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Vom Iran über die Huthi bis nach Eritrea: Die »Achse des Chaos«

Abgefangene Waffen aus dem Iran für die Huthi im Jemen
Abgefangene Waffen aus dem Iran für die Huthi im Jemen (Quelle: JNS)

Während der Westen von Deeskalation spricht, rüstet der Iran seinen Stellvertreter im Jemen systematisch auf und sorgt dafür, dass das Rote Meer ein Schauplatz anhaltender Aggressionen bleibt.

Habtom Ghebrezghiabher

Jüngste Berichte über eine erneute Aufrüstung der Huthi sollten jeden ernsthaften politischen Entscheidungsträger in den USA, Israel und den Golfstaaten alarmieren. Stattdessen läuft die derzeitige Vorgehensweise Washingtons im Roten Meer – die Huthis zu schonen und gleichzeitig den eritreischen Diktator, einen Stellvertreter und Verbündeten des Iran, zu umwerben – Gefahr, eine gefährliche Botschaft zu senden: Feindseligkeit gegenüber den Vereinigten Staaten und Israel zahlt sich aus.

Ein Bericht von Conflict Armament Research (CAR) vom Mai 2026 bestätigt, dass die Huthi nicht schwächer werden, sondern sich aktiv wieder aufrüsten und neu aufstellen. Nachdem CAR mehr als achthundert im Roten Meer beschlagnahmte Raketen- und Drohnenkomponenten dokumentiert hatte, konnte die Organisation eine beständige und vom Iran unterstützte Lieferkette zurückverfolgen, die das Wachsen des Huthi-Arsenals vorantreibt. Während der Westen von Deeskalation spricht, rüstet der Iran seinen Stellvertreter im Jemen systematisch auf und sorgt dafür, dass das Rote Meer ein Schauplatz anhaltender Aggression bleibt.

Huthi fühlen sich als Sieger

Im Oktober 2023 starteten die Huthi Raketen- und Drohnenangriffe auf israelische und amerikanische Ziele. Während Washington Anfang 2024 mit der »Operation Prosperity Guardian« und massiven Angriffen konterte, muss die Strategie letztlich als gescheitert gelten. Der im Mai 2025 von US-Präsident Donald Trump verkündete Waffenstillstand, der kein Ende der Angriffe auf Israel forderte, gewährte der Gruppe eine Atempause und milderte den Druck, während sie zugleich ihre Anti-Israel-Offensive fortsetzte.

Die Hothi betrachteten den Waffenstillstand als Eingeständnis der amerikanischen Niederlage. Indem das Abkommen die Destabilisierung des Roten Meeres und die Aggression der Gruppe gegenüber Israel ignorierte, signalisierte es, dass die Vereinigten Staaten bereit waren, regionale Sicherheit gegen einen hohlen, vorübergehenden Frieden einzutauschen. Die Huthi sahen dies nicht als Einigung, sondern als Kapitulation. Sie betrachten Zugeständnisse nicht als Weg zur Stabilität, sondern sehen sie als ultimative Gelegenheit, sich neu zu bewaffnen und zu formieren, um dann erneut zuzuschlagen.

Die Huthi sind keine bloße isolierte Miliz. Sie sind Irans Stellvertreter an vorderster Front, um Macht über das Rote Meer auszuüben. Sie dienen Teheran als wichtigstes Instrument, um Schifffahrtswege zu blockieren, die Golfstaaten einzuschüchtern und die Vereinigten Staaten und Israel stellvertretend anzugreifen. Die Huthi fungieren als Irans Eskalationshebel. Sie fungieren als Kraft, die eingesetzt wird, um den regionalen Druck zu erhöhen oder zu verringern, ohne dass eine direkte iranische Beteiligung erforderlich ist.

Die jemenitischen Islamisten waren bereits durch den Waffenstillstand der von Saudi-Arabien geführten Koalition im April 2022 ermutigt worden. Riads Kurswechsel von acht Jahren unerbittlicher Luftangriffe hin zur Deeskalation sandte ein entscheidendes Signal. Die Huthi interpretierten es als Beweis dafür, dass Ausdauer den Ausgang des Konflikts bestimmen würde. Sie kamen zu dem Schluss, dass sie nicht zum Rückzug gezwungen worden waren, sondern dass mit ihnen aus einer Position wachsender Macht verhandelt wurde. Weit davon entfernt, eine Abschreckung zu bewirken, bekräftigte das Nachlassen des Drucks nur ihre Überzeugung, dass sowohl Zeit als auch Eskalation zu ihren Gunsten wirkten.

Infolgedessen gewannen die Huthi strategisches Selbstvertrauen, anstatt neutralisiert zu werden. Saudi-Arabien sieht sich nun anhaltenden und verschärften Bedrohungen durch die Gruppe ausgesetzt. Im Gegensatz dazu hat Israel solche Gruppierungen stets als existenzielle Bedrohungen behandelt, denen mit Gewalt statt mit Zugeständnissen begegnet werden muss. Vielleicht bietet Israel hier nützliche Lehren.

