Schon seit Langem setzt sich der emiratische Vermittler des Abraham-Abkommens für eine offene Diskussion über den Holocaust im eigenen Land ein.
»Das Gedenken an die Opfer des Holocaust ist von entscheidender Bedeutung«, sagte Ali Al Nuaimi, Mitglied des Nationalen Bundesrates der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Vermittler des Abraham-Abkommens, bei einer Veranstaltung im November in Washington.
»Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens haben es versäumt, die Wahrheit auszusprechen, weil ihr Narrativ von einer politischen Agenda gekapert wurde. Dabei betrifft eine Tragödie vom Ausmaß des Holocaust nicht nur die Juden, sondern die gesamte Menschheit«, betonte er und fügte hinzu, »Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und Wissenschaftler sollten ermutigt werden, über den Holocaust zu diskutieren und gemeinsame menschliche Werte zu schützen, während sie politische Differenzen hinter sich lassen«.
»Die Vereinigten Arabischen Emirate sind seit einigen Jahren führend in der Friedens- und Toleranzerziehung in der Region«, sagte der Vorsitzende des israelischen Institute for Monitoring Peace and Cultural Tolerance in School Education (Impact-se), Marcus Sheff, am Donnerstag. »Impact-se ist erfreut, dass die Emirate diesen wichtigen Schritt in der Aufklärung über die Shoah gemacht haben und fühlt sich geehrt, mit dem Bildungsministerium zusammenzuarbeiten.«
Auch Combat Antisemitism Movement, eine gemeinnützige Organisation zur Beobachtung von Antisemitismus, reagierte erfreut auf die Nachricht: »Dies ist ein wichtiger Schritt im Kampf gegen die regionale Kultur der Holocaust-Leugnung und zur Normalisierung der Beziehungen zu Israel.«
Die VAE haben in den vergangenen Jahren kontinuierlich die Koexistenz und den positiven Umgang mit Juden und Christen gefördert und einen Lehrplan für Schulen entwickelt, den Impact-se als den »tolerantesten und friedlichsten eines arabischen oder muslimischen Mehrheitslandes« bezeichnet. Durch den neu konzipierten Lehrplan erfahren emiratische Schüler vom Besuch des Propheten Mohammed bei einem kranken jüdischen Kind oder von dem historischen Faktum, dass der zweite Raschidun-Kalif Omar bin Al-Khattab in einem Zivilprozess zugunsten eines Juden urteilte.
Hauptbedrohung Islamismus
Das Abraham-Abkommen von 2020 wird in Unterrichtsmaterialien der Klassenstufen 6, 8 und 12 erörtert und von führenden islamischen Organisationen der Vereinigten Arabischen Emirate unterstützt. Das Material beschreibt die Abraham-Vereinbarungen als »Hilfe für arabische und islamische Anliegen, die aus einem Islam resultiert, der darauf bedacht ist, Extremismus einzudämmen und eine globale Atmosphäre der Toleranz und Zusammenarbeit zu fördern«, so der Impact-se-Bericht.
Der Islamismus wird dabei nachdrücklich als »Hauptbedrohung« für den Wohlstand abgelehnt, und die palästinensische Sache nicht mehr als Schlüssel zur Lösung aller Probleme in der Region dargestellt.
Teile des Lehrplans sind jedoch nach wie vor judenfeindlich, wie zum Beispiel in einem Buch für die elfte Klasse, in dem beschrieben wird, wie Mohammed »die Herzen der Juden mit Schrecken« gefüllt habe, da sie angeblich ihre Verpflichtung zur Unterstützung des Propheten verletzt hätten, so der Bericht. An anderer Stelle, die sich auf eine Passage aus den Hadithen bezieht – einer Sammlung von Überlieferungen, die der Tradition gemäß Aussprüche des Propheten Mohammed enthalten –, werden die Schüler ermahnt, »den Juden nicht ähnlich [zu] sein«.
Following the historic Abraham Accords, the #UnitedArabEmirates will be adding Holocaust education in the curriculum for primary and secondary schools. This is a major step in combating the regional culture of #Holocaust denial and normalizing relations with #Israel! pic.twitter.com/otYjw0bTx2
— Combat Antisemitism Movement (@CombatASemitism) January 6, 2023