Vorbild Hamas: IS verbrennt Ackerland in Syrien

„Anhaltende Dürre und schlechte Ernteerträge gelten als wichtige Auslöser der syrischen Revolution 2011. Auch die Ernte vom vergangenen Jahr war aufgrund langer Trockenheit gering. Heuer indes, nach reichlichen Regenfällen im Winter und Frühjahr, erwarteten die Bauern eine Rekordernte. Sie sollte so gut werden wie seit zehn Jahren nicht mehr. Doch in den vergangenen Wochen gingen in den von Kurden kontrollierten Gebieten im Nordosten des Landes plötzlich Tausende von Hektaren Getreidefläche in Flammen auf. Die Lage ist so dramatisch, dass ein Vertreter der kurdischen Selbstverwaltung am Montag westliche Verbündete um Hilfe bat. Er forderte konkret den Einsatz spezieller Löschflugzeuge, um die Brände zu löschen. Sie seien eine große Gefahr, da sie auch Teile der Erdölinfrastruktur gefährdeten. Die ersten Feuer waren bereits Mitte Mai ausgebrochen. Praktisch gleichzeitig rief die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in ihrer Propagandaschrift ‚al-Naba‘ dazu auf, die Felder der Feinde niederzubrennen: ‚Die Erntezeit ist noch lange. Wir sagen den Soldaten des Kalifats: Ihr habt vor euch riesige Ackerflächen mit Weizen und Gerste, die Ketzern gehören. Rollt die Ärmel hoch, und beginnt die Ernte. Möge Allah segnen, was ihr erntet.‘ (…)

Die Syrian Democratic Forces hatten dem IS im März – nach einem fast fünfjährigen Feldzug – die letzte von ihm kontrollierte Stadt entrissen. Danach kehrten die Jihadisten zum Untergrundkampf zurück, indem sie regelmäßig Terroranschläge verüben. Es geht darum, mit möglichst wenig Aufwand größtmöglichen Schaden anzurichten. Das Abbrennen von Getreidefeldern scheint für diesen Zweck wie geschaffen. Abgeschaut haben sich die Extremisten dies vermutlich bei der Hamas im Gazastreifen. Diese hatte im vergangenen Sommer zahlreiche ‚Feuerdrachen‘ über den Grenzzaun fliegen lassen und große Anbauflächen der israelischen Bauern zerstört. (…)

Auch die arabischen Anti-Asad-Rebellen in der nordwestlichen Provinz Idlib warfen dem Regime kürzlich vor, die Zerstörung von Getreideflächen als Kriegswaffe zu benutzen. Bauern berichteten von Kampfjets, die ihre Felder mit phosphorhaltigen Brandbomben in Flammen aufgehen ließen. Ähnliches wirft die kurdische Selbstverwaltung auch der türkischen Armee vor. Diese soll die Felder von kurdischen Bauern an der syrisch-türkischen Grenze bewusst in Brand geschossen haben.“ (Christian Weißflog: „Der IS nimmt Rache: Tausende Hektaren Getreide gehen in Flammen auf“)

Schreiben Sie einen Kommentar


Schreiben Sie einen Kommentar

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.


Login