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Versuchen »einsame Wölfe«, Al-Qaida-Chef al-Zawahiri im Westen zu rächen?

Ayman al-Zawahiri in einem Al-Jazeera-Bericht aus dem Jahr 2006
Ayman al-Zawahiri in einem Al-Jazeera-Bericht aus dem Jahr 2006 (© Imago Images / UPI Photo)

Experten gehen davon aus, dass es als Reaktion auf die Ermordung al-Zawahiris vor allem in Europa zu Aktionen durch sogenannte einsame Wölfe kommen könnte.

Während seit der Tötung von Ayman al-Zawahiri, dem Anführer der Terrororganisation Al-Qaida, durch einen US-Drohnenangriff in Kabul Anfang August bereits einige Zeit vergangen ist, beschäftigen sich diverse Analysen noch immer mit den möglichen Auswirkungen dieses Angriffs auf die Zukunft der Terrororganisation. Einer der Punkt, die noch einer genaueren Analyse bedürfen, ist die Möglichkeit von Racheanschlägen im Westen als Reaktion auf die Tötung al-Zawahiris und die Frage, wer solche Anschläge verüben könnte.

Gefahr einsamer Wölfe

In diesem Zusammenhang erklärte der Terrorismusexperte Albert Farhat gegenüber der arabischen Ausgabe der Deutschen Welle, dass »Al-Qaida-Zweige die Tötung von al-Zawahiri nutzen werden, um ihre Reihen neu zu ordnen«, zumal diesen Zweigen die historischen Führer heilig seien: »Jemand wie Ayman al-Zawahiri hat vierzig Jahre lang in diesen Gruppen gearbeitet, und seine Tötung wird diesen Zweigen einen neuen Anstoß geben, sich wieder zu vereinigen.«

Farhat geht davon aus, dass die Tötung al-Zawahiris insbesondere in Europa größere Auswirkungen auf die einsamen Wölfe haben wird, durch die diese Gruppen versuchen könnten, Anschläge auf dem europäischen Kontinent verüben könnten.

Darüber hinaus sagte Albert Farhat, auch die Arabische Halbinsel sei «aufgrund der engen Verbindungen zwischen Al-Qaida und ihren Elementen in dieser Region, insbesondere im Jemen, am stärksten gefährdet.« Er befürchte, »dass es zu Operationen in den arabischen Golfstaaten, insbesondere in Saudi-Arabien, kommen wird, da einige Gruppen im Süden des Königreichs insbesondere mit Ayman al-Zawahiri in Verbindung standen«, fügte er hinzu.

Der Experte für terroristische Organisationen Ahmed Ban hingegen erklärte gegenüber Mena-Watch, dass »Ayman al-Zawahiri kein charismatischer Anführer war, den die Al-Qaida-Mitglieder geliebt hätten. Er können sich »nicht vorstellen, dass die Al-Qaida in ihrer derzeitigen Struktur in der Lage ist, große Terroranschläge zu verüben.« Osama bin Laden sei bereits vor Jahren getötet worden, und Al-Qaida habe keine Racheanschläge für seinen Tod verübt, »obwohl bin Laden innerhalb der Qaida und in den mächtigsten und gefährlichsten Ablegern wie Al-Shabab in Somalia sehr beliebt war.«

»Die meisten Ableger von Al-Qaida sind operativ nicht in der Lage, größere Anschläge zu verüben«, fügte er hinzu, »aber die Möglichkeit, dass ein einsamer Wolf einen begrenzten Anschlag in Europa oder gegen amerikanische Interessen verübt, bleibt in jedem Fall eine potenzielle Bedrohung«.

Was die Zukunft von Al-Qaida angeht, meint der Terrorismusexperte Assem Al-Dafrawi, die Terrororganisation sei »trotz der andauernden Angriffe auf sie immer noch viel stärker als der Islamische Staat. Sie ist nicht verschwunden.« Er erklärte, Al-Qaida sei in Gebieten wie dem Jemen und der Sahel- und Sahararegion in Afrika immer noch stark und werde mit dem Tod von al-Zawahiri nicht zu existieren aufhören.

Größter Schlag seit Jahren

Die Vereinigten Staaten gaben Anfang August die Tötung von al-Zawahiri bekannt. US-Beamte erklärten, er sei von einer Drohne getötet worden, als er auf dem Balkon seines Verstecks in der afghanischen Hauptstadt Kabul stand, was den größten Schlag gegen Al-Qaida seit der Erschießung Osama bin Ladens vor mehr als einem Jahrzehnt darstellt.

In den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts entstand Al-Qaida in den afghanisch-pakistanischen Grenzgebieten aus den Überresten arabischer Freiwilliger, die gegen die ehemalige Sowjetunion gekämpft hatten, die 1979 in Afghanistan einmarschiert war und es besetzt hatte.

Ende der neunziger Jahre und zu Beginn des neuen Jahrtausends wurde die Organisation als die größte Sicherheitsbedrohung im Westen angesehen, weil es ihr gelang, eine Reihe der gewagtesten, komplexesten und erfolgreichsten Anschläge dieser Zeit zu verüben – insbesondere die Anschläge vom 11. September in den Vereinigten Staaten.

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