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Wissenschaftliches Buch über Deir Yassin, das fast nicht veröffentlicht werden konnte

Das cover von Eliezer Taubers Buch über die Ereignisse in Deir Yassin
Das cover von Eliezer Taubers Buch über die Ereignisse in Deir Yassin (Quelle:

Die Ereignisse rund um das palästinensische Dorf Deir Yassin im Jahr 1948 sind noch immer umstritten und werden von den Gegnern Israels bis heute als »Massaker« dargestellt. 

Deir Yassin ist ein wesentlicher Mythos im Rahmen des palästinensischen »Nakba«-Narrativs, in dem es als besonders explizites Beispiel dafür gilt, wie im Rahmen der israelischen Staatsgründung die arabische Bevölkerung von den Juden vertrieben worden sei.

Laut gängiger Erzählung hätten jüdische Kämpfer am 9. April 1948 das friedliche palästinensische Dorf Deir Yassin angegriffen und deren Bewohner bei einem Massaker ermordet, nicht ohne zuvor noch die Frauen des Dorfes vergewaltigt zu haben. Dieses Narrativ wird heute besonders durch Organisationen wie »Deir Yassin Remembered« betrieben, die ihre »Gedenkarbeit« mit jener der israelischen Holocaustgedenkstätte Yad Vashem vergleichen.

An der Verbreitung der Geschichte eines »Massakers« hatten in der Folge drei unterschiedliche politische Akteure Interesse:

  • die arabische Seite, um von der militärischen Niederlage abzulenken,
  • die offizielle (linksgerichtete) Untergrundbewegung Haganah sowie die Jewish Agency, um die hauptsächlich beteiligten rechtsgerichteten Gruppen Irgun und Stern in ein schlechtes Licht zu rücken,
  • die rechten Gruppen selbst, weil sie nicht zu Unrecht erkannten, dass dadurch die im Gang befindliche Abwanderung und Flucht der palästinensischen Bevölkerung aus Furcht vor weiteren »Massakern« verstärkt würde.

Professor Eliezer Tauber, ehemaliger Dekan der Bar-Ilan Universität und anerkannter Historiker mit dem Spezialgebiet israelischer Unabhängigkeitskrieg und arabischer Nationalismus, beschäftigte sich in seinen Forschungen eingehend mit dem Entstehen des Mythos um das sogenannte »Massaker in Deir Yassin«.

Das in seinem kürzlich auf Englisch erschienenen Buch The Massacre That Never Was: The Myth of Deir Yassin and the Creation of the Palestinian Refugee Problem dargelegte Ergebnis seiner Forschungen war, dass es ein derartiges Massaker nicht gegeben hat.

Da das Dorf Deir Yassin mit etwa 750 Bewohnern für den Zufahrtsweg nach Jerusalem strategische Bedeutung hatte, wurde es hart umkämpft und schließlich von Angehörigen der jüdischen Untergrundbewegungen erobert, wobei es auf arabischer Seite insgesamt etwa hundert Tote, darunter auch Zivilisten gegeben habe, da die jüdischen Kämpfer jene Häuser, aus denen auf sie geschossen wurde, gesprengt hätten.

Suche nach Publikationsmöglichkeit

Nach Ende seiner Recherchen begab sich Tauber schließlich auf die Suche nach einem internationalen Universitätsverlag für eine englische Ausgabe. Trotz ausgezeichneter Rezensionen des Manuskripts lehnten amerikanische Universitätsverlage sein Buch mehrmals auf Weisung der Universitätsleitung ab: »It is a polarizing issue«, wurde ihm immer wieder mitgeteilt.

Bei einer Diskussionsveranstaltung der Association for the Study of the Middle East and Africa (ASMEA) berichtete Tauber über seine Schwierigkeiten, einen Verlag zu finden und zitierte zwei Antworten.

Zwar bestehe Übereinstimmung hinsichtlich der Stärken des Buches, hieß es in der einen Ablehnungsbegründung, aber die Einschätzung des Verlags habe letztendlich darin bestanden, dass eine Veröffentlichung nur einen Diskurs mit verhärteten Positionen nach sich ziehen würde.

Die zweite von Tauber wiedergegebene Begründung lautete, so ein Buch könne man »nur rechtsgerichteten Lesern verkaufen, was letztendlich unserem Ruf schwer schaden« würde, weswegen auch der hier zitierte Verlag von einer Veröffentlichung Abstand genommen hatte.

In weiterer Folge wurde das ursprünglich auf Englisch verfasste Manuskript zuerst in einer ins Hebräische übersetzten Version publiziert, was Mena-Watch im Jahr 2018 zum Anlass nahm, über Taubers Forschungsergebnisse zu berichten.

Es sollten weitere drei Jahre vergehen, bis schließlich doch noch eine englische Ausgabe erschien – allerdings nicht in einem amerikanischen Universitätsverlag, sondern bei Toby Press, einem kleinen, auf israelische Themen spezialisierten Publikationshaus.

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