Die Vereinigten Staaten senden eine klare Botschaft an den Sudan, dass der jahrzehntelange Kreislauf aus islamistischer Herrschaft, Gewalt und Völkermord ein Ende finden muss.
Habtom Ghebrezghiabher
Die Einstufung der sudanesischen Muslimbruderschaft als »ausländische terroristische Organisation« durch die amerikanische Trump-Regierung ist ein mutiger Schritt gegen ein genozidales islamistisches Netzwerk, das darauf abzielt, die Macht im Land zurückzugewinnen und die Rolle des Sudans als Drehscheibe des globalen Terrorismus und der regionalen Instabilität wiederzubeleben.
Obwohl vom amerikanisch-israelischen Krieg gegen den Iran überschattet, ist die am 16. März in Kraft getretene Einstufung durch das US-Außenministerium ein Schlag gegen die Bewegung, die den Völkermord im Sudan inszeniert und zum Aufbau der Infrastruktur globaler Terrornetzwerke beigetragen hat. Sie warnt destabilisierende Akteure wie den Iran und den eritreischen Diktator, die das islamistische Netzwerk unterstützen, stärkt die Bemühungen, eine Rückkehr der islamistischen Herrschaft zu verhindern und wirkt der umfassenderen regionalen Bedrohung entgegen, die ein unter islamistischer Kontrolle stehender Sudan für Israel und die regionale Stabilität darstellen könnte.
Dschihadisten-Knotenpunkt
Jahrzehntelang war der Sudan nicht nur ein weiterer gescheiterter Staat in Afrika, sondern ein zentraler Knotenpunkt für islamistische Dschihad-Netzwerke, die den Terrorismus förderten und den Sudan und die Region destabilisierten.
Die Muslimbruderschaft kam Mitte des 20. Jahrhunderts in den Sudan, getragen von Studenten, die von Hassan al-Banna, dem Gründer des ägyptischen Zweigs im Jahr 1928, inspiriert waren. Im Laufe der Zeit entwickelte sich die Bewegung unter Hassan al-Turabi zu einer sehr ehrgeizigen Kraft, die islamistische Netzwerke im Sudan und darüber hinaus tiefgreifend beeinflusste. Al-Turabis Einfluss auf den islamistischen Extremismus wurde mit einer Mischung aus Ayatollah Ali Khomeini, dem zu Beginn des aktuellen Kriegs der USA und Israels gegen den Iran getöteten Führer, und Osama bin Laden, dem Drahtzieher der Terroranschläge vom 11. September 2001 auf die Vereinigten Staaten, verglichen.
In den 1960er-Jahren gründete al-Turabi die Islamische Charta-Front und später die Nationale Islamische Front und verwandelte die sudanesische Politik in ein theokratisches Projekt. 1989 orchestrierte sein Netzwerk einen Militärputsch, der Omar al-Bashir an die Macht brachte und Sudans fragiles demokratisches Experiment beendete.
Unter al-Turabis ideologischer Führung wurde der Sudan zu einem auf der Scharia basierenden arabisch-islamistischen Staat. Er unterdrückte nicht nur die Opposition, sondern richtete sich in Völkermordkampagnen gegen die nicht-arabische schwarze sudanesische Bevölkerung und zerschlug die Sufi-Bruderschaften. Khartum wurde zu einem globalen Zentrum für dschihadistische Aktivitäten. Al-Turabi sah den Sudan als strategische Brücke zwischen dem sunnitischen und dem schiitischen Islam und als Sammelpunkt für islamistische Kämpfer aus Nordafrika, dem Nahen Osten, Südasien und darüber hinaus.
Al-Turabi setzte seine Vision durch den 1991 gegründeten Arabischen und Islamischen Volkskongress (PAIC) um, der islamistische Führer aus mehr als fünfzig Ländern zusammenbrachte, um Ideologie, Ausbildung und Finanzierung zu koordinieren. Im selben Jahr traf Osama bin Laden im Sudan ein, wo er von al-Turabi persönlich empfangen wurde, und baute die finanzielle und operative Infrastruktur auf, die den globalen Dschihad von Al-Qaida befeuern sollte. Gleichzeitig stärkte der Sudan seine Partnerschaft mit dem Iran.
Unter der Muslimbruderschaft wurde der Sudan zu einem Zufluchtsort für die Hamas, den Palästinensischen Islamischen Dschihad, die Abu-Nidal-Gruppe und Al-Qaida, den Ägyptischen Islamischen Dschihad, afghanische Islamisten, den Eritreischen Islamischen Dschihad sowie für Militante aus Algerien, Pakistan, Kaschmir und dem Libanon. Das Land stellte logistische Unterstützung, Visa und sicheren Durchgang bereit und fungierte damit effektiv als Ausgangspunkt für Operationen, welche die regionale Stabilität, Israel und US-Interessen bedrohten.
