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„Viele Muslime haben Berührungspunkte mit Islamismus“

mansour-ii„In Europa merken wir ja in den vergangenen Monaten, dass die bröckelnde Struktur des IS die Lage hier nicht nur zum Positiven verändert, solange die Ideologie selbst bestehen bleibt: Die Anschläge von Nizza, Ansbach und Würzburg haben ja trotz oder gerade wegen des langsamen Bedeutungsverlusts des IS im Nahen Osten stattgefunden. Die bevorstehende militärische Rückeroberung von Mossul ist zwar wünschenswert, aber sowohl hier in Europa als auch im Nahen Osten selbst muss noch wesentlich mehr getan werden, um die Gründe für islamistische Radikalisierung zu bekämpfen. (…) Die Struktur allein ist nur die Spitze des Eisbergs. Die Ideologie ist viel stärker als ein eigener Pseudostaat. (…)

Gegen das Wort ‚Distanzierung‘ scheinen ja viele Muslime geradezu allergisch zu sein. Muslime ohne Berührungspunkte zu islamistischen Inhalten müssen sich nicht distanzieren. Diese Berührungspunkte sind aber leider vielfach vorhanden. Wer mit seinem Islamverständnis Feindbilder schafft, wer Muslime als Opfer des Westens stilisiert, wer Jugendlichen nicht ermöglicht, kritisch mit ihrer Religion umzugehen und wer den Koran wörtlich und nicht in seinem lokalen und historischen Kontext vermittelt, der muss zwar kein IS-Anhänger sein. Er schafft aber die perfekte Basis für deren Ideologie. Der Pool, aus denen die Radikalen ihre zukünftigen Anhänger ziehen, ist nach wie vor riesig. Das sind Jugendliche, die in Deutschland oder Europa leben und die Welt komplett in schwarz und weiß sehen: Die Muslime als Opfer des Westens, der Juden, der Amerikaner. Dazu kommen problematische Geschlechterrollen und eine fehlende Bereitschaft, ihre Religion zum Gegenstand einer Diskussion zu machen. Der IS hat diese Tendenzen nicht erfunden, er nimmt sie nur auf und überspitzt sie ins Negative. Hier braucht es nicht nur eine halbherzige Distanzierung, sondern eine echte Reformation.“

(Interview mit Ahmed Mansour: „Die Ideologie ist stärker als ein eigener Pseudo-Staat“)

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