Berichte zufolge wägt Damaskus eine Beteiligung an der Operation zur Entwaffnung der Hisbollah im Libanon ab, zögert jedoch angesichts der Risiken.
Die Vereinigten Staaten haben Syrien dazu ermutigt, die Entsendung von Truppen in den Ostlibanon in Betracht zu ziehen, um bei der Entwaffnung der Hisbollah unterstützend tätig zu sein. Damaskus zögert allerdings, eine solche Mission zu übernehmen, befürchtet es doch, in einen größeren Krieg im Nahen Osten hineingezogen zu werden und konfessionelle Spannungen zu schüren, sagten mit der Angelegenheit vertraute Quellen.
Der Vorschlag an die mit den USA verbündete syrische Regierung spiegelt die verstärkten Bemühungen wider, die vom Iran unterstützte Hisbollah zu entwaffnen, die am 2. März zur Unterstützung Teherans das Feuer auf Israel eröffnete und damit eine israelische Offensive im Libanon auslöste.
Die Idee soll erstmals im vergangenen Jahr von amerikanischen und syrischen Beamten erörtert und nun vonseiten der USA erneut zur Sprache gebracht worden sein, als die Vereinigten Staaten und Israel ihren Krieg gegen den Iran begannen. Zwei syrische Beamte sagten, die Anfrage sei kurz vor Kriegsbeginn eingegangen, während eine westliche Geheimdienstquelle angab, sie sei erst kurz danach eingegangen. Mehrere Quelle bestätigen, die syrische Regierung habe eine grenzüberschreitende Operation vorsichtig in Erwägung gezogen, zögere aber weiterhin.
Trotz der historischen Feindseligkeit gegenüber der Hisbollah und Teheran, die während des syrischen Bürgerkriegs von 2011 bis 2024 beide den damaligen Präsidenten Baschar al-Assad unterstützten, hat sich der jetzige Übergangspräsident Ahmed al-Sharaa seit Beginn der amerikanisch-israelischen Luftangriffe auf den Iran bislang zurückhaltend verhalten. Ein hochrangiger Angehöriger der syrischen Administration meinte, Damaskus und seine arabischen Verbündeten seien sich einig, dass Syrien sich aus dem Krieg heraushalten und nur defensive Maßnahmen ergreifen solle.
Syrien hat seit Anfang Februar Raketeneinheiten und Tausende von Soldaten entlang der libanesischen Grenze stationiert, bezeichnet diesen Schritt aber als rein defensiven.
Eskalationsrisiken
Die libanesische Präsidentschaftskanzlei teilte der Nachrichtenagentur Reuters mit, weder von den Vereinigten Staaten noch von westlichen oder arabischen Ländern oder von Syrien Hinweise auf Gespräche über eine mögliche grenzüberschreitende Operation erhalten zu haben. Präsident Joseph Aoun führte sowohl ein bilaterales Gespräch mit Sharaa als auch ein trilaterales unter Einbeziehung des französischen Präsidenten, in dessen Verlauf al-Sharaa Syriens Respekt für die Souveränität des Libanons bekräftigt und erklärt habe, es gebe keine Pläne für eine Intervention.
Aoun verfolgt eine auf die Entwaffnung der Hisbollah abzielende Politik, doch Beirut ist angesichts des beträchtlichen Waffenarsenals der Terrororganisation und ihrer starken Unterstützung unter den schiitischen Muslimen im Libanon vorsichtig vorgegangen. Syriens Präsident al-Sharaa hat in der Vergangenheit seine Unterstützung für Aouns Bemühungen zum Ausdruck gebracht.
Das libanesische Militär erklärte, die Kommunikationskanäle mit Damaskus blieben »im Rahmen der Bewältigung von Grenzfragen und gemeinsamen Sicherheitsherausforderungen« mit dem Ziel offen, Spannungen zu verhindern und Stabilität zu gewährleisten. Premierminister Nawaf Salam präzisierte, al-Sharaa habe ihm mitgeteilt, der Truppenaufbau entlang der syrisch-libanesischen Grenze diene ausschließlich dazu, die Grenzkontrolle zu verstärken und die innere Sicherheit Syriens zu wahren, wobei auch er die Bedeutung einer fortgesetzten Abstimmung betonte.
Ein syrischer Beamter auf höchster Ebene bestätigte, Washington habe effektiv grünes Licht für eine mögliche Operation im Ostlibanon gegeben, um bei der Entwaffnung der Hisbollah dabei zu sein, sobald der richtige Zeitpunkt gekommen sei. Damaskus sieht jedoch erhebliche Risiken, darunter mögliche iranische Raketenangriffe und das Potenzial für Unruhen unter der schiitischen Minderheit im Land, was die Bemühungen zur Stabilisierung Syriens nach den konfessionellen Gewalttaten im vergangenen Jahr untergraben könnte.
Zwei westliche Diplomaten erklärten ebenfalls, Washington habe die Idee einer syrischen grenzüberschreitenden Operation gegen die Hisbollah gebilligt. Die Quellen fügten jedoch hinzu, dass die syrische Führung weiterhin vorsichtig sei, da sie befürchte, ein solcher Schritt könnte die Spannungen mit dem Libanon verschärfen. Ein syrischer Militärvertreter sagte, es sei noch keine endgültige Entscheidung gefallen, doch die Option einer Intervention im Falle einer Konfrontation zwischen dem libanesischen Staat und der Hisbollah bleibe auf dem Tisch.
Während der Herrschaft der Assad-Familie dominierte Syrien den Libanon lange Zeit, entsandte 1976 während des Bürgerkriegs Truppen und behielt seinen Einfluss bis zu seinem Rückzug im Jahr 2005. Jede neue syrische Intervention könnte die konfessionellen Spannungen sowohl in Syrien als auch im Libanon wieder entfachen, wo verschiedene Religionsgemeinschaften leben, darunter Sunniten, Schiiten, Christen und Drusen.






