Generic selectors
Exact matches only
Search in title
Search in content
Post Type Selectors

Verschärfung des iranisch-israelischen Schattenkrieges

Die Drohnenbasis in der iranischen Provinz Kermanschah, vor und nach dem angeblichen israelischen Angriff Mitte Februar. (Quellen: Google Maps; Aurora Intel/Twitter).
Die Drohnenbasis in der iranischen Provinz Kermanschah, vor und nach dem angeblichen israelischen Angriff Mitte Februar. (Quellen: Google Maps; Aurora Intel/Twitter).

War die Raketenattacke am Sonntag die Reaktion auf einen israelischen Angriff auf einen Drohnenstützpunkt im Iran?

Nach dem Raketenangriff in Erbil in der vergangenen Sonntagnacht mehren sich die Spekulationen über den Hintergrund dieser Attacke. Zwölf ballistische Raketen, die aus über 300 Kilometer Entfernung aus dem Iran abgefeuert worden waren, trafen einen Gebäudekomplex im Nordosten der Hauptstadt der kurdischen Regionalregierung im Nordirak, der im Besitz des kurdischen Ölunternehmers Baz Karim Barzinji steht.

Anfangs hieß es vielfach, der Angriff habe dem amerikanischen Konsulat in Erbil gegolten und stehe im Zusammenhang mit den Atomverhandlungen in Wien, doch wurde das von den USA sogleich in Abrede gestellt. Ned Price, der Sprecher des US-Außenministeriums, verurteilte die Attacke als »empörende Verletzung« der irakischen Souveränität, betonte aber, dass es »keine Hinweise« gebe, die auf einen gegen die Vereinigten Staaten gerichteten Angriff hinwiesen. Diesbezügliche Spekulationen in der Presse seien »schlicht falsch«.

Revolutionsgarden bekennen sich zum Angriff

Diese Sichtweise untermauerten im Laufe des Sonntags jene, die es wissen mussten: Die iranischen Revolutionsgarden übernahmen die Verantwortung für den Raketenbeschuss, der nicht auf die USA, sondern auf ein »strategisches Zentrum für Verschwörung und Verderben der Zionisten« abgezielt habe. »Jede Wiederholung von Angriffen durch Israel wird mit einer harten, entschlossenen und zerstörerischen Antwort entgegnet werden«, erklärten die Pasdaran. Diese Bemerkung wurde u. a. von der Neuen Zürcher Zeitung als Hinweis auf einen israelischen Angriff auf ein Munitionslager nahe der syrischen Hauptstadt Damaskus Anfang letzter Woche verstanden, bei dem zwei Revolutionsgardisten getötet und mehrere Mitglieder pro-iranischer Milizen verwundet worden waren.

Sonderlich plausibel war dieser Zusammenhang allerdings nicht: Israel greift immer wieder Ziele in Syrien an, um beispielsweise Waffenlieferungen an die Hisbollah oder den Aufbau iranischer Stellungen in Land zu unterbinden. Sieben solcher Angriffe Israels in Syrien soll es laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte allein im Jahr 2022 bereits gegeben haben. Warum hätte der Iran also ausgerechnet auf den letzten Vorfall so drastisch reagieren sollen? Die Revolutionsgarden hatten zwar angekündigt, dass Israel »für dieses Verbrechen bezahlen« werde, aber ein Dutzend Raketen vom eigenen Territorium ins Nachbarland Irak abzufeuern, das wäre selbst für das Islamistenregime in Teheran ein höchst ungewöhnlicher Schritt gewesen, um für eine von vielen Attacken in Syrien Vergeltung zu üben.

»Erhebliche Verluste«

Ein Hinweis auf einen ganz anderen Hintergrund lieferte der der Hisbollah nahestehende libanesische Nachrichtensender Al Mayadeen. Einem Bericht vom Sonntag zufolge habe es sich bei dem iranischen Angriff auf das »israelische Sicherheits- und Geheimdienstquartier« in Erbil um die Antwort auf eine »aggressive Operation gegen den Iran« im Vormonat gehandelt: Bei dem bis dato nicht öffentlich bekannten Zwischenfall vom 14. Februar sollen demnach sechs israelische Drohnen von Irakisch-Kurdistan aus Richtung Iran gestartet sein und einen Angriff auf eine »iranische Basis in Kermanschah« unternommen haben, bei dem der Iran »erhebliche Verluste« erlitten habe.

