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War die Explosion in der iranischen Urananreicherungsanlage Natanz Sabotage?

Zentrifugen zur Urananreicherung in Natanz
Zentrifugen zur Urananreicherung in Natanz (© Imago Images / ZUMA Wire)

Auch wenn vieles darauf hindeutet, dass Israel und/oder die USA in die Explosion in Natanz verwickelt sind, schwebt dennoch weiterhin ein Fragezeichen über der Ursache des Vorfalls.

Raphael Ofek

Sowohl Israel als auch die Vereinigten Staaten haben ein klares Interesse daran, Irans beharrliches Streben nach der Atombombe zu stoppen, und beide verfügen wahrscheinlich über technologische und nachrichtendienstliche Fähigkeiten, die fortgeschritten genug sind, um dem Iran schweren Schaden zufügen zu können. So kann nicht ausgeschlossen werden, dass einer der beiden (oder auch beide Staaten) an der Explosion in der iranischen Nuklearanlage Natanz am 2. Juli beteiligt waren.

Immerhin wird der Stuxnet-Virus, ein bösartiger Computerwurm, der 2010 etwa 1.000 iranische Zentrifugen in Natanz traf und außer Gefecht setzte, einer gemeinsamen Anstrengung amerikanischer und israelischer Geheimdienste zugeschrieben.

Es schwebt jedoch weiterhin ein Fragezeichen über der Ursache des Vorfalls vom 2. Juli, der zu einer Reihe von unerklärlichen Bränden und Explosionen in den vergangenen Wochen im Iran gehörte. Wurde die Explosion in Natanz, bei der Berichten zufolge eine unterirdische Werkstatt für die Entwicklung und den Zusammenbau fortschrittlicher Zentrifugen zerstört wurde, durch einen Zeitzünder auf dem Gelände oder durch einen Cyberangriff ausgelöst? Wenn Ersteres zutrifft, bekräftigt dies die Erklärung der iranischen Oppositionsgruppe „Panther des Heimatlandes“, dass ihre Leute für die Explosion verantwortlich seien.

Regime in Verlegenheit

Die Natanz-Explosion brachte das iranische Regime in Verlegenheit, das es unterließ, mit dem Finger auf Israel oder die Vereinigten Staaten zu zeigen. Teheran behauptete zunächst, es handele sich um einen Unfall, wahrscheinlich aus Angst, in eine direkte Konfrontation hineingezogen zu werden, die die nachrichtendienstlichen, militärischen und wirtschaftlichen Schwächen Teherans aufdecken könnte. Dennoch gab das Regime eine Drohung als Antwort: „Wenn ein Regime oder eine Regierung in den Natanz-Vorfall verwickelt ist, wird der Iran entschieden reagieren.“

Es ist nicht schwer zu verstehen, warum sie diesen Ton anschlagen. Die Explosion in Natanz traf das Flaggschiff des iranischen Atomprojekts. Im November 2019 nahm der Präsident der iranischen Atomenergieorganisation an der Einweihung der neuen Anlage in Natanz teil, die 30 moderne IR-6-Zentrifugen beherbergt. Ein iranischer Sprecher sagte damals: „Wir können 5 Prozent, 20 Prozent, 60 Prozent oder jeden anderen Prozentsatz von angereichertem Uran produzieren“. (Sechzig Prozent Anreicherung ist das Sprungbrett für Atomwaffen).

Da der Iran über das notwendige Fachwissen zur Herstellung fortschrittlicher Zentrifugen verfügt und sein Arsenal an Zentrifugen wahrscheinlich nicht allein in Natanz gelagert war, dürfte die Explosion das fortgeschrittene Zentrifugenprogramm des Regimes nicht ernsthaft gestört haben. Sie könnte jedoch den Einsatz der neuesten Modelle dieser Maschinen um ein bis zwei Jahre verzögert haben.

Guter Zeitpunkt

Unabhängig davon war es ein guter Zeitpunkt, einen Angriff durchzuführen (wenn es denn ein solcher war), da der jüngste Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde zeigte, dass der Iran große Anstrengungen in die Entwicklung fortschrittlicher Zentrifugen gesteckt hat.

Falls Israel tatsächlich an der Natanz-Explosion beteiligt war, sollte dies wahrscheinlich ein Signal an Teheran sein, dass Jerusalem beabsichtigt, alle ihm zur Verfügung stehenden Mittel einzusetzen, um das iranische Atomprojekt zu stoppen. Ein solcher Schlag (wenn es denn ein solcher war) verursacht nicht nur unmittelbaren Schaden, sondern signalisiert auch, dass der lange Arm Israels überall im Iran hinreichen kann.

Dies ist keine leere Drohung. Viele der Informationen im iranischen Nukleararchiv, das vor einigen Jahren vom israelischen Geheimdienst Mossad entführt wurde, beziehen sich auf iranische Elemente, die an den nuklearen Bemühungen beteiligt sind – von Personen in den politischen, wissenschaftlichen und operativen Systemen bis hin zu Standorten, an denen Aktivitäten zur Entwicklung von Atomwaffen durchgeführt wurden.

Darüber hinaus ermöglicht es das von Israel betriebene Spionagesatellitensystem, das kürzlich durch den Satelliten „Ofek 16“ ergänzt wurde, jede verdächtige Aktivität auf oder unter der Oberfläche aufzuspüren. Mit dieser Fähigkeit wird der israelische Geheimdienst auch weiterhin in der Lage sein, den Iran zu überraschen.

IDF Oberstleutnant (res.) Dr. Raphael Ofek, ein wissenschaftlicher Mitarbeiter des BESA-Zentrums, ist ein Experte auf dem Gebiet der Nuklearphysik und -technologie, der als leitender Analyst in der israelischen Geheimdienstgemeinschaft tätig war. Sein Text „Was the blast at Iran’s Natanz enrichment plant sabotage?“ ist zuerst beim Jewish News Syndicate erschienen. Übersetzung von Alexander Gruber.

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