beruf, denn er genießt hohes öffentliches Ansehen, ist leicht zu erlernen, weil man sich ja nicht mit der Frage von Schuld und Unschuld abmühen muß, und ist blendend geeignet, die eigene moralische Überlegenheit zu dokumentieren.

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Das einzige Blöde daran, aber das wird zum Glück praktisch nie öffentlich erörtert: der Brückenbauer bezieht in nicht allen, aber doch einigen Konflikten eine moralisch eher fragwürdige Position.

In der Regel allerdings folgenlos. So echauffierte sich etwa Freitagabend in der Nachrichtensendung ZiB 1 zur Prime Time Andreas Pfeifer, der Chef der dortigen Außenpolitik darüber, dass die Bundesregierung mit dem Hissen der israelischen Flagge am Außenministerium und am Bundeskanzleramt „den Eindruck einer eindeutigen Positionierung“ in einer hochkomplexen Situation erweckt habe, anstatt Österreichs traditioneller Rolle „als Brückenbauer“ gerecht zu werden.

Wie bitte? Entgegen dem Geschwurbel der Brückenbauer haben wir es im Moment nicht mit einer hochkomplexen, sondern einer watscheneinfachen Lage zu tun: A versucht B umzubringen, und B wehrt sich. So einfach ist das.

Wer in dieser höchst überschaubaren Lage „den Eindruck einer eindeutigen Positionierung“ bezieht – oder noch besser einfach eine eindeutige Position, nämlich an der Seite des Angegriffenen gegen den Angreifer, der macht das einzig Richtige.

Unlust, Stellung zu beziehen

Sollte – was ihm wirklich nicht zu wünschen ist – bei Gelegenheit in die Wohnung des Herrn Pfeifer eingebrochen werden und die Einbrecher versuchen, ihn umzubringen, wird der Chef des ZiB-Auslandressorts vermutlich recht intuitiv begreifen, dass in dieser „hochkomplexen Situation“ eher kein Brückenbauer gefragt ist, der „beide Seiten zur Deeskalation“ aufruft, sondern das Einsatzkommando Cobra, um die Angreifer zu liquidieren.

Der im nahöstlichen Kontext immer wieder vorgebrachte Verweis darauf, dass es unendlich schwer sei, anhand der Geschichte dieses Konfliktes zu definieren, wer ihn begonnen habe, ist ebenso beliebt wie untauglich: sollte Herr Pfeifer in seinem Wohnzimmer bewaffneten Eindringlingen gegenübersehen, wird ihn die Frage nach der problematischen frühkindlichen Sozialisierung seines vis-a-vis vermutlich auch nicht so übertrieben interessieren.

Dass die Position des Brückenbauers trotz ihrer moralischen Fragilität gerade in Österreich so großer Beliebtheit erfreut, ist betrüblich, aber erklärbar. Da mögen bei manchen antisemitische Motive eine gewisse Rolle spielen, bei anderen der antiimperialistische Reflex der verwelkenden politischen Linken, nicht selten beides zusammen; häufiger scheint eine ganz andere Motivenlage die Brückenbauer antreiben: die Unlust oder Unfähigkeit, in einer Frage von Leben und Tod eine klare und eindeutige Stellung zu beziehen und diese anschließend zu verteidigen.

Beides kann ganz schön anstrengend und mühsam sein, birgt das Risiko des Scheiterns in sich und manchmal sogar der Vertreibung aus der Komfortzone der eigenen Filterblase.

Deswegen steht ja auch das Konzept der Neutralität nach wie vor in so hohem Ansehen – es bildet quasi den völkerrechtlichen Unterbau für jene Art trittbrettfahrerischer Schlitzäugigkeit, die sich hierzulande als Brückenbauer verkleidet.

Dass sich die Republik entschied, an ihrem Regierungssitz die Flagge des angegriffenen Israel zu hissen, war eine ganz außerordentlich erfrischende Abkehr von diesem traditionellen Weg der Charakterlosigkeit. Auch wenn die Brückenbauer jetzt hyperventilieren.

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