Erprobtes Muster

Das von den Huthi erprobte Muster wird nun auch vom islamistischen Regime im Iran angewendet. Während des aktuell durch einen Waffenstillstand unterbrochenen Krieges hat der Iran den Druck auf die Straße von Hormus erhöht und Drohnen- und Raketenangriffe gegen US-Seestreitkräfte gestartet. Trotz dieser Provokationen beschränkt sich die Reaktion der USA auf Abfangmanöver, militärische Präsenz und punktuelle Schläge.

Unter Anwendung der von den Huthi gewonnenen Erkenntnisse glaubt Teheran – unter der Militärjunta des Korps der Islamischen Revolutionsgarden –, dass Ausdauer den Ausgang des Konflikts bestimmen wird. Die aktuellen Verhandlungen, die dem Iran Berichten zufolge Zugang zu Milliarden an eingefrorenen Vermögenswerten verschaffen, drohen, Aggression faktisch mit Zugeständnissen zu belohnen. Letztendlich interpretiert das islamistische Regime diese Zurückhaltung als einen kritischen Mangel an Entschlossenheit.

Dieses gefährliche Muster erstreckt sich auch auf den engen Verbündeten des Iran, den eritreischen Diktator Isaias Afwerki. Trotz jahrelanger Feindseligkeit gegenüber den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten, gepaart mit anhaltender Destabilisierung Äthiopiens und des Sudans, erwägt Washington Berichten zufolge die Aufhebung der Sanktionen gegen Eritrea. Dies hat seinen brutalen Führer nur noch ermutigt. In einer kürzlich gehaltenen Rede zum Unabhängigkeitstag stellte Afwerki Amerika als eine im Niedergang begriffene Macht dar, verteidigte das iranische Atomprogramm und kritisierte die Militäraktion gegen Teheran. Er zielt also explizit darauf ab, sowohl die Vereinigten Staaten als auch Israel zu provozieren.

Dies macht den grundlegenden Fehler der Beschwichtigungspolitik gegenüber dem Iran, seinen islamistischen Stellvertretern und seinem eritreischen Verbündeten deutlich: Alle drei betrachten ihr bloßes Überleben als Sieg, ungeachtet des Leids, das sie ihrer eigenen Bevölkerung zufügen. Zugeständnisse werden nicht als Chancen zur Versöhnung interpretiert, sondern als Beweis dafür, dass sie dem westlichen Druck erfolgreich standgehalten haben.

Gerade in dem Moment, in dem Amerika bereit zu sein scheint, dieser »Achse des Chaos« entgegenzukommen, versäumt es Washington weiterhin, den einzigen wirklich prowestlichen und stabilen Partner in der Region voll zu unterstützen: Somaliland. Trotz jahrzehntelanger Stabilität, demokratischer Regierungsführung, Zusammenarbeit bei der Terrorismusbekämpfung und immenser strategischer Bedeutung entlang des Golfs von Aden wird Somaliland von den USA nach wie vor nicht anerkannt. Dieses Zögern hält an, obwohl Somaliland mit eskalierenden Bedrohungen durch dieselben anti-amerikanischen und destabilisierenden Akteure konfrontiert ist: den Al-Shabaab-Milizen, den Huthi und dem eritreischen Diktator Afwerki.

Die strategischen Auswirkungen dieser Weigerung sind enorm. Eine Anerkennung Somalilands wäre nicht nur symbolisch. Ein stärkeres und international anerkanntes Somaliland könnte als stabilisierender Anker gegen Piraterie, islamistische Terroristen, die Expansion iranischer Stellvertreter und die Unsicherheit im Roten Meer dienen.

Frieden durch Stärke

Die Absetzung des Diktators von Eritrea ist eine strategische Notwendigkeit für die Straße von Bab-el-Mandeb und das Horn von Afrika. Eine Partnerschaft mit einem friedlichen, stabilen Eritrea würde eine Sicherheitsachse zwischen den Vereinigten Staaten, Israel, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Äthiopien und Somaliland festigen. Zudem würde sie einen instabilen Engpass in eine Bastion gegen extremistische Bedrohungen verwandeln. Ob es nun um die Huthi, das islamistische Regime im Iran oder den brutalen eritreischen Diktator geht, das Prinzip bleibt dasselbe: Sie überleben nur durch Zwang, Terrorismus, Destabilisierung und Chaos und geben diese Mittel dementsprechend selten freiwillig auf.

Amerika muss aufhören, gefährliche und antiamerikanische Akteure zu belohnen, die vom Chaos profitieren, während sie gleichzeitig Verbündete untergraben, die nach Stabilität streben. Um die Ordnung wiederherzustellen, sollte Washington die Kräfte stärken, die sich den Huthi im Jemen, dem Teheraner Regime im Iran und dem Diktator in Eritrea widersetzen, um diese zu beseitigen. Stabilität wird nicht dadurch entstehen, dass man dem Iran, seinen Stellvertretern und Verbündeten entgegenkommt. Sie wird dadurch entstehen, dass man sie besiegt. Die Logik des Friedens durch Stärke ist der einzige Weg, mit solchen Gegnern umzugehen.

Habtom Ghebrezghiabher von der Hebräischen Universität Jerusalem ist Experte für geopolitische und sicherheitspolitische Dynamiken am Horn von Afrika und in der Region des Roten Meeres. (Der Text erschien auf Englisch zuerst beim Jewish News Syndicate. Übersetzung von Alexander Gruber.)

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