Die Nachrichtenagentur Reuters hatte damals von einem Feuer berichtet, das aus unbekannten Gründen in der Lagerhalle einer Militärbasis der Revolutionsgarden in der Provinz Kermanschah ausgebrochen sei. Entsprechende Meldungen machten auch auf Social Media die Runde. Wie eine arabische Fact-Checking-Seite noch am selben Tag feststellte, zeigte ein in diesem Zusammenhang geteiltes Foto allerdings nicht das Feuer auf der Pasdaran-Basis, sondern einen anderen Brand, der sich bereits im Juli 2020 in einem Treibstofflager anderswo ereignet hatte.

Wie die israelische Tageszeitung Haaretz am Dienstag berichtete, soll es sich bei dem angeblichen Brand in Wahrheit um einen israelischen Drohnenangriff gehandelt haben, bei dem auf dem Pasdaran-Stützpunkt ein beträchtlicher Teil der iranischen Drohnenflotte zerstört worden sei, die Rede ist von Hunderten Drohnen. Die Open-Source-Intelligence-Gruppe Aurora Intel veröffentlichte auf Twitter ein Satellitenbild, das vier Tage nach dem Vorfall aufgenommen wurde. Darauf sind eine beschädigte Lagerhalle und darum herumliegende Trümmerteile zu sehen – Schäden, die durchaus von Explosionen verursacht worden sein konnten.

Eine weitere Blamage

Drohnen haben in den vergangenen Jahren für den Iran immer mehr an Bedeutung gewonnen. Er ist nicht zuletzt bemüht, all seine Handlanger in der Region – von den Huthi-Milizen im Jemen bis zur Hisbollah im Libanon und der Hamas im Gazastreifen – mit dieser Technologie auszurüsten, die nicht nur vergleichsweise preiswert zu haben ist, sondern jeden Gegner vor große Probleme stellt. Folge dieser Proliferation an Drohnentechnologie sind die zuletzt deutlich öfter stattfindenden Attacken der Huthis auf Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate sowie die vermehrten Drohneneinsätze durch die Terrororganisation Hisbollah.

Sollte der Vorfall Mitte Februar tatsächlich ein israelischer Angriff auf eine wichtige Drohnenbasis im Iran gewesen sein, so würde das einerseits erklären, warum beide Seiten bislang einen Mantel des Schweigens darüber ausgebreitet haben: Israel äußert sich ohnehin kaum jemals zu seinen Auslandsoperationen, und das iranische Regime wird darum bemüht gewesen sein, diese weitere Demonstration seiner Unfähigkeit möglichst geheim zu halten, sich vor israelischen Angriffen im eigenen Land zu schützen – erinnert sei nur an die bisherigen Sabotageakte in iranischen Nuklearanlagen, die Anschläge auf zentrale Figuren des iranischen Atomwaffenprogramms und den Diebstahl des gesamten iranischen Nukleararchivs durch den israelischen Geheimdienst aus einem Vorort von Teheran.

Andererseits würde das plausibler machen, warum das iranische Regime sich gezwungen sah, die ungewöhnliche Raketenattacke auf Erbil am vergangenen Wochenende zu unternehmen. Einen solchen Schritt würde es nicht als Antwort auf einen beliebigen israelischen Angriff in Syrien setzen, sehr wohl wäre er als Reaktion auf einen so blamablen Vorfall vorstellbar, wie ihn ein israelischer Angriff auf einen Drohnenstützpunkt mitten im Iran darstellen würde.

Beide Aktionen können aber als Zeichen verstanden werden, dass der bereits seit Langem als Schattenkrieg geführte Krieg zwischen dem iranischen Regime und Israel an Intensität gewinnen dürfte. Der groß angelegte Cyberangriff auf israelische Regierungsseiten am Montag sowie iranische Meldungen über einen angeblich vereitelten Sabotageakt in der Atomanlage Fordow könnten bereits die nächste Züge in diesem Schlagabtausch gewesen sein. Die Auseinandersetzung dürfte sich in jedem Fall zuspitzen, wenn in Wien tatsächlich der Atomdeal mit dem Iran erneuert werden sollte, der dessen Atomwaffenprogramm im besten Fall nur ein wenig verzögert, während er Milliarden an Dollar in die Kassen des islamistischen Terrorregimes in Teheran spülen wird.

Bleiben Sie informiert!
Mit unserem wöchentlichen Newsletter erhalten Sie alle aktuellen Analysen und Kommentare unserer Experten und Autoren sowie ein Editorial des Herausgebers.

Zeigen Sie bitte Ihre Wertschätzung. Spenden Sie jetzt mit Bank oder Kreditkarte oder direkt über Ihren PayPal Account. 

Mehr zu den Themen

Das könnte Sie auch interessieren