Im Gespräch mit Jasmin Arémi beschreibt die freiberufliche geopolitische Analystin Paushali Lass Pakistans ambitionierten Anspruch, im Konflikt mit Iran zu vermitteln, vor dem Hintergrund einer Außenpolitik, die zwischen eigenen Krisen und geopolitischen Abhängigkeiten balanciert.
Paushali Lass zeichnet das Bild eines Staates, dessen Außenpolitik weniger prinzipientreu als vielmehr flexibel agiert. Pakistan navigiert zwischen den USA, China und den Golfstaaten – zwischen strategischen Partnerschaften und ökonomischer Abhängigkeit, und immer im Schatten des zentralen Rivalen Indien. Diese Konstellation weckt Zweifel an Islambads Rolle als neutraler Vermittler.
Hinzu kommt eine offen feindliche Rhetorik. Verteidigungsminister Khawaja Asif bezeichnete Israel kürzlich als »krebsartigen Staat«. Lass wertet dies nicht als diplomatische Entgleisung, sondern als bewusste ideologische Positionierung. Gleichzeitig kämpft Pakistan mit wirtschaftlicher Schwäche, hoher Verschuldung und politischer Instabilität, was außenpolitische Initiativen als Versuch wirken lässt, internationale Relevanz zu demonstrieren. Eine maßgebliche Rolle spielt das Militär, das die Außenpolitik stark prägt.
Offensive Nukleardoktrin
Seit der Teilung Britisch-Indiens im Jahr 1947 sind Pakistan und Indien unversöhnlich zerstritten, vor allem um die Region Kaschmir. Als Atommächte verfolgen beide Staaten unterschiedliche Strategien. Indien hat seit seiner Nukleardoktrin von 2003 offiziell auf den nuklearen Ersteinsatz (No First Use, NFU) verzichtet, seine Kernwaffen dienen ausschließlich der Vergeltung bei einem atomaren Angriff.
Pakistan hingegen lehnt eine NFU-Verpflichtung ab und behält sich einen präventiven nuklearen Einsatz beziehungsweise einen Erstschlag vor, um seine konventionelle Unterlegenheit gegenüber Indien auszugleichen. Das betrifft auch den Einsatz taktischer Waffen. Zugleich untergräbt der anhaltende Verdacht, Pakistan gehe nicht entschieden genug gegen extremistische Netzwerke vor – ein Vorwurf, der seit den Mumbai-Anschlägen 2008 immer wieder erhoben wird – die internationale Glaubwürdigkeit des Landes.
Pakistan pflegt dichte Beziehungen zu China, den USA und Golfstaaten sowie zur Türkei und teilt mit Letzterer etwa die Position zu Israel. Solche Allianzen stärken den Einfluss, unterstreichen aber auch eigene Interessen. Wer vermitteln will, braucht vor allem Vertrauen und Verlässlichkeit. Voraussetzungen, die Pakistan derzeit nur bedingt erfüllt.






