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Wann wurde Palästina zu Palästina?

Konferenz der Palästinensischen Befreiungorganisation im Juni 1964 in Jerusalem
Unter der Flagge Jordaniens: Konferenz der Palästinensischen Befreiungorganisation im Juni 1964 in Jerusalem (© Imago Images / United Archives International)

Der Anspruch auf Souveränität über das, was die Palästinenser jetzt als ihr lang ersehntes Heimatland bezeichnen, entstand erst nach 1967 – nachdem es unter jüdische Verwaltung gekommen war.

Martin Sherman

„Die Araber haben 1967 keinen Krieg mit Israel provoziert, um die palästinensische Unabhängigkeit zu erreichen … Die arabischen Herrscher hätten in diesen Gebieten einen palästinensischen Staat gründen können, wann immer sie es wollten. Aber palästinensische Staatlichkeit war für sie nicht von Interesse.“ (Jeff Jacoby, The Boston Globe, 7. Juni 2017.)

„Seit der Zeit von Joseph Goebels [Leiter der Nazi-Propagandamaschine] hat es nie einen Fall gegeben, in dem die ständige Wiederholung einer Lüge so große Früchte getragen hat. … Von allen palästinensischen Lügen gibt es keine größere oder vernichtendere Lüge als diejenige, die die Errichtung eines separaten palästinensischen Staates im Westjordanland fordert.“ (Der ehemaliger Bildungsminister Amnon Rubinstein von der linksradikalen Meretz-Fraktion, Haaretz, 30. Juli 1976.)

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Mit Joe Biden im Weißen Haus ist die Frage palästinensischer Staatlichkeit nun wieder auf die internationale Agenda gesetzt, nachdem sie unter der Trump-Administration weitgehend beiseitegeschoben worden war. Jahrzehntelang wurde der Diskurs über die „palästinensische Frage“ von der Behauptung der palästinensischen Araber dominiert, dass das das Westjordanland (das historische Judäa und Samaria) seit langem ihr angestammtes Heimatland sei.

Ankündigung von Völkermord

Viele wären jedoch wahrscheinlich interessiert daran – und sicherlich sehr überrascht davon – zu erfahren, wann den palästinensischen Arabern denn die Erkenntnis dämmerte, dass dieses Gebiet ihr ersehntes Mutterland darstelle.

In der Tat, lange bevor Israel auch nur einen Quadratzentimeter des Westjordanlandes besaß – bevor es irgendeine „Besatzung“ oder „Siedlungen“ gab – beanspruchten die Araber das gesamte Gebiet zwischen dem Jordan und dem Mittelmeer (d.h. auch Israel innerhalb der „Grünen Linie“) als arabisches bzw. palästinensisches Territorium und drohten, es mit Waffengewalt zurückzufordern und alle jüdischen Bewohner zu vernichten.

So kündigte der ägyptische Präsident Gamal Abdul Nasser im März 1965, mehr als zwei Jahre vor dem Sechs-Tage-Krieg von 1967 – im Zuge dessen das Westjordanland unter israelische Verwaltung kam – mit abschreckender Offenheit einen Völkermord an: „Wir werden Palästina nicht betreten, wenn sein Boden mit Sand bedeckt ist; wir werden es betreten, wenn sein Boden mit Blut getränkt ist.“

Nicht weniger blutig waren die Worte von Yasser Arafats Vorgänger als Chef der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO), Ahmad Shukeiry, der am Vorabend des Sechs-Tage-Krieges – in einem etwas verfrühten Siegesrausch – erklärte:

„Der D-Day rückt näher. Die Araber haben 19 Jahre darauf gewartet und werden nicht vor dem Befreiungskrieg zurückschrecken. … Dies ist ein Kampf um die Heimat – entweder wir oder die Israelis. Es gibt keinen Mittelweg. Die Juden Palästinas werden gehen müssen, [aber es] ist meine Vermutung, dass ohnehin keiner von ihnen überleben wird. … Wir werden Israel und seine Bewohner vernichten, und was die Überlebenden betrifft – wenn es welche gibt –, so stehen die Boote bereit, sie zu deportieren.“

„Jordanier und Palästinenser werden als ein Volk betrachtet“

Bezeichnenderweise wurde die erste Version der Palästinensischen Nationalcharta drei Jahre vor dem Sechstagekrieg – im Mai 1964 – im Osten Jerusalems (damals unter jordanischer Kontrolle) formuliert. Darin verzichten die palästinensischen Araber ausdrücklich auf jeden souveränen Anspruch auf das Westjordanland (oder auf Gaza). So heißt es in Artikel 16 zwar: „Das Volk von Palästina [sieht] der Wiederherstellung der rechtmäßigen Situation Palästinas entgegen, die Frieden und Sicherheit auf seinem Territorium herstellt und seinem Volk ermöglicht, nationale Souveränität und Freiheit auszuüben.“

Allerdings wird in Artikel 24 das Westjordanland (und Gaza) ausdrücklich aus dem Geltungsbereich der palästinensischen Souveränitätsansprüche ausgeschlossen. Vielmehr legt die Charta in Artikel 24 unmissverständlich fest, dass das „palästinensische Volk“ keine „Souveränität über die Westbank des Haschemitischen Königreichs Jordanien, über den Gazastreifen [damals unter ägyptischer Kontrolle] oder das Himmah-Gebiet [damals unter syrischer Kontrolle]“ anstrebe.

Als die ursprüngliche Charta verfasst wurde, waren zudem alle arabischen Bewohner des Westjordanlandes jordanische Staatsbürger – ohne dass dies eine große Diskrepanz zwischen ihrer nationalen Identität und der Staatsangehörigkeit, die sie besaßen, verursacht hätte. Dementsprechend sagte Farouk Kaddoumi, damals eines der ranghöchsten Mitglieder der PLO, noch 1977 gegenüber Newsweek: „Jordanier und Palästinenser werden von der PLO als ein Volk betrachtet.“

Es war Jordanien, das die Souveränität über das Westjordanland bis zum Juli 1988 beanspruchte als König Hussein seinen Anspruch auf das Gebiet aufgab und allen seinen früheren Untertanen die jordanische Staatsbürgerschaft entzog. Anis F. Kassim, ein prominenter palästinensischer Völkerrechtler, kommentierte dies wie folgt: „Mehr als 1,5 Millionen Palästinenser gingen am 31. Juli 1988 als jordanische Staatsbürger zu Bett und wachten am 1. August 1988 als Staatenlose auf.“

Palästina ist dort, wo die Juden sind

Es ist also klar, dass der Anspruch der palästinensischen Araber auf Souveränität über das, worauf sie jetzt bestehen, dass es ihr lang ersehntes Heimatland sei, erst nach 1967 entstand – d.h. als das Gebiet unter jüdische Verwaltung gekommen war. In der Tat scheint das palästinensische Heimatland ein sehr fließendes Konzept zu sein. Schließlich schloss es vor 1967 all die Gebiete aus, die es jetzt angeblich einschließt.

Die Gemeinsamkeit zwischen den Forderungen vor 1967 und denen nach 1967 ist, dass die palästinensischen Araber ihre „nationalen Bestrebungen“ auf Land zu konzentrieren scheinen, nur um es den Juden zu rauben. Stellen Sie sich das vor!

Martin Sherman ist der Gründer und geschäftsführende Direktor Israel Institute for Strategic Studies. (Der Artikel „When did Palestine become Palestine?“ ist zuerst beim Jewish News Syndicate erschienen. Übersetzung von Alexander Gruber.)

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