Mit Unterstützung des Irans, wohlhabender islamistischer Geldgeber und in operativer Koordination mit Al-Qaida wurde der Sudan zu einer Plattform für die Finanzierung und Ausweitung dschihadistischer Operationen weltweit. Der Iran stellte technisches Fachwissen, militärische Ausrüstung und Ausbilder der Islamischen Revolutionsgarde zur Verfügung, um sudanesische Milizen auszubilden, wodurch ein sunnitisch-schiitischer Knotenpunkt des Radikalismus mit Zentrum in Khartum entstand.
Die vom Sudan unterstützten Anschläge reichten von Abu Nidals Operationen im Jahr 1988 bis zu den Bombenanschlägen auf die US-Botschaften in Nairobi und Daressalam im Jahr 1998, bei denen 224 Menschen ums Leben kamen. Der Sudan ermöglichte zudem den Bombenanschlag auf die USS Cole im Jahr 2000 im Jemen, bei dem siebzehn US-Seeleute starben. Diese Handlungen führten dazu, dass der Sudan am 12. August 1993 auf die US-Liste jener Staaten gesetzt wurde, die den Terrorismus unterstützen, wo er 27 Jahre lang verblieb, was das Land wirtschaftlich und politisch isolierte.
Staatsstreich und Bürgerkrieg
Der Massenaufstand von 2019 beendete die Jahrzehnte der islamistischen autoritären Herrschaft und eröffnete kurzzeitig den Übergang zu einer zivilen Regierungsführung, wodurch sich für den Sudan die Gelegenheit ergab, den Abraham-Abkommen beizutreten und die Beziehungen zu Israel zu normalisieren. Dies veranlasste Washington dazu, den Sudan im Dezember 2020 offiziell von der Liste der Staaten, die den Terrorismus unterstützen, zu streichen.
Dieser Übergang brach jedoch schnell zusammen. Im Oktober 2021 führten die Generäle Abdel Fattah al-Burhan und Mohamed Hamdan Dagalo (»Hemedti«) einen Staatsstreich durch und lösten die Übergangsregierung auf. Im April 2023 wandten sich die beiden Generäle dann gegeneinander und stürzten den Sudan in einen umfassenden Krieg und den Zusammenbruch.
Der Konflikt wird oft als Rivalität zwischen Generälen dargestellt, doch im Grunde handelt es sich um einen Kampf um die Identität und die politische Zukunft des Landes. Die Muslimbruderschaft, die nach Bashir von der Macht verdrängt wurde, nutzt unter al-Burhan ihre tiefgreifenden Netzwerke innerhalb der sudanesischen Streitkräfte, um die islamistische Ordnung wiederherzustellen, die den Sudan drei Jahrzehnte lang beherrscht hatte. Diese Bemühungen werden vom Iran und dem eritreischen Diktator Isaias Afwerki unterstützt, den langjährigen Verbündeten der islamistischen Netzwerke im Sudan.
Deshalb ist die Einstufung der sudanesischen Bruderschaft zur Terrorgruppe durch die Trump-Regierung von Bedeutung. Für das Land sind die Auswirkungen tiefgreifend. Die Vereinigten Staaten senden eine klare Botschaft, dass der jahrzehntelange Kreislauf aus islamistischer Herrschaft, Gewalt und Völkermord beendet werden muss. Die Einstufung zielt auf das ideologische und politische Netzwerk ab, welches das islamistisch-autoritäre System des Sudans geprägt und den Konflikt über Generationen hinweg angeheizt hat.
Den gegenüber den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten feindlich gesinnten Akteuren, dem Iran und dem eritreischen Diktator, sollte dies zu denken geben. Jeder Versuch, die islamistische Herrschaft in Khartum wiederherzustellen, wird als Unterstützung eines terroristischen Netzwerks behandelt werden.
Für Israel steht noch mehr auf dem Spiel. Der Sudan unter dem islamistischen Regime diente als wichtiger Logistik- und Waffenschmuggelkorridor für den Iran, die Hamas und andere vom Iran unterstützte Gruppen. Der Iran und sein Verbündeter, der eritreische Diktator, nutzen den Krieg im Sudan, um eine Stellvertretermacht ähnlich den Huthi im Jemen aufzubauen, was angesichts der Nähe des Sudans zu Israel und seiner Kontrolle über wichtige Seewege noch gefährlicher ist.
Die Einstufung der sudanesischen Muslimbruderschaft als »ausländische terroristische Organisation« durch die US-Regierung ist demnach von großer Bedeutung. Diese Einstufung eröffnet dem Sudan ein schmales Zeitfenster, um sich aus jahrzehntelanger genozidaler islamistischer Herrschaft zu befreien, die das Land zu einem Zentrum des globalen Dschihads gemacht hat.
Habtom Ghebrezghiabher von der Hebräischen Universität Jerusalem ist Experte für geopolitische und sicherheitspolitische Dynamiken am Horn von Afrika und in der Region des Roten Meeres. (Der Text erschien auf Englisch zuerst beim Jewish News Syndicate. Übersetzung von Alexander Gruber.)






